Meinungen zur Extremismus-Klage in Chemnitz

Selten gibt es ein so großes Echo auf Beiträge von uns wie auf meine derzeitige Extremismus-Klage. Ich habe eben noch ein paar Internetseiten per PDF sicher gestellt, um auch wirklich beweisen zu können, daß sich einige Nutznießer und Entscheidungsträger des Lokalen Aktionsplans für Toleranz, Demokratie und ein weltoffenes Chemnitz explizit weigern, ein Bekenntnis gegen Extremismus abzulegen. Die linke Landtagsabgeordnete Freya Maria Klinger geht sogar so weit, Diskussionen mit Andersdenkenden grundsätzlich abzulehnen und z.B. die rechtskonservative Bürgerbewegung PRO CHEMNITZ von jeder Debatte auszuschließen. Und sie erhält dafür Unterstützung von Mitgliedern des fragwürdigen Begleitausschusses des LAP und von Organisationen, die Extremismus-Gelder einsammeln.

Nun aber zu den Meinungen, die ich allesamt unkorrigiert zitiere:

  1. Ich würde die Gelder kurzerhand rigoros und komplett wegstreichen. Man kann es sicher sinnvoller verwenden als an Tribünen für Extremismus zu heften. Weg damit.
  2. Es haben nicht alle Gruppen, Vereine oder Projekte eine finanzstarke Lobby hinter sich. Linke Gruppen brauchen sich um die Barschaften keine Sorgen machen, stehen doch die finanzstarken Altkader im Hintergrund bereit.
  3. Thihi…. schon irgendwie lustig, wie zynisch ein Verein versucht Geld zu erschleichen. Eine Burschenschaft, die sich um die “arische” “Rasse” ihrer Mitglieder sorgt, redet von Weltoffenheit. Die Macht der Autosuggestion ist stark mit euch, junge Sith-Krieger… Wie sonst könnten sie in den Spiegel gucken, ohne zu auszuflippen weil sie sich selbst belügen?
  4. Jawohl du Schlaumeier, genau so sind die Protagonisten der Blauen Narzisse. Gröhlende Glatzen aber statt einem Hitlertattoo haben die eins vom Stauffenberg.
  5. Die politisch korrekte Klasse aus Politik und Medien bemüht gerne Antidiskriminierungsgesetze, wenn es um die Pflege eigener Vorstellungen geht, verwehrt diese aber politisch Andersdenkende. Wer das immer noch nicht verstanden hat, kann einem nur leid tun. Daran geht unsere Demokratie zu Grunde.
  6. extremismus ist schlecht. links und rechts. das problem ist nur dass sobald jemand gegen linksextremismus redet ist er sofort ein faschist!
  7. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob der präventive Charakter der Extremismusaufklärung erhalten bleibt, wenn Linke über Rechts und Rechte über Links aufklären… Zudem klären wir doch schon die ganze Zeit auf… Ist es notwendig, derolei Projekte von der Stadt finazieren zu lassen? Ich glaube nicht. Gleichbehandlungsgrundsätze? Die hat es noch nie gegeben und wird es auch nicht geben. Von daher: Nicht träumen sondern selber anpacken….
  8. fördert lieber die betreung unserer kinder!!!! dort wird hinten und vorn alles gestrichen
  9. Könnte mir vorstellen, dass bei der Obrigkeit in Karl-Marx-Stadt allein schon der Antrag für aufgeregtes Hin- und Hereilen auf den Gängen geführt hat. Nach dem Motto “nu, das dürfm Sie dorr garni!!”

