Gesichtet

Der Erfolg der Frau in der freiheitlichen Gesellschaft

Der Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung der Frau gliedert sich in einen allgemeinen Kampf ums Dasein ein. Das ist heutzutage so offensichtlich wie nie.

Ein Blick auf meine unmittelbare Umgebung zeigt: Hier ist der gesellschaftliche Wandel am Werk. Ich brauche nicht erst darauf zu warten, dass ein mir als Mann flüchtig bekannter Jugendlicher – nennen wir ihn der Einfachheit halber „Joachim“ – eines schönen Tages als „Jessica“ erscheint.

Von Joachim zu Jessica

Das Weibliche obsiegt zur Zeit auch im Mann. Der Wandel von „Joachim“ zu „Jessica“ ist konsequent. Überhaupt ist einer Welt die, wie die unsrige, sich auf einen totalen Wandel eingestellt hat, „normal“ immer nur das zu nennen, was vorläufig für sich einen gewissen Erfolg verzeichnen kann. Das können aber, je nachdem, höchst unterschiedliche Dinge sein. Die Gründe für den sozialen Wandel heute sind dabei zumeist eher in der Politik als in spontanen gesellschaftlichen Entwicklungen, „gruppendynamischen Prozessen“, zu suchen.

Nicht jedem geht sofort auf, was Tätowierungen, z.B. ein „Arschgeweih“, Nasenringe und -stecker, Unmengen körperverschandelnder Piercings, Kleidungsstücke wie Leggings, überhaupt die Mode, mit Politik zu tun haben. Dabei hat einer der Väter der politischen Wissenschaft, Aristoteles, eigens darauf hingewiesen, dass in denjenigen Staaten Unordnung herrscht, in denen die Angelegenheiten der Frauen ungeordnet sind. Der Widerwille, den dieser Chauvinismus bei vielen Zeitgenossinnen – und so manchem Zeitgenossen auch – hervorruft, zeugt für die Richtigkeit der These.

Voraussetzungen des Feminismus

Es ist gar nicht so lange her, da galt die Frau als konservatives Wesen. Die Gründe dafür, warum die Frau einst „von Hause aus konservativ“ war, sollen hier nicht näher erörtert werden. Kombattante Feministinnen werden schnell dafür folgende oder zumindest ähnlich klingende Erklärung finden: „Die kannten ja nur patriarchalische Verhältnisse“.

Selbstredend, wenn auch nicht offen ausgesprochen, ist dabei, dass diese „patriarchalischen Verhältnisse“ so nicht in Ordnung waren. Soweit man bei „Feminismus“ von Denken, und nicht von in die Sprache des Gedankens übersetzte Affekte reden kann, wird offenbar, dass für die Feministinnen „wirklich in Ordnung“ nur zwei Dinge sind, und auch das nur unter bestimmten Voraussetzungen:

  1. Verhältnismäßig „in Ordnung“ ist – zumindest bis jetzt – grundsätzlich die Gegenwart gegenüber der Vergangenheit, d.h. je weiter von „patriarchalischen Verhältnissen“ entfernt wir uns befinden, desto besser.
  2. Unbedingt „in Ordnung“ ist, was Feministinnen in den Kram passt.

Voraussetzung, dass Punkt eins Gültigkeit besitzt, ist, dass die Frauenemanzipation immer weiter fortschreitet, bis hin zu einem Frauentypus, der aufgrund seiner Unausstehlichkeit weder Gleichstellung noch Privilegierung gegenüber dem Mann mehr braucht. Voraussetzung, dass Punkt zwei Gültigkeit besitzt, ist, dass sich so ziemlich alle Feministinnen einig sind über die zu erreichenden Ziele, und als eingeschworene Schwestern im Kampf gegen die Welt des männlichen Genitals niemals vom rechten Weg abkommen.

„Brüderlichkeit“ unter den Frauen?!

