Der Nachdruck der Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa, die vom Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte zwischen 1954 und 1961 herausgegeben worden war, ist jetzt für 25 € als Taschenbuchausgabe in 8 Bänden im Pappschuber erwerbbar. Dieses Werk ist in Verbindung mit Adolf Diestelkamp, Rudolf Laun, Peter Rassow und Hans Rothfels unter Bearbeitung von Theodor Schieder entstanden. Neben den obligatorischen Zeugenberichten enthält es alle relevanten Daten zu den Bevölkerungsdaten der Ostgebiete wie auch die entsprechenden Verwaltungsdokumente (bspw. die berühmtberüchtigten Benes-Dekrete).
Für den angehenden Historiker, aber auch für den historisch interssierten Laien eröffnet sich nun die Möglichkeit die eigene Bibliothek äußerst preiswert mit einem umfassenden Nachschlagewerk zu bestücken. Politisch lehrreich ist auch, wie schnell 800 Jahre Siedlungsgeschichte sich in Nichts auflösen können.
Alexander Kluge zeigt, was wirklich Fernsehen ist:
Sollten Nationalsozialisten das „Theater des Schreckens” (Grand Guignol) in Paris verbieten oder fördern?
In Paris existierte seit Ende des 19. Jahrhunderts ein populäres Horror-Theater: das Théatre du Grand Guignol. Es setzte das aus der Aufklärung entwickelte „Theater der Empfindsamkeit” mit den rabiaten Mitteln des Boulevards fort. Die meisten Einfälle Hitchcocks und des Horrorfilms haben ihre Wurzeln in diesem Theater. Abend für Abend wurden detailliert Mord-, Vergewaltigungsepisoden, Geistererscheinungen, ansteckende Seuchen und Selbstmorde vorgeführt.
Als Paris 1940 von den deutschen Truppen besetzt wurde, ging es für die Besatzungsmacht um die Frage, ob man das Gräueltheater verbieten oder angesichts der Ziele des Nationalsozialismus fördern sollte. Das SS-Reichssicherheitshauptamt war für Förderung, die Kulturabteilung der Deutschen Botschaft für Zensur.
Peter Berling in einer Dreifach-Rolle: als französischer Theaterdirektor, als Kultur-funktionär der NSDAP und als regimekritischer SS-Standartenführer.
Spannend und informativ.
["Das Bühnen-Böse", in sechs Teilen, für den Rest bei Youtube weiter klicken]
Die persönliche Tapferkeit, die den Helden auszeichnet, ist die Base, auf der sein ganzes Wesen ruht, der Grund und Boden, aus dem es hervorsproßt. Er kennt keine Gefahr, und verblendet sich über die größte, die sich ihm nähert. Durch Feinde, die uns umzingeln, schlagen wir uns allenfalls durch; die Netze der Staatsklugheit sind schwerer zu durchbrechen. Das Dämonische, was von beiden Seiten im Spiel ist, in welchem Konflikt das Liebenswürdige untergeht und das Gehaßte triumphiert, sodann die Aussicht, daß hieraus ein Drittes hervorgehe, das dem Wunsch aller Menschen entsprechen werde, dieses ist es wohl, was dem Stücke, freilich nicht gleich bei seiner Erscheinung, aber doch später und zur rechten Zeit, die Gunst verschafft hat, deren es noch jetzt genießt. Und so will ich denn auch hier, um mancher geliebten Leser willen, mir selbst vorgreifen und, weil ich nicht weiß, ob ich so bald wieder zur Rede gelange, etwas aussprechen, wovon ich mich erst viel später überzeugte.