Kolumne über Alles und Nichts: Barca, ManU, RB und der CFC

Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Eben weil es eine Nebensache ist, gehöre ich nicht zu denjenigen, die jede Woche ins Stadion rennen. Aber manche Spielen reizen eben schon. Vor einer Woche machte mein Heimatverein Chemnitzer FC (CFC) den Aufstieg in die 3. Liga perfekt. Noch dazu ging es an jenem Samstag gegen Red Bull Leipzig, also neureiche Vertreter eines ekligen Gummibärchensaftes, die vor der Saison von allen Experten als Aufstiegsaspirant Nummer eins gehandelt wurden. Zum Glück kam es anders: Chemnitz fegte Red Bull weg und ich war wieder einmal nicht im Stadion, sondern verbrachte den ganzen Tag freiwillig in einer miefigen Turnhalle.

Mit Blick auf den Chemnitzer FC könnte man meinen, er hätte eine perfekte Saison hingelegt. Als Außenseiter gestartet, entwickelten sich die Himmelblauen schnell zur Übermannschaft der Regionalliga. 6:0, 5:0, 4:0 – Siege in dieser Größenordnung waren keine Seltenheit. Am letzten Spieltag besiegte die Truppe von Trainer Gerd Schädlich den ärgsten Verfolger VfL Wolfsburg II ebenfalls mit vier Toren Differenz und kommt so in der Endabrechnung auf 82 Punkte und damit sieben mehr als Wolfsburg.

Doch Perfektion ist nicht gleich Perfektion. Unsere moderne, durchökonomisierte Welt ist der Grund dafür, warum wir zwischen Perfektion und Perfektion unterscheiden müssen. Die Perfektion des CFC beruht auf jahrelanger harter Arbeit mit wenig Mitteln. Der Input war gering, der Output ist jetzt endlich maximal. Gerd Schädlich hat über drei Jahre hinweg eine Mannschaft mit jungen deutschen Spielern entwickelt, die sich Stück für Stück steigerte und am Ende in der Lage war, als David gegen den Goliath Red Bull zu siegen.

Ganz anders sieht es beim FC Barcelona aus: Bei Barca ist alles perfekt und der Verein (oder sollten wir besser von einem global agierenden Unternehmen sprechen?) stellte dies am letzten Sonnabend im Champions League-Finale gegen Manchester United eindrucksvoll zur Schau. Ich meine gar nicht mal das lockere 3:1 gegen ManU. Aber schaut euch doch nur mal diesen Trainer, den Pep Guardiola an. Völlig ruhig, fast teilnahmslos, steht er da am Seitenrand, mit den Händen in den Hosentaschen. Er ist perfekt gekleidet mit einem dunkeln Anzug und natürlich auch noch jung, so wie es die neue Trainergeneration der erfolgreichen Klopps und weniger erfolgreichen Klinsmanns eben sein muß. Im Gegensatz dazu Gerd Schädlich, der immer in einem mehr oder weniger gut sitzenden Trainingsanzug erscheint, seine Mannschaft lautstark dirigiert und bei der Presse als Fanatiker deutscher Tugenden gilt.

Guardiola und Barca könnten dies nicht stärker kontrastieren. Der Moderator von vorgestern sprach von „moderner Architektur“, um die Spielanlage der Katalanen zu beschreiben. Guardiola gelingt es, selbst das freigeistige Genie Lionel Messi in diese perfekte Konstruktion als kreatives Element zu integrieren. Es paßt einfach alles: Barca ist ein global agierendes Großunternehmen mit mehreren 100 Millionen Jahresumsatz. Selbst die „Corporate Social Responsibility“-Strategie des Unternehmens mit Unicef als Hauptsponsor wurde sorgfältig gewählt, um nicht nur sportlich erfolgreich, sondern auch moralisch gut herüberzukommen. Es hätte zum Champions League-Finale eigentlich nur noch gefehlt, daß danach das mythenreiche Wembley-Stadion in Greenpeace-Arena umbenannt wird. Der Initiator dieser feinen Geste hätte nur Barca heißen können. Dann wäre die gute Welt endlich perfekt vollendet gewesen.

