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Im Gespräch mit Roland Woldag II: „Dieses System trägt den Keim zur Selbstvernichtung in sich“ PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: BN-Redaktion   
Montag, den 20. Februar 2012 um 07:35 Uhr

Im zweiten Teil des Gesprächs mit Roland Woldag spricht BN-Chefredakteur Felix Menzel mit ihm über den weiteren Verlauf der Schulden- und Überfremdungskrise. Die Überwindung dieser Krise scheint beinahe unmöglich. Während zum Ende der DDR völlig klar war, wogegen man sein muß und wie dadurch revolutionäres Potential entstehen kann, hat die Virtualisierung der Macht dazu geführt, daß die Bürger nicht so einfach bestimmen können, was eigentlich faul ist im Staate Dänemark.

Roland Woldag: Das, was wir jetzt in Athen gesehen haben, wird sich durchfressen nach Spanien und Frankreich. Und spätestens wenn in Frankreich alles drunter und drüber geht, ist das vielleicht der Punkt, an dem die Deutschen wach werden und gemahnt sind, sich nach neuen Konzepten umzusehen, damit es in Berlin und im Ruhrgebiet nicht brennt.

Felix Menzel: Ich kann mir nicht vorstellen, daß es zu einer Wohlstandskrise kommt, weil die Produktivität in Deutschland viel zu hoch ist. Aber es gibt eben noch ganz andere Konfliktherde: Zum Beispiel die Frage, was passiert, wenn sich die Masse der Ausländer in diesem oder anderen westeuropäischen Staaten vom Gemeinwesen vollkommen abwendet und ihm den Frieden aufkündigt. Da wird es doch in bestimmten Großstädten spannend.

Roland Woldag: Die Frage nach den „Fremden“ ist ein ganz heikles Thema. Ich bin vor dem Mauerfall nach Schleswig-Holstein gekommen und habe das Kippen der Stimmung gegen „Ossis“ hautnah miterlebt. Fremdenfeindlichkeit kippt immer das Kind mit dem Bade aus und erwischt meistens die Falschen. Es ist in der Regel der Versuch Minderbemittelter, sich Selbstwert durch Erniedrigung „Anderer“ zu verschaffen. Hierzu genügt bereits ein anderer deutscher Dialekt.

Ich habe beruflich überwiegend Kontakt zu Ausländern und bin auch sehr oft in muslimischen Ländern unterwegs. Ich weiß deshalb ganz genau, daß wir nicht in erster Linie ein Problem mit dem Islam haben. Wir haben ein Problem mit Menschen aus Nordafrika und arabischen Ländern, die aus der Unterschicht stammen und deren einigendes Element der Bezug auf den politischen Islam ist, genauso wie mit dem atheistischen, nihilistischen, deutschen Pöbel. Es ist ein Unterschichtenproblem. Sich nun noch zusätzlich Ungebildete ins Land zu holen, die auch noch kulturfremd sind und welche nicht einmal die Herkunftsländer zurückhaben wollen, ist in der Konsequenz ein Verbrechen an beiden Seiten, denn es provoziert Gewalt. Da in der Parteiendemokratie gezählt und nicht gewichtet wird, erhält diese Unterschicht eine destruktive Dominanz. Dem hatte das preußische Dreiklassenwahlrecht vorgebeugt.

Mit einem intelligenten, kultivierten Muslim haben Sie eine sehr viel breitere Gesprächsbasis als mit einem Atheisten. Die Trennung von Kirche und Staat in Deutschland marginalisiert die Kirche so weit, dass sie praktisch als mäßigende, sinnstiftende Instanz wegbricht und die christliche Ethik vollkommen verdrängt wird. Dies wiederum ermöglicht weitestgehende Willkür: Wir kommen so in immer kürzeren Zyklen zu immer mehr Gesetzen, weil eine atheistische Gesellschaft sich aus eigener Herrlichkeit glaubt, konstituieren zu können. Mit ständig sich verändernder Rechtslage steigt aber auch die Rechtsunsicherheit.

Niemand der Dilettanten, die den demokratischen Staat regieren, fühlt sich noch an das Naturrecht gebunden. Gesetze werden vielmehr nach Gelegenheit, Parteienkonstellation, sexuellen Vorlieben oder Kassenlage gemacht. In den letzten Jahren sind auf diese Weise zig Grundrechte ausgehöhlt worden, allem voran das Familienrecht und das Eigentumsrecht, was dazu führen wird, dass wir bald mittelos dastehen werden, wenn unser restliches Kapital für die Rettung dieses bankrotten Systems verbraten und der wenige produktive Nachwuchs ausgewandert ist. Dann werden linksgrüne Greise und Greisinnen an das Nationalgefühl der Jugend appellieren, es wird jämmerlich werden.