Obgleich jenes Dämonische sich in allem Körperlichen und Unkörperlichen manifestieren kann, ja bei den Tieren sich aufs merkwürdigste ausspricht; so steht es vorzüglich mit dem Menschen im wunderbarsten Zusammenhang und bildet eine der moralischen Weltordnung, wo nicht entgegengesetzte, doch sie durchkreuzende Macht, so daß man die eine für den Zettel, die andere für den Einschlag könnte gelten lassen. Für die Phänomene, welche hiedurch hervorgebracht werden, gibt es unzählige Namen: denn alle Philosophien und Religionen haben prosaisch und poetisch dieses Rätsel zu lösen und die Sache schließlich abzutun gesucht, welches ihnen noch fernerhin unbenommen bleibe. Am furchtbarsten aber erscheint dieses Dämonische, wenn es in irgend einem Menschen überwiegend hervortritt. Während meines Lebensganges habe ich mehrere teils in der Nähe, teils in der Ferne beobachten können. Es sind nicht immer die vorzüglichsten Menschen, weder an Geist noch an Talenten, selten durch Herzensgüte sich empfehlend; aber eine ungeheure Kraft geht von ihnen aus, und sie üben eine unglaubliche Gewalt über alle Geschöpfe, ja sogar über die Elemente, und wer kann sagen, wie weit sich eine solche Wirkung erstrecken wird? Alle vereinten sittlichen Kräfte vermögen nichts gegen sie; vergebens, daß der hellere Teil der Menschen sie als Betrogene oder als Betrüger verdächtig machen will, die Masse wird von ihnen angezogen. Selten oder nie finden sich Gleichzeitige ihresgleichen, und sie sind durch nichts zu überwinden, als durch das Universum selbst, mit dem sie den Kampf begonnen; und aus solchen Bemerkungen mag wohl jener sonderbare aber ungeheure Spruch entstanden sein: Nemo contra deum nisi deus ipse.
(Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, IV. Teil, 20. Buch, Auszug)
Das historische Andreasviertel ist eines der exponiertesten Beispiele für die Absurditäten des realexistierenden Sozialismus. Der Verfall war von der Partei kalkuliert, um alsbald die marode Bausubstanz gänzlich abzureißen und durch “Neubauten” (alles, was nach WK II neu gebaut wurde, nannte man so) zu ersetzen. Was im Zweiten Weltkrieg nicht gelang, die Auslöschung eines weiteren Teils des kulturellen deutschen Gedächtnisses über die Zerstörung der Bausubstanz, hätten die Genossen ohne Krieg mit ihrem Großprojekt “Ruinen schaffen, ohne Waffen” vollendet.
Erfurt, erst seit der Neugründung des Bundeslandes Thüringen nach der Wende Landeshauptstadt, zieht heute wieder sozusagen als Flächendenkmal jährlich Millionen von Touristen an. Erfurt war bereits im Mittelalter eine Großstadt, die im Zentrum der Via Regia, der ältesten europäischen Handelsroute von Santiago de Compostela bis Kiew lag. Der Handel mit dem Färbestoff Waid garantierte bis zur Entdeckung des Indigo in der Neuen Welt Reichtum. Erfurt ist – auch aber nicht nur – baulich einer der heute noch existierenden Fingerzeige auf die Deutsche Kultur des Hochmittelalters.
Die Thüringer gehen, soweit man lautgeschichtlich und frühgeschichtlich nachweisen kann, auf die westgotischen Terwingen zurück, zu denen auch Wulfila zu zählen ist. Erfurt ist nicht nur eine alte germanische Siedlung, sondern hier atmet man die ganze deutsche Geschichte, weil Erfurt schon unter den Karolingern und Ottonen eine Königspfalz war, seit dem Hochmittelalter von Kurmainz beherrscht wurde, später als Fürstentum Erfurt direkt Napoleon (dem so genannten “Kaiser”) unterstellt war, um dann eine Enklave Preußens innerhalb der preußischen Provinz Sachsen zu bilden. Da haben wir über Krämerbrücke, Meister Eckhart, lustige Geschichten wie “Das tolle Jahr von Erfurt” oder den “Erfurter Latrinensturz“, oder den Obelisken auf dem Domplatz, der der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches gewidmet ist, noch gar nicht gesprochen.
Das ist mein Deutschland. Hier regierten auch nie die Römer, was Mitteldeutschland nunmal vom Süden und Westen maßgeblich unterscheidet.
