| Blog-Panorama: Besser bloggen als Julia Seeliger |
|
|
|
| Geschrieben von: Carlo Clemens |
| Dienstag, den 14. Februar 2012 um 10:34 Uhr |
|
Ein Blog soll schnell gehen, das als kleinster gemeinsamer Nenner. Damit ist er nicht zu verwechseln mit einer herkömmlichen Kolumne, die zwar ebenfalls knapp gerät, an deren Pointiertheit aber lange geschliffen werden darf. Was an vielen Blogs auffällt, ist die Formlosigkeit, oftmals eine unnötige Länge, nach der man – sofern man nicht selbst zu den Internetzombies gehört – bereut, kostbare Zeit verschwendet zu haben. Als netzaffines Mitglied der Gemeinde der Untoten empfindet man es dagegen als angemessen, wenn Julia „Meine-WG-ist-meine-Familie“ Seeliger den ganzen Tag über in den Kommentarspalten ihrer eigenen Blogs lauert und zu allem und jedem ihren Zombie-Senf geben muss (wenn sie sich nicht gerade selbst googlet), statt das geschriebene Wort für sich sprechen zu lassen. Dass es auch schöner geht, beweist Athanasios’ Glosse „für die westliche Wertegemeinschaft“ im Weblog der libertären Zeitschrift eigentümlich frei. Anhand der Casting-Show „Voice of Germany“ werden nicht einfach nur dämliche Anglizismen sowie die Rolle der „Lingua franca des Papiergelds auf der großen Bühne der Gummimusik“ kritisiert. Das wäre billig. Inwiefern die Gewinnerin, die 19-jährige, aus Ghana stammende Ivy Quainoo „nun mit deutscher Stimme oder mit der Stimme von Deutschland“ trällert, lässt Athanasios offen, zeigt dabei nur auf, wie unzeitgemäß-simpel, gleichzeitig unerlaubt-reaktionär überhaupt die Erwägung einer solchen Fragestellung in einem deutschen Feuilleton heute wäre. Dass es auch nützlicher als bei Seeliger geht, zeigt das selbsternannt „größte politische Blog Deutschlands“, PI-News. Das von Medien gewöhnlich überschwänglich als „islamhassend“ titulierte Portal präsentierte in einem Gastbeitrag von Georg S. ganz pragmatisch zehn Gründe, warum „die Bunte Republik auch Türken nervt“. Im Umgang mit diesem heiklen Thema sei besonders auf den vierten Punkt hingewiesen: „Der wirtschaftliche Kriechgang“. Die Türkei befinde sich in einer ungeheuren wirtschaftlichen und demografischen Dynamik. Dagegen wirke das Kleinklein der Europäer, insbesondere der kleinkarierten Deutschen, schlicht unattraktiv. Auch wenn nichts gegen ein ausgedehntes Nickerchen auf der sozialen Hängematte spreche: „Viele Türken hätten mit dem in linksgrünen Kreisen verdammten risiko-, aber auch chancenreichen ‚Turbokapitalismus’, wie ihn die Türkei praktiziert, auch in Deutschland keine Probleme“, so die Einschätzung von Georg S. (Bild: Thomas Vogt/Wikipedia) |