Doch ich muß zugeben, daß mich die Perfekten und noch dazu moralisch Guten nur wenig interessieren. Mehr noch: Ich langweilte mich am Samstag vor dem Fernseher, weil von Anfang an feststand, wie das Spiel des Jahres ausgeht. Zu perfekt trat Barca auf. Da beobachte ich also doch lieber das Geschehen in der dritten oder vierten Liga. Und sollte Chemnitz nach langer Durststrecke mal wieder in die 2. Fußball-Bundesliga aufsteigen, wird der Abstiegskampf umso spannender.

Kriegsrethorik der Gutmenschen in Chemnitz zwei Monate nach der Niederlage

Ich hätte wirklich nicht gedacht, wie tief der Stachel bei allen Chemnitzer Gutmenschen sitzt, die am 5. März den “braunen Trauermarsch” aufgrund des völlig normalen Einschreitens der Polizei nicht im Verbund mit gewalttätigen Linksextremisten wegräumen konnten. Noch heute, also zwei Monate später, debattieren in der überhaupt nicht freien Lokalzeitung FREIE PRESSE Prominente der Stadt, wie das passieren konnte und warum nicht noch mehr Bürger den Blödsinn der Gutmenschen unterstützt haben. Die Argumentationsmuster schwanken dabei zwischen Nostalgie (“Die 89er sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Ach herje!”) und Kriegsrethorik. Bei dem aktuellen Aufsatz von Hartwig Albiro fragt man sich wirklich, ob er sich diesen nach dem Schreiben noch einmal durchgelesen hat und ob es nicht eine Etage tiefer geht. Der Zweite Weltkrieg scheint für den 1931 geborenen noch nicht zu Ende zu sein.

Im folgenden möchte ich einfach mal zuerst die kriegerischen und dann die gutmenschlichen Vokabeln dieses demokratischen Helden auflisten. Zuerst die Ausdrücke aus dem Kriegsbericht um die umkämpfte Besetzung von Chemnitz:

… von Gegenkräften zu besetzen …

Die wesentlichen Plätze der Innenstadt waren von Chemnitzern besetzt … Aber die Zersplitterung der Kräfte war dadurch programmiert – der Gedanke, ganztägig Massen in Bereitschaft zur Gegendemo zu halten, wurde nicht realisiert.

Gegen 15 Uhr setzte sich innerhalb des “Hochsicherheitstrakts” der braune Sumpf, behütet und geschützt, zum “Trauermarsch” durch die Innenstadt in Bewegung. Vom Hubschrauber beobachtet, durch Sperrketten behindert, verschaffte sich der Protest mit der Oberbürgermeisterin an der Spitze am Forum Gehör, aber aufgehalten wurden die Neonazis dadurch nicht.

Die Friedenskräfte sind objektiv immer zum Reagieren verdammt. (mein absoluter Lieblingssatz, FM)

… anschließende Säuberung und Desinfizierung der Naziroute vom braunen Morast mit Reinigungsfahrzeugen der Stadt und den mit Besen und Schrubbern bewaffneten Bürgern …

So, das soll erstmal reichen. Herr Albiro hat aber nicht nur zu seiner Schulzeit die Vokabeln fleißig gelernt. Auch heute noch ist er aufnahmebereit für die Worthülsen der Gegenwart:

Zeichen für Menschlichkeit und Toleranz

… friedliche demokratische Kreativität …

“Wir stehen da und sind betroffen, der Vorhang zu und alle Fragen offen”, hieß es bei Brecht.

Mit diesem Brecht-Zitat muß alles gesagt sein und alle Fragen offen. Die Debatte kann also weitergehen, damit so etwas nie wieder passiert. Nie wieder!

