Anstoß

Der grüne Sturzflug

Die Grünen bekommen kalte Füße. Das beweist eine E-Mail, die der Landesvorstand der Grünen aus NRW an seine Mitglieder verschickte. Die E-Mail, die der „Bild“ vorliegt, hat den Betreff „die Lage ist ernst“. Wie recht sie haben.

Denn in den Umfragen für die Bundestagswahl sackte die Partei erneut um einen Prozentpunkt ab und liegt derzeit „nur“ noch bei sieben Prozent. Das ist dann natürlich eine mittlere Katastrophe für die Grünen. Selbst die Parteivorsitzende Katrin Göring-Eckardt gab zu, dass die Themen ihrer Partei derzeit nicht der „heiße Scheiß“ seien. Mit anderen Worten: Grüne Politik juckt hierzulande immer weniger Menschen.

Lauter Desaster: Energiewende, Schulen, Straßen, innere Sicherheit

Das kommt der Landesvorsitzenden der Politik-Ökos in NRW, Sylvia Löhrmann, natürlich gelegen, so dass sie das Schwächeln im Landesverband kurzerhand auf den Bund abwälzen kann. Es sei „vom Bundestrend bestimmt“, betont sie. Dass das Zittern um den erneuten Einzug in den Landtag von NRW auch damit zusammenhängen könnte, dass die Grünen einfach nicht regieren können, ja soweit haben die grünen Genossen wohl noch nicht gedacht. Tatsächlich sind nach fünf Jahren Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen nicht nur die Straßen marode, sondern auch die Schulen und die öffentliche Sicherheit.

Nun werden Ausreden gesucht. „Der schillernde Kanzlerkandidat Martin Schulz verleiht der NRW-SPD Glamour. Christian Lindners Sympathiewerte spülen die FDP nach oben.“ So analysiert man in grün. Dabei reicht das Problem, das die Grünen haben, weit tiefer, als das Fehlen eines Spitzenkandidaten. Thomas Peters vom Meinungsforschungsinstitut Allensbach attestiert dem Patienten andere Probleme. So nehmen heute viele Wähler die Grünen als vorlaut und unsympathisch wahr.

Auch hätten die Grünen das Problem, ihre Kernthemen wie eben den Umweltschutz glaubhaft rüberzubringen. Subventionen für Windräder, die nicht laufen und Solarstrom, der Strom für die Glühbirne produziert, wenn die Sonne scheint, ist nun mal nicht wirklich überzeugend. Dass dabei der Strom für die Verbraucher – sprich, die Wähler – immer teurer wird, macht die Sache auch nicht einfacher.

Schaffen die das unter die Fünf-Prozent-Hürde?

Anders gesagt, keiner anderen Partei gelingt es, so souverän an den Problemen der Bürger vorbeizureden, wie die Grünen es tun. Auch in der aktuellen Migrationskrise machen die Grünen keine gute Figur. Abschiebungen zu blockieren und jeden zu beschimpfen, der es wagt dagegen Bedenken zu äußern, kommt auf Dauer nicht besonders gut an.

Nichtsdestotrotz verkündete die grüne NRW-Spitzenkandidatin Löhrmann vor nicht allzu langer Zeit: „Wir glauben, dass wir eine große Chance haben, unser Potential auszuschöpfen, und lassen uns von derzeitigen Stimmungsschwankungen da gar nicht beunruhigen.“ So sieht wahre Zuversicht in die eigene Sendung aus. Na denn, volle Kraft voraus. Unter die Fünf-Prozent-Hürde.

(Bild: Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen, flickr, CC BY-SA 2.0)

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1 Kommentar

  1. „Immer weniger Haß“

    So lächerlich und unerreichbar wie: „immer mehr Rente“, oder „weltfrieden“, oder „hört mir alle zu, ich werde euch sagen, wie ihr zu leben habt“, usw.

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