Ich muß auch noch einen Satz zur Scharia sagen, die immer wieder mit Steinigung und ähnlichem in Verbindung gebracht wird: Die christliche Naturrechtsordnung, auf welcher früher das bürgerliche Recht gründete, war im Prinzip nichts anderes als die Entsprechung zur Scharia. Handabhacken und Steinigen hat also weniger etwas mit der Scharia zu tun, als vielmehr mit mittelalterlicher Rechtspraxis. Da die Scharia jedoch nicht vom Naturrecht abgekoppelt ist, gelingt es ihr viel besser als unserem laizistischen Rechtsstaat, Rechtssicherheit herzustellen. Davon könnte auch unser Staat lernen. Es bräuchte zumindest wieder einen orientierenden Bezug zum Naturrecht.

Felix Menzel: Eine moderne Massengesellschaft kann bisher nur bürokratisch geführt werden. Der Staat spielt sich dabei als Großfamilie auf und bildet eine Hypermoral aus. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir nicht vorstellen, daß dieses Paradigma der Moderne anders als mit Gewalt beendet werden kann. Diese gewaltsame Revolution könnte sich bei großen ökonomischen Verwerfungen ankündigen, aber auch sollte sich das Unterschichtenproblem Nordafrikas über Lampedusa und andere Einfallstore nach Europa verlagern, so wie das in dem Buch „Das Heerlager der Heiligen“ von Jean Raspail geschildert wird. Da diese Negativtendenz ja von keiner Macht aufgehalten wird, stehen wir also vor der Herausforderung, wie wir uns auf diese drohende Krise vorbereiten können.

Roland Woldag: Wir können uns eigentlich nur vorbereiten. Das ist der Punkt. Anders als am Ende der DDR, wo man etwas tun musste und auch ziemlich klar war, was, fehlt es heute an diesem klar konturierten Gegner. Es war jedoch auch ein Wunder, daß diese Revolution von 1989 friedlich ablief. Durch das fehlende Opfer wissen die Menschen gar nicht, welche Gnade ihnen widerfahren ist. Das ist auch einer der Gründe, warum die Freiheit des Geistes heute so eingeschränkt ist. Der Umbruch von 1989 war so sanft, daß sich sofort nach der Wende wieder eine seltsame Allianz aus Altkommunisten und 68ern formieren konnte. Ich würde sogar die These wagen, daß das intellektuelle Klima in der DDR anarchischer war als heute.

Felix Menzel: Andererseits kann man uns heute eben immer erzählen, wir könnten ja alles veröffentlichen, was wir wollen. Wir leben in einem sanften Totalitarismus, der die Sache sehr viel schwieriger macht, weil die Auswege aus ihm viel weniger offensichtlich sind.

Roland Woldag: Es war so, daß man sehr, sehr mutig sein musste, um gegen das kommunistische System anzutreten. Da hat es ganze Kerle gebraucht. Die Kirchen haben dabei z.B. eine große Courage aufgebracht. Heute hingegen wäre genau das für die Kirchen eine Leichtigkeit, die sie aus Opportunismus und der Abkehr vom Wort Christi nicht mehr aufbringt. Die Kirche, besonders die EKD, befindet sich in sozialdemokratischer Paralyse.

Wie aber schon gesagt, glaube ich, daß es Metageschichte gibt. Wir könnten dazu auch Heilsgeschichte sagen. Deshalb: Vielleicht soll es ja auch so sein. Wir haben eine nihilistische, virtuelle Welt, welche auf imaginären Werten basiert. Die Eliten interpretieren ihren freien Fall als Überwindung der Gravitation aus eigener Herrlichkeit und geben sich daher der Illusion hin, die natürliche Ordnung außer Kraft gesetzt zu haben. Das glauben sie bis zum Aufschlag. Dagegen soll man gar nichts mehr tun. Ganz im Gegenteil: Während man etwas gegen das kommunistische System tun mußte, bricht dieses System umso schneller zusammen, je weniger man tut. Dieses System hat verlässliche, selbstzerstörerische Kräfte. Es trägt den Keim zur Selbstvernichtung in sich. Das ist auch ganz simpel an der Demographie ablesbar. Einzelne Bürger können daran nichts ändern. Was wir tun können, ist uns so gut untereinander zu vernetzen, daß wir auf diesen zwangsläufigen Untergang gut vorbereitet sind. Konservativ sein heißt, diese Krise zu überstehen, indem man sich und seine Familie bewahrt und dann das Danach neuzuordnen.

Felix Menzel: Herr Woldag, vielen Dank für dieses Gespräch!

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