| „Die Akte zeigt ihn von allen Seiten umzingelt“: Debatte mit Herta Müller um IM-Tätigkeit des Lyrikers Oskar Pastior |
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| Geschrieben von: BN-Redaktion |
| Dienstag, den 21. September 2010 um 10:27 Uhr |
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Pastior verschwieg IM-Tätigkeit bis zum Tod Sie wies auf die Ausweglosigkeit von Pastiors Situation hin. „Die Akte zeigt ihn von allen Seiten umzingelt.“ Er sei ins Visier der Securitate geraten, da er durch Lyrik seine Gefangenschaft im sowjetischen Arbeitslager verarbeitet habe. Zudem hätten Hochschullehrer und Geheimdienst mit der Bekanntmachung von Pastiors Homosexualität gedroht, unterstrich Müller. „Die Akte zeigt wie ein finsteres Gemälde das Rumänien der fünfziger und sechziger Jahre“, erinnerte sie sich an die Repressalien der Diktatur unter Nicolae Ceausescu. Wagner betonte: „Wenn man so verharmlosend über die Diktatur in Osteuropa spricht, übersieht man gerne, was an den Menschen hier gemacht wurde, was moralisch da zerbrochen ist und wie die Menschen kaputtgemacht worden sind von diesem System.“ Müller verarbeitete Pastiors Leiden im sowjetischen Arbeitslager in ihrem aktuellen Roman „Atemschaukel“. Pastior bekam nach seinem Tod 2006 posthum den Büchner-Preis verliehen. Neben Müller zählt er zu den sprachgewaltigsten Autoren deutsch-rumänischer Gegenwartsliteratur. Nach seiner Flucht in die BRD 1968 offenbarte er sich den Einbürgerungsbehörden. Der rumäniendeutsche Historiker Stefan Sienerth hat Müller vor wenigen Wochen über die Akte des IMs „Otto Stein“ informiert. Gegenüber Freunden und der Öffentlichkeit schwieg Pastior bis zu seinem Tod. Bild: Müller und Pastior auf dem Cover der Literaturzeitschrift „Akzente“ (2008) |