Monatsarchiv für Juni 2010

 
 

Großkundgebungen für den Papst in Köln und München

(Pressemitteilung) Am Sonntag, den 11. Juli, wollen in Köln und München Tausende Katholiken ihre Verbundenheit mit Papst Benedikt XVI. zeigen. „Am Namenstag des heiligen Benedikt wollen wir sichtbar machen, dass es in Deutschland viele Katholiken gibt, die in Liebe und Treue zu ihrem Papst und ihrer Kirche stehen“, sagt die Initiatorin dieser Initiative, Sabine Beschmann. Die 41jährige Empfangssekretärin aus Ludwigsburg bei Stuttgart hatte erst im Mai über das Internet zu der Aktion aufgerufen. Wie man der Seite www.deutschland-pro-papa.de entnehmen kann, haben sich inzwischen viele katholische Medien, Organisationen und Einzelpersonen der Initiative angeschlossen. Insgesamt fast zehntausend Teilnehmer an den beiden zentralen Kundgebungen sind bereits registriert. Hunderte kämen täglich hinzu, heißt es bei den Organisatoren, von denen keiner beruflich für die Kirche tätig ist.

In München treffen sich die Teilnehmer um 10.45 Uhr zur Heiligen Messe mit Prälat Herbert Jung in der Kirche St. Peter am Marienplatz oder, alternativ, um 10.30 Uhr zur Lateinischen Messe in der Theatinerkirche am Odeonsplatz. Um 12.15 Uhr beginnt auf dem Odeonsplatz die Kundgebung. Dort wird auch die bekannte Sängerin Kathy Kelly für den Papst auftreten.

In Köln feiert Weihbischof Klaus Dick um 12 Uhr im Dom mit den Teilnehmern die Heilige Messe. Anschließend beginnt die Kundgebung mit dem Angelus-Gebet auf dem Roncalliplatz. Der aus dem Kölner Karneval bekannte Diakon Wilibert Pauels wird „sein kabarettistisches Loblied auf den Papst zum Besten geben“.

Die Organisatoren hoffen auf eine eindrucksvolle, entspannte und fröhliche Demonstration der Verbundenheit deutscher Katholiken mit ihrem Papst und ihrer Kirche. Unter www.deutschland-pro-papa.de kann man sich näher informieren, Flyer und Plakate bestellen und sich zu den Kundgebungen anmelden.

Was heißt hier Dialog?

Ägyptische Rechtsanwältin zu Vergewaltigungen an Israelis

Ja, was soll hier noch Dialog heißen?

Das würde ich von den Palästinenserfreunden gerne erfahren.

Erfolg für Kristina

Vor ca. einem halben Jahr haben wir auf einen Schreibwettbewerb des C. M. Brendle-Verlages und des Walther-Groz-Gymnasiums Albstadt-Ebingen hingewiesen. Zum Thema “Unsere Welt 2050″ konnten 16 bis 26 Jahre alte Autoren Kurzgeschichten und Artikel einreichen. Unsere Autorin Kristina Kesselring hat daraufhin eine Geschichte über ein junges Mädchen geschrieben, das ihren Körper einer Fantasy-Figur angleicht. Die Kurzgeschichte stellt eine bioethische Frage, die sich in naher Zukunft aufgrund technologischer Innovationen zur Veränderung des Erbgutes ergeben könnte.

Der “Preis” des Wettbewerbs ist die Aufnahme der besten Beiträge in ein Buch, das die Schüler des Gymnasiums gemeinsam mit dem Verlag gestalten. Kristina Kesselrings Geschichte hat es in dieses Buch geschafft. Herzlichen Glückwunsch!

Für Gastbeiträge konnte der Verlag den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Gernot Erler, den SPD-Landtagsabgeordneten Hans-Martin Haller und den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) gewinnen.

