Ende gut – alles gut. Vor wenigen Minuten lief auf ARD das Sozialdrama “Zivilcourage” aus. Dramatisch ging’s dann kaum noch zu, das retardierende Moment hinkte hinterher und letztendlich öffnete der Protagonist – Antiquar Peter Jordan (Götz George alt) – die Fenster um beinahe wie Kolumbus Amerika auszurufen. Insofern aber ist Christian Dorns Besprechung noch viel zu wohlwollend.
Mit ein wenig Zivilcourage gegen Kriminelle mit Migrationshintergrund wendet sich doch alles zum Guten. Das ist die enttäuschende Moral dieses Films. Und so können auch der naive Mut des schnäuzbärtigen Antiquars und seine Lektionen in Hochkultur für die Analphabetin Jessica (Carolyn Genzkow) letztendlich doch nicht überzeugen. Dann eher doch Jessicas kettenrauchende Hartz-IV-Mutter. Wenigstens hier stimmt die Realität einigermaßen. Für das Genre “Sozialdrama” generell aber hebt “Zivilcourage” hoch an und landet schlecht.
Der israelische Regisseur Dror Zahavi hält den Spannungsbogen lange durch, das Ende gerät dafür umso schwächer. Der Antiquar senkt die Pistole, ruft den Migranten ein “Raus aus meinem Laden” zu und schon nimmt die Polizei den Schläger mit. So ließe sich der vorgeblich dramatische Ausklang resümieren. Irgendwie, mit einem Fünkchen Optimismus wird doch alles gut mit gewaltbereiten MitbürgerInnen. Das dies dem Gewaltpotential der aus dem Kosovo stammenden, die Familie des Mannes bedrohenden Kosovo-Albaner vollkommen widerspricht, ignoriert die Handlung. Es scheint, als wöllte Zahavi ein längst nicht mehr zu verschweigendes Thema – Ausländerkriminalität – beschwichtigend poetisieren.