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Sind Sie anmaßend?”

Dienstag, 20 November 2012 12:35 von Johannes Schüller
Spiegel Spiegel

GESPIEGELT. Der Spiegel glaubt an den Euro. Trotz Rettungspolitik und kontinuierlich wachsendem Kreditrahmen für Griechenland: Die Einheitswährung gilt einigen Redakteuren offenbar als „alternativlos”.

Dass des Kaisers neue Kleider schon seit langem peinlich nackt sind, lässt sich freilich nicht verleugnen. „In einer Sackgasse” betitelt das Hamburger Nachrichtenmagazin ein dreiseitiges Interview mit dem „streitbarsten, aber auch umstrittensten” Ökonom des Landes, Hans-​Werner Sinn. Sinn zählt als Leiter des Münchner „ifo Instituts für Wirtschaftsforschung” zu den profiliertesten Kritikern der Euro-​Rettungspolitik. Doch die einseitige Tendenz der Fragen lässt jeden mutigen, provokativen Journalismus bei den Spiegel–Redakteuren Armin Mahler und Michael Sauga vermissen.

„Rettung südeuropäischer Banken mit deutschen Steuergeldern”

Ist das Wissenschaft ‒ oder eine Glaubensfrage”, fragen beide Sinn. Anlass ist die Vehemenz, mit der Sinn das Scheitern der Euro-​Rettungspolitik der Bundesregierung anspricht. Die bisherigen Versuche, die Währung zu retten, seien stets als „alternativlos” präsentiert worden, erklärt Sinn. Zu dieser Zwangspolitik gehören auch der Ankauf griechischer Staatsanleihen durch die Bundesbank und die von der Europäischen Zentralbank vergebenen Target-​Kredite. Diese würden letztendlich beim Zusammenbruch der Euro-​Zone auch auf den Steuerzahler zurückfallen, kritisierte der Volkswirt bereits am 24. März 2012 im Interview mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Als nächster Schritt sei mit Eurobonds zu rechnen. Dabei handelt es sich um Schulden, die die gesamte EU am Finanzmarkt aufnehmen würde.

Neben Sinn zählen der Jurist Karl Albrecht Schachtschneider und Bruno Bandulet zu den bekannten Kritikern der vorgeblich „alternativlosen” Währungspolitik. In zwei Aufrufen warnten 495 deutsche Ökonomen, so Sinn, vor der „Rettung südeuropäischer Banken mit deutschen Steuergeldern”. Dass diese „Falle, aus der wir uns nicht mehr befreien können”, auch zum Streit zwischen einst befreundeten Staaten führt, erscheint da nur folgerichtig. Die Währungsunion trägt somit nicht zum europäischen Zusammenhalt bei, sondern vertieft die Gräben zwischen Madrid, Athen und Berlin.

Der Spiegel schlägt nun vor, Sinn solle sich doch als Parteipolitiker profilieren. Eine vertiefte, eben nicht „alternativlose”, sondern ergebnisoffene Auseinandersetzung mit einem möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-​Zone fehlt. Das verwundert wenig angesichts der Beteiligungsverhältnisse beim Spiegel. Auch in Hamburg hat sich das Medienimperium Gruner + Jahr zu rund 25 Prozent eingekauft, das wiederum zu einem Großteil der Bertelsmann AG gehört. Angesichts der schlüssigen Argumentation Sinns fällt Mahler und Sauga gegen Ende des Interviews noch eine kreative Frage ein: „Sind Sie anmaßend?”.

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