Konservative Einzelkämpfer

Wenn bei mir das Telefon klingelt und vom anderen Ende her als Allererstes “Es geht um Deutschland!” tönt, würde ich gerne immer sofort wieder auflegen. Denn meistens erklärt mir dann irgendein rechter Parteisektierer, daß wir – die Blaue Narzisse – doch endlich an dem großen Vereinigungsprojekt der deutschen Rechten mitwirken müßten. Der Parteivorstand ist meistens schon festgelegt und nun müssen nur noch alle mitziehen. Obwohl der potentielle Parteineugründer wahrscheinlich noch nie einen Artikel über Medien, Kultur und Kunst gelesen hat, sondern immer nur fleißig unsere NPD- und Islam-Artikel angeklickt hat, bekomme ich im Optimalfall auch noch ein Pöstchen angeboten. “Irgendwas mit Medien oder Kultur könntest du doch beitragen.”

Derzeit liegen in meinem Postfach wieder einige Konzepte von solchen Parteisektierern, die uns dabei haben wollen. Da ist die Rede von einem neuen politischen Blog mit den altbekannten Parteifunktionären und auch einige größere Sachen. Einzig aus Höflichkeitsgründen beantwortete ich solche Anfragen nicht mit “Halte die Fresse!”. Und außerdem: Es geht ja um Deutschland und weil es so schlecht um unser Land steht und auch wir selbstverständlich kein Patentrezept zur Lösung unserer Probleme haben, dürfen die anderen gerne experimentieren.

Auffallend ist dabei, daß es in patriotischen Kreisen sehr einfach ist, für den größtmöglichen politischen Unfug Unterstützer zu finden. Ich wäre froh, wenn sich so schnell und unkompliziert auch Förderer für Kulturprojekte finden würden. Der Rilke-Jugendkulturpreis hat zwar bereits ein paar wenige Unterstützer gefunden, bei denen ich mich recht herzlich bedanken möchte, aber für größeres Aufsehen in der eigenen Szene wird er nicht sorgen. Unsere Pressemitteilung diesbezüglich ist jedenfalls selbst in den vermeintlich “eigenen Reihen” untergegangen. Es geht ja schließlich nur um Gedichte, Bilder und Erzählungen.

Bei den politischen Projekten geht es jedoch um Deutschland, Macht, Parteienetablierung, und, und, und … Da habe ich schon Verständnis dafür, daß dies Vorrang genießt.

Heute früh nun hat wiederum jemand angerufen, der gleich im ersten Satz Konsens stiften wollte und mir ein donnerndes “Es geht um Deutschland!” entgegenbrachte. Doch das Gespräch entwickelte sich anders als sonst. Ein konservativer Einzelkämpfer war am Apparat, der sein Forum für Deutschland ohne jede Übertreibung oder Machtphantasie vorstellen wollte. Vielleicht ergibt sich ja mit ihm ein fruchtbarer Austausch. Auf jeden Fall solltet ihr ihn mal besuchen!

Die zwei gesuchten Kunstworte

Im Anschluß an meinen Artikel über Probleme der Lyrik – heute möchte ich zur Suche nach den Worten auffordern, zu denen sich alles hinballt:

Die Aufgabe für eine politisch-künstlerische Aktion ist damit grob skizziert: Die bestmögliche Lyrik der nahen Zukunft bestünde darin, ein Wort zu finden, in dem sich die ganzen Probleme des Abendlandes bündeln. Danach braucht es noch ein Wort, das die Vision für das neue Europa auf einen Nenner bringt. In großen Lettern müssen diese zwei Worte dann in allen großen Städten am Rathaus oder anderen repräsentativen Bauten angebracht werden. Die Schwierigkeit bei der Aufgabe: Worte, die dem gerecht werden, gibt es noch nicht. Gesucht sind also zwei Kunstworte.

Wer hat sinnvolle Ideen? Wo sollte man ansetzen?

Journalisten bekämpfen das Terrorgesetz

Vor einigen Tagen waren die Macher von unzensiert.at bei mir zu Gast und wir sprachen über Kooperationsmöglichkeiten. Das einfachste ist immer, zuerst einmal auf den anderen hinzuweisen. Das möchte ich hiermit tun und zugleich auf eine interessante Nachricht aufmerksam machen.