Der Feminismus steht und fällt also mit dem „allgemeinen Fortschritt“, besser: dem Fortschrittsglauben, der ihn trägt. Man kann das in die Formel fassen „ohne Fortschritt kein Feminismus“. Dann aber haben die Feministinnen noch etwas sehr nötig, was man peinlicherweise nur mit dem Wort „Brüderlichkeit“ bezeichnen kann. Es könnten nun Bedenken seitens der Feministen/Innen aufkommen, die „Brüderlichkeit“ sei nur ein Vorurteil aus „patriarchalischer Zeit“. Die auf sie gestützte Beweisführung wäre dann als „machistische Propaganda“ ad Acta zu legen.

Was den Feministen/Innen zum Trotz dennoch für die Brüderlichkeit spricht, ist das Ausbleiben der Gegenprobe: dass aus dem patriarchalischen Gesellschaftsgefängnis ausgebrochene Frauen es unter sich jemals zu einer, wenn auch noch dürftigen, „Schwesterlichkeit“ gebracht hätten, die der unter „Dreibeinern“ manchmal vorkommenden Brüderlichkeit vergleichbar wäre. Wie sehr die Brüderlichkeit auch, seit den Tagen Kains und Abels, Lügen gestraft worden ist, so ist doch nicht zu leugnen, dass es sie trotzdem gegeben hat und immer noch geben kann. Sie liegt als echter Erfahrungswert, sozusagen wie feiner Goldstaub im Flusssand, geschichtlich vor. Von „Schwesterlichkeit“ dagegen gibt es nicht die geringste Spur in der Geschichte.

Der „Erfolg“ begünstigt und benachteiligt gleichermaßen

Neuerdings haben es Feministinnen schwer, seitdem der Feminismus kein rechtes Verhältnis mehr zum „Erfolg“ zu gewinnen vermag. Ganz im Gegenteil hat die allgemeine Erfolgsversessenheit dazu geführt, denselben Feminismus, der sich einst daran machte, das „Patriarchat“ und die „androzentrische Weltsicht“ zu überwinden, im Sinne einer tiefgreifenden Erniedrigung der Frau zu überwinden.

Die neuzeitliche Amazone, die sehr gut ohne Mann auskam und deren Erfolg nur von ihr selbst abhing („Self-Made-Woman“), verliert immer mehr an Terrain gegenüber einem so ganz anders gearteten Wesen, das sich nur allzu gern vom Mann aushalten lässt. Auch die Feministinnen haben die bittere Erfahrung gemacht: „Erfolg“ lässt sich nicht weiter qualifizieren, jenseits des Erfolgs wartet einfach nur – ein weiterer oder anderer Erfolg, bzw. der Erfolg eines oder, besser, einer Anderen.

Daher ist es kein „besserer“, sondern einfach nur ein anderer Erfolg, wenn eine souveräne und selbstbestimmte Self-Made-Woman in die geheiligten Säle von Management und Politik Einzug hält, als wenn eine viel gefügigere und gefälligere Frau sich hochschläft oder ein „Societygirl“ sich von vermögenderen Männern aushalten lässt.

Die Zersetzung des Feminismus

Aber auch auf weit niedrigerem ökonomischen Niveau tritt immer häufiger der Typ Frau auf, der für sich die Annehmlichkeiten des Sichaushaltenlassens entdeckt hat. Ist die Emanzipation der Frau bisher immer vom Erfolg abhängig gewesen, so liegt der Umkehrschluss nahe, dass ein freies Sich-In-Abhängigkeit-Begeben der Frau allein schon durch die bloße Aussicht auf Erfolg gerechtfertigt sein könnte. Das ist übrigens genau die Einsicht der Damen, die sich darauf spezialisiert haben, den Herren der Schöpfung zu diensten zu sein, ohne darum in die berufsmäßige Prostitution hineinzuschlittern. In der Realität freilich mögen die Übergänge zu gewissen Formen der Prostitution fließend sein, aber auch hier waschen Society und Erfolg für das gewöhnliche (bürgerliche) Anstandsempfinden rein, was an sich eine schmuddelige Angelegenheit ist.