Gesinnungsjournalismus und die Beantwortung der Gewalt-Frage

Letztes Jahr haben wir ausführlich über den 5. März in Chemnitz berichtet, der sozusagen eine Miniatur des Dresdner 13. Februars ist. Dieses Jahr haben wir uns das gespart, weil es nichts Neues zu berichten gab. Alles schien sich zu wiederholen:

Eine weitere Konstante ist die linkslastige Lokalpresse. Die Regionalzeitung Freie Presse berichtet heute auf Seite 3 unter der vielsagenden Überschrift “Beklemmend friedlich” über den Protest gegen die “Neonazi”-Demonstration. Der Bericht von Ulrike Nimz beginnt wie folgt:

Der Mann am Straßenrand ist sich sicher. Chemnitz hat heute zum zweiten Mal sein Gesicht verloren – das einer weltoffenen, engagierten Stadt. Hans Grosse steht an der Bahnhofsstraße und hält sich gemeinsam mit seiner Frau an einem Transparent fest. “Faschismus ist keine Meinung – Faschismus ist ein Verbrechen”

Als Eindruck von dem Beitrag soll das reichen. Welcher Meinung vertritt Nimz und die Freie Presse? Zum einen schließt sie sich den Faschismus-Parolen der Linken an, zum anderen – das ist viel bemerkenswerter – bezieht sie aber auch Stellung zur Gewaltfrage und reiht sich somit in das Bündnis aus Linken und Antifas ein:

Die Polizei hat am Sonnabend in Chemnitz dafür gesorgt, daß es nicht zu Ausschreitungen kam und es somit “beklemmend friedlich” wurde. Darüber beschwert sich die Freie Presse. Sie hätte es anscheinend lieber gesehen, wenn jedermann/-frau Steine auf die “Verbrecher” hätte werfen dürfen. Gewalt ist nach dieser Logik immer dann in Ordnung, wenn sie den eigenen Feind trifft. Wenn Politiker solche Auffassungen vertreten, dann mag dies aus einem Lagerdenken resultieren. Wenn aber inzwischen selbst die idealtypisch als Kontrollinstanz gedachte Presse zur Selbstjustiz im Meinungskampf aufruft, entlarvt dies die betreffenden Journalisten als Handlanger von gewaltbefürwortenden Radikalinskis, denen die Grundwerte der politischen Kultur (Demokratie, Freiheit) völlig egal sind.

Gärtners alarmierende Neuigkeiten

Hubertus Gärtner ist ein Journalist, der zukünftigen Journalisten gern investigativen Journalismus erklärt. Auf die Frage, ob er sich selbst als investigativen Journalisten sehe, gestand er:

Zu einem Drittel bin ich das [=investigativer Journalist, Anm. CR] vielleicht. Ein Drittel der Arbeitszeit beinhaltet ganz normale Recherche. Ein weiteres Drittel sind Terminjournalismus und Routinearbeiten.

Später heißt es dann:

Investigative Recherche ist für mich etwas, das gegen Widerstände und meist länger recherchiert wird.

(…)

Manchmal sind die Grenzen aber auch fließend.

Ob es sich nun bei Gärtners Meinungskundeunterricht jüngster Berichterstattung (Google-Cache) um investigativen Journalismus, Terminjournalismus oder um simple Routinearbeit aus der Trickkiste eines ganz gewöhnlichen Sprechblasenautomaten handelt, muss noch geklärt werden. Wie er selbst schon mal sagte “Die Grenzen sind fließend.”

Der Online-Artikel ist vom normalen Netzbetrieb der Neuen Westfälischen Zeitung mittlerweile verschwunden. Was aber nicht verschwindet, ist die üble Verleumdung unseres Chefredakteurs Felix Menzel als angeblich “bekennenden Rechtsextremen” in der erschienenen Druckausgabe.

Gärtners Recherche war aber sogar so fad, dass ihm beim Lesen der Überschriften offenbar nicht aufgegangen war, dass “der Partypupser vom Holocaust-Mahnmal” eine Selbstbeschreibung Henryk M. Broders war und keineswegs der Tastatur unseres Autors Johannes Schüller entsprang.

Ich war quasi der Partypupser vom Holocaust-Mahnmal“, stellt Broder zu seinem Auftritt als wandelnde Stele gegenüber der Augsburger Allgemeinen fest.

, hieß es dazu nämlich im bei BN veröffentlichten Text.

Alarm! Alarm! Die sogenannte Recherche riecht streng nach hermeneutischer Zirkularität. Der größte Widerstand, den Gärtner für die Recherche zu brechen hatte, war offenbar die Wahrheitstreue selbst. Poah, das hat ihn was gekostet! Aber wenns für die gute Sache wichtig war…

Warum nun auch noch Claudia Roth (Bündnis 90/Grüne) beleidigt ist, wissen wir auch nicht genau. Es könnte aber mit dieser ominösen Kunstfigur “Claudia R.” aus Menzels Vortrag zu tun haben – ein fürchterlicher Homunculus, das Abziehbild einer dekadenten und perversen Untergangsgesellschaft -, die Felix Menzel den Zuhörern zeitweilig und prophetengleich in den Mittelpunkt des Interesses rückte.

Die ganze Veranstaltung in der Burschenschaft Normannia-Nibelungen sei “ein Forum zur Verbreitung von menschenverachtenden Ansichten” und habe das Ziel gehabt, “rechtsextremistische Weltbilder salonfähig zu machen”, sagte Roths Sprecher. Der Vorfall sei “alarmierend”. “Er bestärkt Claudia Roth und uns Grüne in unserem entschiedenen Kampf gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit”. Personen wie Menzel dürfe “keine Bühne für die Verbreitung ihrer rechtsextremistischen Positionen geboten werden.”

, käut Gärtner nun die gestanzten Phrasen der Melonenpartei (außen grün, innen rot mit braunen Kernen) nach.

Damit bestärkt er uns nur in der Auffassung, dass  eine rechte Zeitung notwendig ist, denn die vorhandenen wollen die Realität offenbar gar nicht mehr erfassen, sondern alarmieren, beschützen und vor allem “gut sein”.

Weitere Links:

JF

Endstation Rechts

Menschliches Allzumenschliches (III)

Liebe Leser, ich habe noch einen sehr wichtigen Teil aus dem “Buch für freie Geister” für Euch. Bedenkt bitte, dass dieses über 130 Jahre alt ist. (Erstdruck 1878 übrigens in Chemnitz!) Dessen Aktualität ist selbstredend. Der folgende Abschnitt ist ganz besonders lesenswert für die jungen Idealisten unter uns, die immer noch Gefahr laufen zuvörderst die erlösende Partei für unsere Probleme zu erwarten. Seit mindestens 130 Jahren verschwenden sehr viele Deutsche ihre Energien durch Parteihoffnungen. Deren Resultate reichen von katastrophal, über erschreckend bis hin zu irgendwie lustig.

Gleich zu Beginn des 8. Hauptstücks “Ein Blick auf den Staat” heißt es:

438

Um das Wort bitten. – Der demagogische Charakter und die Absicht, auf die Massen zu wirken, ist gegenwärtig allen politischen Parteien gemeinsam: sie alle sind genötigt, der genannten Absicht wegen, ihre Prinzipien zu großen Al-fresco-Dummheiten umzuwandeln und sie so an die Wand zu malen. Daran ist nichts mehr zu ändern, ja es ist überflüssig, auch nur einen Finger dagegen aufzuheben; denn auf diesem Gebiete gilt, was Voltaire sagt: quand la populace se mêle de raisonner, tout est perdu. Seitdem dies geschehen ist, muß man sich den neuen Bedingungen fügen, wie man sich fügt, wenn ein Erdbeben die alten Grenzen und Umrisse der Bodengestalt verrückt und den Wert des Besitzes verändert hat. Überdies: wenn es sich nun einmal bei aller Politik darum handelt, möglichst vielen das Leben erträglich zu machen, so mögen immerhin diese Möglichst-Vielen auch bestimmen, was sie unter einem erträglichen Leben verstehen; trauen sie sich den Intellekt zu, auch die richtigen Mittel zu diesem Ziele zu finden, was hülfe es daran zu zweifeln? Sie wollen nun einmal ihres Glücks und Unglücks eigene Schmiede sein; und wenn dieses Gefühl der Selbstbestimmung, der Stolz auf die fünf, sechs Begriffe, welche ihr Kopf birgt und zutage bringt, ihnen in der Tat das Leben so angenehm macht, daß sie die fatalen Folgen ihrer Beschränktheit gern ertragen: so ist wenig einzuwenden, vorausgesetzt, daß die Beschränktheit nicht so weit geht, zu verlangen, es solle alles in diesem Sinne zur Politik werden, es solle jeder nach solchem Maßstabe leben und wirken. Zuerst nämlich muß es einigen mehr als je erlaubt sein, sich der Politik zu enthalten und ein wenig beiseitezutreten: dazu treibt auch sie die Lust an der Selbstbestimmung; und auch ein kleiner Stolz mag damit verbunden sein, zu schweigen, wenn zu viele oder überhaupt nur viele reden. Sodann muß man es diesen Wenigen nachsehen, wenn sie das Glück der Vielen, verstehe man nun darunter Völker oder Bevölkerungsschichten, nicht so wichtig nehmen und sich hier und da eine ironische Miene zuschulden kommen lassen; denn ihr Ernst liegt anderswo, ihr Glück ist ein anderer Begriff, ihr Ziel ist nicht von jeder plumpen Hand, welche eben nur fünf Finger hat, zu umspannen. Endlich kommt – was ihnen gewiß am schwersten zugestanden wird, aber ebenfalls zugestanden werden muß – von Zeit zu Zeit ein Augenblick, wo sie aus ihrer schweigsamen Vereinsamung heraustreten und die Kraft ihrer Lungen wieder einmal versuchen: dann rufen sie nämlich einander zu wie Verirrte in einem Walde, um sich einander zu erkennen zu geben und zu ermutigen; wobei freilich mancherlei laut wird, was den Ohren, für welche es nicht bestimmt ist, übel klingt. – Nun, bald darauf ist es wieder stille im Walde, so stille, daß man das Schwirren, Summen und Flattern der zahllosen Insekten, welche in, über und unter ihm leben, wieder deutlich vernimmt. –

Jens Kassner vom Netzwerk für Kultur- und Jugendarbeit mag Rilke-Preis nicht

Wir sind regelrecht begeistert über die große Teilnahme an unserem Rilke-Preis. Es sind schon über 100 Arbeiten eingesandt worden. Das schmeckt nicht allen. Ein gewisser Herr Dr. Jens Kassner hat sich gestern an den Fachbereich Germanistik der TU Chemnitz gewandt, um vor dem Rilke-Preis zu warnen. Er schreibt:

… da wir erfahren haben, dass sich einieg (sic!) Germanistik-Studenten der TU an dem vom Chemnitzer Online-Journal “Blaue Narzisse” ausgeschriebenen Rilke-Literaturpreis beteiligen, möchten wir Sie bitten eine Erklärung des Netzwerkes für Kultur- und Jugendarbeit e.V. zu diesem Wettbewerb auf geeignete Weise in Ihrem Fachbereich zu verbreiten. Die Studenten sollten wissen, dass dahinter Organisationsstrukturen des rechten Randes der Politik stehen.

Viele Grüße
Dr. Jens Kassner

Netzwerk für Kultur- und Jugendarbeit e.V.
Karl-Liebknecht-Str. 19
09111 Chemnitz

Zur Begründung liefert Kassner anbei ein denunzierendes Schreiben mit der Überschrift “Vorsicht vor Sumpfblüten”. Kassner schafft es in diesem Schreiben noch nicht einmal, das Thema des Rilke-Preises “Vergänglichkeit und Zukunft” unfallfrei zu rezitieren.

Ein Tool zur Visualisierung der Entortung

Chemnitz wurde von den Stadtoberen und ein paar fremden Werbefuzzis aus Leipzig vor einiger Zeit ein neues Logo verordnet – und zwar ein ziemlich beschissenes Copyright-Zeichen. Damit identifizieren kann sich kaum einer der Bürger und deshalb wird es wohl auch in den nächsten Jahren noch die ein oder andere absurde Werbekampagne für die selbst ernannte “Stadt der Moderne” geben.

Das dafür ausgegebene Geld könnte man auf jeden Fall besser verwenden. Aber vielleicht liegt´s ja auch daran, daß der Stadt Chemnitz bisher die Werkzeuge zur Visualisierung der eigenen Entortungsabsichten fehlten. Ein gänzlich kostenloses Tool bietet zum Beispiel eine französische Netzseite an. Die Ergebnisse sind auch nicht schlechter als der gemeinsame Vorschlag von Stadt, Stadtmarketingagentur und Werbeagentur. Ein neues Logo für die BN habe ich auch gleich mal anfertigen lassen.

Luc Jochimsen: “Aufrechte Linke mit Hang zur Kultur”

An manchen Tagen, an denen ich beim Mittagessenkochen die Chemnitzer Regionalzeitung Freie Presse lese, kommt mir echt das Kotzen. Stephan Lorenz darf heute auf Seite 4 “Kommentar und Hintergrund” über Luc Jochimsen fabulieren. Eigentlich findet er die linke Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten ganz nett, aber ihre Aufstellung sei strategisch unklug. Würde die Linkspartei Gauck unterstützen, könnte sie sich einen “gewissen Respekt bei den anderen Parteien verschaffen und auch die Skepsis vor allem im Westen mildern helfen.” Lieber Kamerad Lorenz, vielleicht geht es der Linken ja gar nicht um Respekt? Was ist dieser denn in der Politik schon wert. Vielleicht, aber wirklich nur vielleicht, ist die Linke eine populistische Partei wie jede andere, der es einzig und allein um Aufmerksamkeit und die Befriedigung der eigenen Klientel geht.

Wie dem auch sei, darum geht es dir ja gar nicht, denn du hast die Vorzüge der Frau Jochimsen erkannt, die du anpreist, obwohl du weißt, daß die Dame in der Bundesversammlung nicht den Hauch einer Chance hat. Warum also Jochimsen? Ich fasse deine Argumente kurz zusammen:

  • Sie ist weiblich.
  • Sie ist eine “streitbare Publizistin mit einem Faible für Kultur”. Du findest es toll, daß sie beim Politmagazin Panorama mitgewirkt hat und 1994 Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks (HR) wurde. Danach hat man den HR nur noch “Rot-Funk” genannt, weil sich Jochimsen unter anderem dafür eingesetzt hat, daß auch die PDS genügend Sendeminuten erhält.
  • Wie du schon in der Überschrift angedeutet hast, ist dir ihr Einsatz für die Kultur wichtig. Insbesondere ihr Engagement für den Palast der Republik hebst du hervor: “In ihren Augen ist Kultur ein umfassender Begriff unseres Lebens. Eine Trennung zwischen Politik und Kultur möchte sie nicht vollziehen. Nach wie vor empfindet sie es als Schmach, dass der Palast der Republik, ‘Erichs Lampenladen’, gänzlich verschwunden ist.”
  • Aber den eigentlichen Brüller, weshalb ich diesen Blogeintrag aufgesetzt habe, hast du, lieber Kamerad Lorenz, dir für den Schluß aufgehoben: “Einem etwas breiteren Publikum wurde sie bekannt, als sie 2004 ihrem früheren TV-Kollegen Michel Friedman nach dessen Skandal um Kokain und Sex mit Zwangsprostituierten für einige Tage Zuflucht in Italien gewährte. Nun will sie als die ‘Schirmherrin der Schwachen’ ins Schloss Bellevue einziehen.”

Stammtisch in Chemnitz am 8. Mai

Am 8. Mai um 16 Uhr findet in Chemnitz unser nächster Stammtisch statt, zu dem wir euch recht herzlich einladen wollen. Den Veranstaltungsort geben wir nach erfolgter Anmeldung bekannt.