Startseite Aktuelles Blog-Panorama: Unsere Hoffnung ruht auf den Schultern von Ilse Aigner
Blog-Panorama: Unsere Hoffnung ruht auf den Schultern von Ilse Aigner PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Carlo Clemens   
Dienstag, den 31. Januar 2012 um 08:39 Uhr

Der von Welt Online geförderte Blogger Gideon Böss klagt auf seinem prominent beworbenem Privatblog „Böss in Berlin“, der in der Selbstbeschreibung – ähnlich der einfallsreichen Devise der meisten Privatblogs – einfach nur über das berichten möchte, „was den Autor interessiert“, über Bestrebungen in Nordrhein-Westfalen, Ladenöffnungszeiten wieder auf 20 Uhr zurückzuschrauben. Dabei stellt er sich gegen Gewerkschaften und Kirchen und hofft auf Hilfe von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner.

Böss möchte die hundertprozentige Verfüg- und Erreichbarkeit nach dem Vorbild der 24/7-Shops aus Amerika, dem Land der unbegrenzten Öffnungszeiten. Dabei holt er gleich zum Rundumschlag gegen Kirchen und kirchliche Feiertage aus, nimmt danach Anlauf auf die etablierten Parteien mit ihrer Planwirtschafterei in Sachen Energiepolitik. Verbraucherschutz wäre in diesem Sinne, Konsumenten den größtmöglichen Komfort, also den Kauf von Tiefkühlpizzen und Cola auch um zwei Uhr nachts flächenweit zu ermöglichen. Ich bin wirklich für Eigenverantwortung, gegen staatliche Bevormundung und so. Aber hat so eine Allmacht des Konsums, des Verbrauchens, des Fressens und Ausscheißens nicht auch was Unappetitliches (so wie dieser Satz)?

Die süße Marina Weisband, die ebenso in einer großen Zeitung einen Gönner sitzen hat, worauf ich sehr neidisch bin, würde mir da sicher total unbeholfen-niedlich einen nickenden, Zustimmung suggerierenden Smiley posten, wäre ich doch nicht ein – ach! – so unbekannter Schreibernichtsnutz. Auf ihrem FAZ-Blog „Salon Skurril“ beschreibt sie das allbekannte Internet-Phänomen, dass sich im Rahmen der wiederum unbegrenzten Mitmach-Möglichkeiten jeder nur noch mitteilen wolle, kaum einer jedoch zuhören: „Anstatt seine halbgaren Lösungsvorschläge oder Beurteilungen einer Situation abzugeben, einfach mal zu sagen: ‚Ich weiß es nicht, kannst du es mir erklären?’ Und dann die Erklärung anhören. ‚Ich weiß es nicht’ ist eine Phrase geworden, zu der man immer weniger berechtigt ist, je häufiger man die Möglichkeit bekommt, zu sprechen. Und das ist, im Internet, praktisch immer.“ Weisband auch hier wieder gemäßigte Avantgarde.

Lebensklüger ist der alte Jürgen Elsässer allemal. Im Blog seiner immer noch lebenden Zeitschrift Compact wagt er mal wieder einen so unkonventionellen Blick auf das politische Geschehen, wie es nur einer tun kann, der sich hartnäckig links verortet, aber dooferweise vor allem von Rechten gemocht wird. Der Verfassungsschutz beobachte nicht die wirklich radikalen Kräfte, sondern die „Realos“. Diejenigen mit geheimen Kontakten zu ausländischen Geheimdiensten. Er verweist auf Kontakte führender Linkspartei-Politiker zu israelisch-amerikanisch-zionistischen Lobbys und auf Transatlantiker, vor allem in den Reihen der CDU: „Wurde man beim Sturz von Gutti nicht den Eindruck los, dass im Hintergrund jemand Regie führte? In dieser Hypothese: Die US-kritischen Fraktionen im Sicherheitsestablishment?“

Wer schützt uns Konsumenten vor solchen Zumutungen? Ilse Aigner, übernehmen Sie!

(Bild: Sir James/Wikipedia)

 
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