In einer so freiheitlichen und offenen Gesellschaft wie der unsrigen wird damit im Ergebnis der Feminismus zersetzt, und zwar von Frauenseite. Derb ausgedrückt: Heutzutage haben die „Emanze“ und das „Luder“ – bitte die Derbheit zu entschuldigen! – gleichermaßen Recht und Unrecht und sind in diesem Sinne gleichberechtigt. Je nachdem, bei wem gerade der Erfolg hängt, darf sich bald die „Emanze“, bald das „Luder“ im Recht fühlen. Letztendlich hat dabei immer die „Emanze“ das Nachsehen.

Traditionelles Frauenbild in der gesellschaftlichen Momentaufnahme

Ebenfalls auf dem Vormarsch befindet sich ein traditionellerer Frauentypus, als es der schmuddelige unserer sich selbst überwindende freiheitlichen und postpatriarchalischen Gesellschaft ist. Die „Tradition“ ist hierbei keine von einzelnen Frauen frei erwählte Rückkehr zu den von ihnen für „richtig“ befundenen Sitten der Vormütter. Vielmehr ist sie mit einem fremden Patriarchalismus mit importiert worden: es ist die Frau mit Kopftuch.

Auch eine Ohrfeige für den Feminismus, ist das Kopftuch vor allem der vorbereitende Flicken für das große Flickwerkgrabtuch, in dem unsere so offene und freiheitliche, unsere so ziemlich alles schluckende Gesellschaft noch zu Grabe getragen werden wird. Die Tatsache, dass das Kopftuch heute gleichberechtigt neben Arschbackenhotpants und Männerkluft steht, darf dabei nicht zur Annahme verleiten, dass sich die drei Elemente (Kopftuch, Arschbackenhotpants, Männerkluft) harmonisch die Waage hielten. Das Bild ist alles andere als statisch, in ihm steckt Potential, es selbst ist nur eine Momentaufnahme einer Entwicklung.

Wer setzt sich durch, kopfbetuchte Gebärmaschinen oder Arschbackenhotpants?

Der Erfolg kopfbetuchter Frauen „bei uns“ hängt ab von der Funktion, die sie innerhalb eines importierten fremden Patriarchats erfüllen. Die Rolle, die die Frau darin einnimmt, ist vornehmlich die, als Gebärmaschine – bitte auch diese Derbheit zu entschuldigen! – eine weitere Waffe im Kampf gegen die ungläubige Umwelt zu sein. Die Palästinenser in Israel und dem Westjordanland haben es längst vorgemacht, genauso wie die geburtenstarken Nordafrikaner in Spanien.

Was Menschenrechtsaktivisten nicht wahr haben wollen, ist, dass Kinder und Kinderreichtum keineswegs „neutrale“ Tatbestände sind. Je nachdem, wer was für Kinder und in welcher Menge gezeugt hat, entwickelt sich die Gesellschaft in die eine oder andere Richtung. Die Zuwanderung gesellt sich in diesem Falle nicht als Abweichung, sie akzentuiert nur die Entwicklung.

Bleibt eine freiheitliche und offene Gesellschaft auch weiterhin offen und freiheitlich, ist zu erwarten, dass die Arschbackenhotpants eines schönen Tages weit über die Hüfte nach oben rutschen, und somit den Blick auf das weibliche Hinterteil ganz frei geben werden, ohne dass – die Geschmacks- und Schamlosigkeit einmal beiseite gelassen – etwas „Schlimmes“ zu erwarten wäre. Wie das allerdings mit dem Kopftuch zu vereinbaren ist, bleibt mir schleierhaft …

(Bild: micagoto, flickr, CC BY-NC 2.0)

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