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Macht

Donnerstag, 22 November 2012 12:53 von BN-​Redaktion

KULTURTIPPS. Kafka und die Macht, Macht des Marktes, Macht der Lobby und Macht des Mythischen.

Dass Kafka mehr ist als belanglose Oberstufenlektüre zeigen wir nicht nur mit dem Kafka-​Preis, sondern auch mit unserer Broschüre „Politische Prozesse“. Kafkas Auseinandersetzung mit der Macht ist auch in diesem Kontext hochaktuell. Der Literaturwissenschaftler Gerhard Neumann hat sich mit Kafkas Verhältnis zur und Analyse der Macht beschäftigt und dabei herausgearbeitet, daß Kafka sich nicht nur ohnmächtig den Gewalten ausgeliefert war, sondern auch Hinweise gibt, wie man selbst Macht ausüben und nutzen kann. Seine letzte Tagebuchaufzeichnung: „Es geschieht, ob Du willst oder nicht. Und was Du willst, hilft nur unmerklich wenig. Mehr als Trost ist: Auch Du hast Waffen.“

Gerhard Neumann: Franz Kafka — Experte der Macht. Hanser Verlag. 240 Seiten mit Abbildungen, 19,90 Euro.

Macht des Marktes: Michael Sandel ist so etwas wie ein Popstar unter den Philosophen. Mit seinen Vorlesungen füllt er Stadien. Dabei stellt er eigentlich nur Fragen: Darf ein Staat Söldner verpflichten, um Kriege zu führen? Finden Sie, man sollte ein Adoptivkind ersteigern dürfen? Dürfen Unternehmen gegen Geld das Recht erwerben, die Luft zu verpesten? Was soll alles käuflich sein? Er diagnostiziert einen Wandel von einer sinnvollen früheren Marktwirtschaft zu einer Marktgesellschaft, die tatsächlich alle Bereiche des Lebens unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit abwägt. Die Marktgläubigkeit zerstöre die Demokratie und das Zusammenleben, weil sie den Sinn für Gemeinschaft verschwinden lässt. Antworten und Lösungen gibt Sandel mit seinem neuen Buch allerdings auch nicht, er fragt und betrachtet weiter.

Michael J. Sandel: Was man für Geld nicht kaufen kann. Die moralischen Grenzen des Marktes. Ullstein Verlag. 304 Seiten, 19,99€.

Macht der Lobby: Den Mythos „Biosprit“ nimmt James Smith, Professor für Entwicklungspolitik an der Universität Edinburgh aufs Korn. Bis 2020 kostet wird dessen Subvention den europäischen Steuerzahler über 34 Mrd. US-​Dollar kosten, rechnet er vor. Falsch angelegtes Geld. Denn aller Propaganda zum Trotz: Durch den weltweiten Biosprit-​Boom gelangen nicht weniger, sondern mehr Treibhausgase in die Atmosphäre. Regenwald wird gerodet, um Palmölplantagen anzulegen. Selbst wenn die Biospritproduktion eines Tages effizienter gestaltet würde, gerade einmal 6 bis 8 Prozent könnte Biosprit zur weltweiten Energieversorgung beitragen, ohne die Nahrungsversorgung und die Umwelt zu gefährden. Wer sorgt dafür, dass der Ausbau dennoch vorangetrieben wird? Smith benennt ein Biotreibstoff-​Kartell aus Ölfirmen, Autoherstellern und Agrokonzernen. Auch fehlgeleitete Agrarsubventionen tragen ihren Teil bei.

James Smith: Biotreibstoff. Eine Idee wird zum Bumerang. Klaus Wagenbach Verlag, 144 Seiten, 15,90 Euro.

Zentren der Macht: Die wohl größte Keltenausstellung seit 30 Jahren zeigt in Stuttgart die Europa prägende Kraft dieser Kultur. Der eine Teil der Ausstellung zeigt dabei die Entwicklung der keltischen Zivilisation in Mittel– und Westeuropa. Im Mittelpunkt stehen dabei die Zentren der Macht, die „Fürstensitze“ der frühkeltischen Elite und die spätkeltischen Städte. Der zweite Teil widmet sich der keltischen Kunst von den Anfängen im 7. Jahrhundert v. Chr. bis zur Nachblüte in der irischen Buchmalerei um 800 n. Chr. Die Ausstellung (http://​www​.kel​ten​-stuttgart​.de/​a​u​s​s​t​e​l​l​u​n​g​/) läuft noch bis zum 17. Februar 2013 im Stuttgarter Kunstgebäude und Schloss.

Macht des Mythischen: Die Winterzeit ist auch die Zeit des Mythischen, Umheimlichen. Krampus– und Perchtenläufe, Rauhnächte, Wilde Jagd. Besonders in den Alpenländern haben sich viele Traditionen erhalten. Krampusläufe sind einen Jahrhunderte alte alpenländische Tradition, die bis heute überlegt hat. Der Krampus bestraft als dunkler Begleiter des gütigen Nikolaus ungezogene Kinder. Viele Gruppen pflegen dieses Brauchtum auch heute noch in der Vorweihnachtszeit mit Umzügen und sehr kunstvoll und aufwendig hergestellten Kostümen. Eine kleine Ausstellung im Deutschen Jagd– und Fischereimuseum in München nimmt sich des Themas an und vermittelt vom 28. November bis zum 6. Januar Wissenswertes über dieses Brauchtum.

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