Wir brauchen einen Neuen Deutschen Bund? Was soll das pathetische Geschwalle, wird einer fragen. Oder andere darauf hinweisen, dass der Rothämel mächtig einen an der Waffel hat. Doch mir will es scheinen, dass den meisten Lesern der Ernst unserer Situation überhaupt nicht bewusst ist. Was sich in Deutschland und Europa anbahnt ist an sich nicht das Ergebnis einer zufälligen Entwicklung, sondern nur für sich (i.e. in seiner konkreten Erscheinung) zufällig. Was heißt das? Das heißt, dass die Grundlinien der europäischen Entwicklungen geplant wurden, aber die tatsächliche Umsetzung logischerweise mit gewissen Unkalkulierbarkeiten umgehen muss. Die Option eines geeinten europäischen Wirtschaftsraums und die Möglichkeiten einer gebündelteren politischen Macht wurden gedanklich schon längst vor dem Zweiten Weltkrieg durchgespielt. Beispielsweise hatte Hitler ja sogar ein zweites Buch geschrieben. Aber auch Coudenhove-Kalergies Visionen von einer eurasisch-negroiden Mischrasse dürften dem ein oder anderen bekannt sein. Ob nun jemand schon vor 70 Jahren konkret die 12 Sterne im Kreis auf blauen Grund als Beflaggung haben wollte, ist dabei völlig gleichgültig. Die Ausschaltung der eigenständigen deutschen Macht nun war lediglich Vorbedingung für eine nahezu ausschließlich westlich dominierte Umsetzung dieses Grundgedankens.
… heißt eine dreiteilige Dokumentation des WDR. Sie wurde am vergangenen Sonnabend auf Phoenix ausgestrahlt. Leider konnte ich nur den dritten Teil sehen, in welchem es um das nach dem 1. WK von Polen annektierte Westpreußen ging. Und Goetheschüler aus Graudenz als Zeitzeugen über ihre Erlebnisse befragt wurden. Keine senilen Moralisten, sondern ganz großes und ausgewogenes Kino. Wirklich. Ich war begeistert.
Die anderen Teile sind ebenfalls bei Youtube zu finden. Ich werde diese noch ansehen. Unabhängig davon präsentiere ich im folgenden meine Lieblingszitate aus dem oben verlinkten dritten Teil:
Hanno Henatsch, Sohn eines Fabrikanten:
Die Polen hatten dann ja auch wenig Verständnis für die Leistung der Deutschen, verstehen Sie? Die fanden sie möglicherweise zu tüchtig. Kann sein. Das ist ja auch immer sone Sache. Wenn einer mehr kann als ein anderer, äh, muss das nicht immer zur Wertschätzung beitragen.
Ursula Orlovius, Goetheschülerin:
Wir waren wirklich deutsch. Ja. Das muss man sagen und … waren uns dessen auch bewusst. Ich glaube wir waren deutscher als die Deutschen im Reich. Ja. Und waren es gerne.
Rosemarie Döhring, Pfarrerstochter:
National waren wir, aber nicht nationalsozialistisch. National waren wir. Sehr, sehr.
Erich Abramowski, Sohn eines Gutsbesitzers, über den Beginn des Krieges:
Am 2. September haben polnische Grenztruppen […] angezündet und abgefackelt sozusagen. Dieser Verlust, dieses Geschenk, so ein wunderschönes Haus zu haben und dadrin Leben zu können, aufwachsen zu können, äh, ist mir heute schwierig es nachzuvollziehen, äh, ob wir da Tränen vergossen haben. Ich könnte heute welche vergießen, aber ob ich sie damals vergossen hab? Ich weiß es nicht. Wir wurden deutsch.
Nochmal Rosemarie Döhring, Pfarrerstochter, zum Einzug der deutschen Truppen:
Und dann haben wir die ganzen Dahlien geköpft, in die Waschkörbe getan und haben die deutschen Soldaten mit Blumen beschmissen. Nach Strich und Faden. Und ich hab zum ersten Mal in meinem Leben meinen Vater weinen sehen. – Vor Glück.
Es war sehr unterhaltsam. Über den obligatorischen “Überfall auf Polen” konnte man hinwegsehen. Die Kommentare der Zeitzeugen haben das locker entschädigt.
