Coco Chanel & Igor Stravinsky heute auf 3sat
Vor fast einem Jahr haben wir den Film Coco Chanel & Igor Stravinsky von Regisseur Jan Kounen besprochen. Heute kommt dieser auf 3sat um 22.25 Uhr erstmals im deutschen Fernsehen.

Vor fast einem Jahr haben wir den Film Coco Chanel & Igor Stravinsky von Regisseur Jan Kounen besprochen. Heute kommt dieser auf 3sat um 22.25 Uhr erstmals im deutschen Fernsehen.
Für sein Projekt “Poem” hat Ralf Schmerberg 2003 19 Gedichte verfilmt. Darunter war auch Ingeborg Bachmanns “Nach grauen Tagen”:
Eine einzige Stunde frei sein!
Frei, fern!
Wie Nachtlieder in den Sphären.
Und hoch fliegen über den Tagen
möchte ich
und das Vergessen suchen—
über das dunkle Wasser gehen
nach weißen Rosen,
meiner Seele Flügel geben
und, oh Gott, nichts wissen mehr
von der Bitterkeit langer Nächte,
in denen die Augen groß werden
vor namenloser Not.
Tränen liegen auf meinen Wangen
aus den Nächten des Irrsinns,
des Wahnes schöner Hoffnung,
dem Wunsch, Ketten zu brechen
und Licht zu trinken—
Eine einzige Stunde Licht schauen!
Eine einzige Stunde frei sein!
Und hier ist das dazugehörige Video:
Um 23.45 Uhr kommt heute auf ARD der Film Gegen die Wand von Fatih Akin. Aus der Filmbeschreibung:
Der türkische Alkoholiker Cahit Tomruk (Birol Ünel) kann in seinem Leben keinen Sinn mehr erkennen und rast mit seinem Ford im Vollrausch gegen eine Wand. Als er im Krankenhaus wieder zu sich kommt, lernt er seine Landsmännin Sibel (Sibel Kekilli) kennen, die sich ebenfalls das Leben nehmen wollte… Die junge Frau ist auf der Flucht vor den traditionellen Zwängen ihrer Familie und überredet Cahit, sie zum Schein vor den Traualtar zu führen. Die beiden leben von nun an zusammen in einer Wohnung und bei Cahit werden tatsächlich Gefühle wach. Doch Sibel hat keine Augen für ihn, sie stürzt sich von einer Affäre in die nächste. Aus Verzweiflung tötet Cahit einen von Sibels Lovern und landet im Knast. Sibel erkennt viel zu spät, dass auch sie Gefühle für ihren Mann hat …
Zur mentalen Einstimmung auf den Film empfehle ich folgende Artikel aus unserem Archiv:
Letzte Nacht lief auf Arte der umstrittene Fernsehfilm “Wut”. Wer ihn verpaßt oder noch nie gesehen hat, kann dies noch nachholen, da er hier in voller Länge online zu finden ist. In dem Film terrorisiert der junge Migrant, Can, eine linksliberale Professorenfamilie.
Ende gut – alles gut. Vor wenigen Minuten lief auf ARD das Sozialdrama “Zivilcourage” aus. Dramatisch ging’s dann kaum noch zu, das retardierende Moment hinkte hinterher und letztendlich öffnete der Protagonist – Antiquar Peter Jordan (Götz George alt) – die Fenster um beinahe wie Kolumbus Amerika auszurufen. Insofern aber ist Christian Dorns Besprechung noch viel zu wohlwollend.
Mit ein wenig Zivilcourage gegen Kriminelle mit Migrationshintergrund wendet sich doch alles zum Guten. Das ist die enttäuschende Moral dieses Films. Und so können auch der naive Mut des schnäuzbärtigen Antiquars und seine Lektionen in Hochkultur für die Analphabetin Jessica (Carolyn Genzkow) letztendlich doch nicht überzeugen. Dann eher doch Jessicas kettenrauchende Hartz-IV-Mutter. Wenigstens hier stimmt die Realität einigermaßen. Für das Genre “Sozialdrama” generell aber hebt “Zivilcourage” hoch an und landet schlecht.
Der israelische Regisseur Dror Zahavi hält den Spannungsbogen lange durch, das Ende gerät dafür umso schwächer. Der Antiquar senkt die Pistole, ruft den Migranten ein “Raus aus meinem Laden” zu und schon nimmt die Polizei den Schläger mit. So ließe sich der vorgeblich dramatische Ausklang resümieren. Irgendwie, mit einem Fünkchen Optimismus wird doch alles gut mit gewaltbereiten MitbürgerInnen. Das dies dem Gewaltpotential der aus dem Kosovo stammenden, die Familie des Mannes bedrohenden Kosovo-Albaner vollkommen widerspricht, ignoriert die Handlung. Es scheint, als wöllte Zahavi ein längst nicht mehr zu verschweigendes Thema – Ausländerkriminalität – beschwichtigend poetisieren.