(unzensiert.at) Fred Turnheim, Präsident des Österreichischen Journalisten Clubs (ÖJC) warnt eindringlich vor der Gesetzeswerdung des von der Regierung vorgelegten Terrorismuspräventionsgesetzes, das nicht nur zu einer massiven Einschränkung der Rede- und Meinungsfreiheit der Bürger führen werde, sondern auch kritischen Journalismus fast unmöglich machen würde.

Der langjährige Lateinamerika-Korrespondent des ORF, Franz Fluch, sieht Österreich heute in einer vergleichbaren Situation wie Brasilien und Argentinien unter den Militärdiktaturen des letzten Viertels des 20. Jahrhunderts. Er zeigt dies auf anhand der in Österreich unterdrückten Berichterstattung über neue Erkenntnisse deutscher Gerichte zum Seilbahnunglück in Kaprun, über die zwar in angesehenen deutschen Medien, wie Spiegel und Zeit berichtet wurde, die in österreichischen „Qualitätsmedien“ (wie dem Standard) aber verrissen werden. Die Hinterbliebenen der Opfer dieser Katastrophe haben eine beeindruckende Mediensammlung ins Netz gestellt.

Man kann darüber denken, wie man will: die – auch kontroversielle – Berichterstattung darüber ist der Kern kritischen Journalismus. Diese mit staatlichen Mitteln abzudrehen, ist seinerzeit beim berühmten „Fall Lucona“ nicht gelungen, obwohl sowohl ein Außenminister und späterer Nationalratspräsident, Gratz (SPÖ) als auch ein Innenminister Blecha (SPÖ) alles Mögliche (selbst Illegales) unternahmen, um ihrem Spezi Udo Proksch gefälschte Frachtpapiere und Alibis zu verschaffen. Der mutige Journalist Hans Pretterebner wurde auch damals schon massiv seitens staatlicher Organe eingeschüchtert – aber die entsprechenden Paragrafen eines Terror­präventions­gesetzes fehlten damals noch! Die Presse resumiert den Fall.

Kann das heute in einem vergleichbaren Fall einfach abgedreht werden durch das Terrorpräventionsgesetz? Ernstzunehmende Juristen und Journalisten befürchten genau das.

Als nächstes wäre wohl Friedrich Schiller als Förderer des Terrors anzuklagen, der den Terror in „Die Räuber“ und im „Wilhelm Tell“ ausdrücklich gutheißt und verherrlicht – und mit ihm jeder Theaterdirektor, der solche Stücke in Österreich aufführen lässt.

Filme und Bücher über den gefährlichen Staatsfeind „Robin Hood“ oder gar lobende Vergleiche lebender Personen mit diesem geschichtlichen britischen Kämpfer gegen die Staatsgewalt wären ein „Gutheißen terroristischer Handlungen“ und damit in Österreich mit bis zu 10 Jahren Haft bedroht.

Zerfall der USA: Neues Aztlan

In der Sezession 33 aus dem Dezember des vergangenen Jahres prophezeite Prof. Dr. Bargatzky zumindest andeutungsweise, wohin die demgraphischen Verwerfungen auch die USA führen werden.

Und heute bin ich passend zu diesem Thema, auf folgende Nachrichten aus dem an Mexiko angrenzenden US-Bundesstaat Arizona gestoßen:

Wahnsinn, nicht? Wie es scheint, beschützen paramilitärische Verbände, die ihre Ausbildung in den USA selbst genossen haben, nun mexikanische Drogenringe bei ihren Reisen durch die Halbwüste.  Die einfachen Sicherheitskräfte sind, wahrscheinlich auch wegen der personellen Ungleichgewichte, völlig überfordert.

Knapp 30 % der Einwohner Arizonas sind Lateinamerikaner:

Seit 2003 bringt die hispanische (lateinamerikanische) Bevölkerung mehr Kinder zur Welt als die weiße nicht-hispanische Bevölkerung, und es ist davon auszugehen, dass Lateinamerikaner im Jahr 2035 die Mehrheit der Bevölkerung stellen werden.