Russia Today berichtet, dass Stalin 1.000.000 Soldaten gegen Deutschland schicken wollte und bestätigt die Präventivkriegthese in Bezug auf den Russlandfeldzug, die seit langem als diskreditiert, weil vorgeblich revisionistisch, gilt.
Am Montag verstarb Ludwig von Friedeburg. Er war einer der tragenden Pfeiler des kulturmarxistischen Umbaus in der bundesrepublikanischen Bildungslandschaft. Seine Erfolge und Verdienste im Dienste der Weltrevolution lassen sich ganz gut hier nachvollziehen.
Von Friedeburg steht exemplarisch für die Bewältigung des Dritten Reiches in der BRD: Sein Vater Hans-Georg war U-Boot-Admiral und nahm sich als einziger Mitunterzeichner beider Kapitulationsurkunden 1945 das Leben. Ludwig war im Weltkrieg selbst einer der jüngsten U-Bootkommandanten, vom Rang Marineoffizier.
Beschämt, ob seiner vormaligen Begeisterung für den totalen Krieg, hatte er später viel “gutzumachen”.
Doch wie heißt es, über die Toten nichts, wenn nicht etwas gutes:
… und zwar diesen Freitag in Chemnitz. Am 5. März 1945 wurde die Stadt mit 600 Tonnen Sprengbomben „befreit“. Für den 65. Jahrestag dieser Tragödie hat die NPD einen Marsch durch die Innenstadt angemeldet. Die Stadt Chemnitz wollte diesen verbieten, unterlag aber vor Gericht. Mit strengen Auflagen will Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) jetzt zumindest die Marschroute durch die Innenstadt verhindern. Zugleich unterstützt sie das „Chemnitzer Bündnis für Frieden und Toleranz“. Dieses ruft zu einer Aktion auf dem Theaterplatz um 16 Uhr auf. Daneben findet eine Vielzahl von Veranstaltungen zum „Chemnitzer Friedenstag“ statt.
Auf der Unterstützerliste des Bündnisses der Stadt stehen übrigens altbekannte Namen: Claudia Roth (Die Grünen), Sahra Wagenknecht (Die Linke), Justin Sonder (Ehrenvorsitzender der VVN-BdA) und Klaus Bartl (früher IM Andreas Förster, jetzt Die Linke). Auf der Liste finden sich aber auch CDU-Politiker wie der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich und die sächsische Landtagsabgeordnete Ines Saborowski-Richter. Von Linksaußen bis in die Mitte der Gesellschaft ist also alles dabei.
Am 5. März 1945 zerstörten britische und amerikanische Bomberverbände Chemnitz. 2100 Tote gab es an diesem Tag, insgesamt knapp 4000 (Zahlen schwanken). 100.000 Menschen wurden obdachlos. Etwa 10.000 konnten sich in ein unterirdisches Stollensystem unter dem Kaßberg retten. Offizielles Ziel der Alliierten war die Schwächung der Infrastruktur und Industrie. Jedoch verwundert es, daß Eisenbahnlinien kaum getroffen wurden, die Innenstadt aber umso mehr (27.000 Wohnungen zerstört). Alliierten Presseberichten zufolge war Chemnitz danach eine „tote Stadt“.Vom 12. bis 18. April folgten trotzdem weitere Angriffe. Am 8. Mai 1945 fiel Chemnitz dann in russische Hände.
Zum 8. Mai 2010 will die Fraktion der Linken mit einer Kranzniederlegung auf dem Sowjetischen Friedhof in Chemnitz „unter Teilnahme von Vertretern der Antihitlerkoalition“ daran erinnern. Oberbürgermeisterin Ludwig begrüßte diesen Vorschlag in einem Schreiben vom 9. Februar, das BlaueNarzisse.de vorliegt. „Die Gedenkstunde soll an die Menschen erinnern, die Gesundheit und Leben für die Befreiung des deutschen Volkes und der Völker Europas vom Faschismus eingesetzt und millionenfach verloren haben“, heißt es dort. Über die von Russen vergewaltigten Frauen verliert Ludwig kein Wort.
Der Stadtrat entscheidet nächste Woche über das Gedenken zum 65. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges.