ZEIT über Kristina Köhler

Auf rechtsextremen Internetseiten wird die neue Familienministerin gelobt. Zwar ist Kristina Köhler keine echte Rechte, doch unschuldig ist sie an diesem Beifall nicht.

Die Familienministerin ist ein beliebtes Thema in rechtsextremen Ecken des Internet. “Vielleicht wäre sie in der NPD besser aufgehoben”, schreibt eine Userin namens Nicole auf Altermedia; sie meint es als Lob. Beim DVU-nahen Blog Gesamtrechts heißt es, Kristina Köhler erscheine “aufgrund ihrer Kompetenz in Sachen Islam und Linksextremismus als kleines Hoffnungszeichen”. Die Islamophoben von Politically Incorrect bezeichnen sie als “ein in vieler Hinsicht erfrischendes neues Gesicht in der schwarz-gelben Bundesregierung”. Und die deutschnationale Blaue Narzisse glaubt, Köhler habe “das Potential, der Brückenkopf eines neuen Konservatismus in der siechen CDU zu werden”.

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Nachtrag: Die ZEIT hat den Artikel mittlerweile gelöscht. Was mögen wohl die Gründe dafür gewesen sein?

Kristina Köhler will Verfassungstreue von Anti-Rechts-Programmen überprüfen lassen

Familienministerin Kristina Köhler (CDU) möchte ab 2011 alle Initiativen, die staatliche Gelder für ihren Kampf gegen Rechtsextremismus bekommen, selbst vom Verfassungsschutz untersuchen lassen. Das ist doch eine nette Idee. Sicherlich haben die vielen subventionierten Antifa-Projekte auch nichts zu verbergen und können der Kontrolle entspannt entgegen sehen. Oder etwa nicht?

Die Bundestagsfraktionen der SPD und Linkspartei sehen das anders. Der linke Bundestagsabgeordnete Steffen Bockhahn sagte zu dem Vorhaben: „Die Ankündigung von Bundesministerin Köhler ist ein Skandal. Eine Kriminalisierung von Antifa-Gruppen und anderer Organisatoren bestärkt die Rechte-Szene in Ihrer Intoleranz und in Ihrem Hass gegen Minderheiten.“

Die SPD-Bundestagsabgeordneten Soenke Rix und Daniela Kolbe sekundierten Bockhahn fast im gleichen Wortlaut und bezeichneten die Überprüfung ebenfalls als „Skandal“: „Sie kriminalisiert damit alle zivilgesellschaftlichen Anti-Rechts-Initiativen und stellt sie unter einen unangemessenen Generalverdacht.“

Ach ist das lustig! Wenn wir mal die „Herrschaft des Verdachts“ anprangern, ist das natürlich total abwegig, aber ihr dürft das. Beim Geld hört eben die Freundschaft auf. Anscheinend haben in linken Kreisen jetzt schon einige Angst, ihre gut bezahlten Pöstchen und wertvolle Fördermittel zu verlieren. Aber liebe DemokratInnen und SozialistInnen, was habt ihr denn eigentlich zu verbergen?

Extremismusbekämpfung ist generell Blödsinn!

Ich verstehe nun wirklich nicht, warum wir Kristina Köhler zujubeln sollten, nur weil sie zwei Milliönchen für den Kampf gegen linken und islamistischen Extremismus herausgeschlagen hat. Denn erstens stehen dem immer noch fast 50 Millionen für den „Kampf gegen rechts“ gegenüber (wenn man die versteckten Gelder aus allen Ministerien zusammenzählt) und zweitens ist jeder Euro für Extremismusbekämpfung herausgeschmissenes Geld.

Was soll dabei herauskommen? Ellen Kositza hat gestern Abend dargelegt, daß die Programme so eine Art Sozialtherapie für alle sind, die den dummen Bürger darüber aufklären sollen, wie böse es ist, „Neger“ zu sagen.

Ich kann mich noch gut an die ganzen Aufklärungsprojekte aus meiner Schulzeit erinnern: Alle halbwegs vernünftigen Schüler – also doch so rund 90 Prozent – haben über diesen Kram nur gekichert. Das würden sie vermutlich auch, wenn sich ein Sozialpädagoge vor sie stellt und ihnen erklärt, daß es neben den vielen friedlichen Muslimen auch einige mit Bomben unterm Turban gibt.

Es reicht komplett aus, Extremisten – also Menschen, die zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele Gewalt anwenden – mit den Methoden des Rechtsstaates (Polizei, BKA, …) zu bekämpfen. Alles Weitere ist völlig uneffektiver Marxismus-Leninismus-Unterricht für BRD-Gutmenschen.

Mit dieser Feststellung haben wir uns aber sogleich dem Hauptproblem genähert: Die Gegenüberstellung von Demokratie und Extremismus zielt an der notwendigen Aufgabe der Wahrung freiheitlicher Grundrechte vorbei und führt zu einer Selbstbeweihräucherung der Herrschenden. Denn dieser Theorie zufolge ist Extremist, wer nicht im Mitte-Einheitsbrei herumblubbert, sondern alternative Standpunkte vertritt.

Viel sinnvoller wäre es, zwischen freiheitlichen und totalitären Ideologien zu unterscheiden. Der Staat müßte dann dafür sorgen, daß jeder Deutsche seine im Grundgesetz verbürgten Freiheiten wahrnehmen kann. Jede Bestrebung einer Organisation (dies kann auch eine staatliche Institution sein), diese Freiheiten auszuhebeln, gelte es demnach zu unterbinden.

Was geschieht aber in Deutschland mit dem Werkzeug der Extremismustheorie? Bürger, die offen und ehrlich nicht zur Mitte tendieren, werden von Gesinnungswächtern katalogisiert und mit dem Stempel „Extremist“ mundtot gemacht.

Ich kann da aus eigener Erfahrung sprechen: Der Chemnitzer Extremismusforscher Eckhard Jesse meint, die Neue Rechte, die Blaue Narzisse und auch ich persönlich würden uns in einer „Grauzone zwischen Demokratie und Extremismus“ befinden. Begründung? Fehlanzeige. Vielmehr gibt Jesse zu, daß er sich mit dieser Thematik noch gar nicht so genau befaßt hat. Was heißt das nun? Ein Richter, der sich mit seinen Fällen nicht ausreichend beschäftigt, fällt verheerende Urteile. Das wiederum nehmen andere kritische Geister wahr und schrecken vor eigenen Meinungsäußerungen zurück. So werden weder die Freiheiten in unserem Land geschützt noch tatsächliche politische Gewalttäter bekämpft. Das Einzige, was zurückbleibt, ist ein Meinungsklima der Angst.

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Kristina Köhler und ich

Dannenberg: Das bleiche Herz der RevolutionNein, wir haben keine Affäre, obwohl die neue Familienministerin ja schon recht gut aussieht und gar nicht so viel älter ist als ich. Aber zumindest sind wir Freunde bei Facebook. Dort zeigt uns die hübsche Kristina Familienfotos und teilt uns ihre Lieblingsbücher mit. Eines dieser Bücher möchte auch ich empfehlen: „Das bleiche Herz der Revolution“ (2004) von Sophie Dannenberg, die im wirklichen Leben Annegret Kunkel heißt. Bei Amazon kann man diesen Roman für 1,20 Euro (plus drei Euro Versand) erwerben.

„Das bleiche Herz der Revolution“ ist das beste Anti-68er-Buch, was ich kenne. Dannenberg zeichnet in ihrer fiktiven Geschichte mit Zitaten in die Realität nicht nur die Studentenrevolte als das nach, was sie war: nämlich ein Protest, bei dem sich der Mob gegen die wenigen Intelligenten durchgesetzt hat. Die Autorin, von der seither leider keine neuen Bücher erschienen sind, beschreibt vor allem in sehr eindringlichen Szenen, wie sich die damaligen antiautoritären Experimente auf die Kinder der 68er ausgewirkt haben. Wenn das wirklich Eindruck auf die Kristina gemacht haben sollte, müßte sie den Kurs ihrer Amtsvorgängerin eigentlich deutlich korrigieren.

Die Hoffnung stirbt zuletzt …