Das Arizonensische Staatsmotto “Ditat Deus” ist nunmehr nur noch mit Zynismus aufzufassen: Es stammt aus dem Lateinischen und heißt “Gott bereichert”. Da kann sich wohl nur der Papst freuen.

Debattenkultur üben!

(gekürzte Pressemitteilung). Unter dem Motto „Free Speech allowed“ findet am 30. und 31. Oktober 2010 in London das internationale Debattenfestival „Battle of Ideas“ statt. NovoArgumente ist exklusiver deutscher Medienpartner und lädt mit der Initiative „Battle of Ideas calling“ erstmals auch Schüler und Studenten ein, gemeinsam mit den Blattmachern, Abonnenten und Autoren von Novo an der Veranstaltung im Royal College of Art teilzunehmen.

Über 2000 Besucher und 300 Referenten diskutieren auf dem „Battle of Ideas“ (BoI) in mehr als 70 Debatten über die großen Themen unserer Zeit – von A wie Atomkraft bis Z wie Zivilgesellschaft. Die Keynotes der diesjährigen Veranstaltung lauten: „Is the West still the best?“, „Trust in an age of cynicism“, „Whose social justice is it anyway?“, „Engineering the future“, „Who are the public?“ und „When does life begin to matter, what makes it sacred?”.

In diesem Jahr bietet Novo neben den üblichen Ermäßigungen für Abonnenten und Autoren auch eine Sonderaktion für Schüler und Studenten an. Das Ziel ist die Wiederbelebung der hiesigen Debattenkultur: „Wir laden junge Leute ein, die intellektuelle Herausforderungen suchen und für eine lebendigen Demokratie streiten wollen. Wer einmal auf dem Battle of Ideas war, weiß, was der politischen Streitkultur in Deutschland fehlt. Der Battle of Ideas ist zukunftsorientiert, herausfordernd und polarisierend. Dabei ist die Atmosphäre von Toleranz und Weltoffenheit geprägt“, so der Herausgeber von NovoArgumente, Thomas Deichmann.

Neben der BoI-Eintrittskarte beinhaltet das Teilnahmepaket auch die Teilnahme an einer Informationsveranstaltung und einem Vorbereitungsseminar in Frankfurt, ein NovoArgumente-Miniabo von drei Ausgaben sowie die kostenlose Teilnahme am exklusiven Frankfurter Satellite-Event des BoIs im Museum für Moderne Kunst (MMK). Das Teilnahmepaket kostet 50 Euro – weniger als der reguläre Eintritt zum BoI. In begründeten Härtefällen bemüht sich Novo um weitergehende Unterstützung bei Reise und Unterkunft. Weitergehende Informationen und das Anmeldeformular finden sich auf der Novo-Website unter http://www.novo-argumente.com/magazin.php/BoIc/.

“Benn Now”!

Im Optimalfall wäre unser geplanter Rilke-Jugendkultur-Preis erst ein Anfang. Was läßt sich nicht alles mit guter Lyrik oder ausgefeilten Prosatexten anfangen? Wir haben dazu schon mal ein Experiment gewagt und zu einem Gedicht von Johannes Schüller ein Gedichtvideo gedreht. Solche Projekte würde ich gern ausbauen. Was fehlt? Kreative Musiker, die Melodien zu Gedichten schreiben; Nachwuchsdichter mit Mut; Videokünstler; … und es fehlt auch die Unterstützung für solche Projekte aus dem eigenen Lager.

Um das Interesse an Kunst und Kultur dennoch zu wecken, werden wir nicht müde werden und immer wieder auf interessante Projekte hinweisen. Bei der Recherche zu einem Artikel über Gottfried Benns “Probleme der Lyrik” bin ich nun über “Benn Now” gestolpert. Am besten einfach mal reinhören!

“Das alles ist Deutschland”?

Pünktlich zur WM hat die Musikindustrie dutzendweise patriotischen Wohlfühlpop herausgebracht. Ein Gesicht ist dabei besonders präsent: Bushido. Neben FACKELN IM WIND hat er zusammen mit Fler DAS ALLES IST DEUTSCHLAND aufgenommen.

Zu diesem Thema aus unserem Archiv: