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Jugendliche bei Facebook und Co.: Bestätigung suchen, Bestätigung bekommen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Denise Hübner   
Dienstag, den 12. Oktober 2010 um 08:18 Uhr

FacebookSeit Anfang des Monats ist der Film The Social Network in allen Kinos und auch fast in aller Munde. Er thematisiert vor allem die Entstehung des heute größten sozialen Netzwerkes, „Facebook“, das aktuell über 500 Millionen aktive Nutzer weltweit aufweist. Mit fast 92 Millionen Mitgliedern sind die 20- bis 29-Jährigen die werberelevanteste Zielgruppe, die gleichzeitig auch den Großteil derer repräsentieren, die auf die Funktionen des Online Netzwerkes anspringen und es für ihre Kontakte gebrauchen.

Deutsche Nachfolger, die die meisten Ähnlichkeiten in Funktion, Inhalt und Aussehen aufweisen, sind studiVZ und schülerVZ. Alleine in schülerVZ, der Online-Community für Schüler ab 12 und bis 21 Jahren, sind 5,8 Millionen Mitglieder registriert. Das bedeutet gleichzeitig, dass fast ausschließlich Jugendliche diese Plattform nutzen. Der Gebrauchssinn wird so formuliert: „Registrierte Nutzer können über schülerVZ miteinander Kontakt aufnehmen, untereinander kommunizieren, Freundschaften aufbauen und pflegen.“

Doch die selbst gestalteten und mit Informationen, Gruppen und Bildern gefüllten Profile der Jugendlichen lassen durchblicken, dass es nicht mehr nur um die Kontaktaufnahme geht. Vielmehr scheint die wohl situierte und richtig platzierte Darstellung der eigenen Person zum eigentlichen Interesse geworden zu sein.

Der zweite Account – Für die anderen, die wahren Gefühle?!

Die Profile der jeweiligen Nutzer können für Fremde nur teilweise einsehbar geschaltet werden, doch scheint das ziemlich verpönt zu sein, wie eine Gruppe mit über 11.000 Mitgliedern zeigt: „Dein Profil ist privat? Wie scheiße bist du denn?“. Die perfekte Inszenierung des Profils scheint überlebenswichtig zu sein, wenn man im Dschungel der hunderttausenden Kontakte bestehen oder gar herausstechen will. Diese Inszenierung erfolgt einmal durch den Beitritt in möglichst einfallsreiche Gruppen und die interessantesten Infos in der persönlichen Spalte, aber vor allem durch viele Fotoalben und ein tolles Profilbild.

Dass viele der Profile gar nicht echt sind, sondern fake, schwächt das Ansehen der Community und erschwert den Erhalt des ursprünglichen Gedankens der Gründer. Wie soll man schließlich Kontakte finden und halten, wenn man sich nie sicher sein kann, dass diese auch echt sind? Einige User provozieren diese Unsicherheit bewusst, indem sie selber ein oder mehrere weitere Profile anlegen. Sie beschreiben sich als innerlich gespalten, mit Gefühlen versehen, die sie durch ein zweites Profil besser und einzig zum Ausdruck bringen.

Die vorwiegend weiblichen Mitglieder solcher Gruppen, die sich zur Schizophrenie bekennen, schmücken sich mit melodramatischen Zuschreibungen wie „Sie ist verzweifelt auf der Suche nach sich selbst“ oder „Kim, die nicht mehr lachen kann“ und gestalten ihr Profil ausschließlich so, als wären sie dauerhaft manisch-depressiv. Ihre Profilbilder sind eigentlich oftmals verboten, denn sie zeigen sich selbst verletzende Personen, aufgeschnittene Arme oder blutende Körper. Laut ihren Selbstbeschreibungen sehe es so in ihrem Innern aus oder ihre eigenen Körper wären derart misshandelt. Sie könnten zwar mit niemandem darüber reden, aber haben kein Problem damit, ihre Sorgen einem millionenschweren Publikum öffentlich zu machen. Es zeigt sich, dass es nur um eine Form der Aufmerksamkeit geht und weniger um wirklich schwerwiegende Verhaltensweisen.

„This is why I’m hot“

Aufmerksamkeit wollen auch die bekommen, die ihre Fotoalben mit völlig überzogenen Titeln wie „Absolute Geilheit“ versehen und sich auf diesen Bildern in eindeutig fragwürdigen Posen zeigen. Während der männliche User mit dem auf den Fotos dokumentierten Konsum von mehreren Flaschen Alkohol prahlt und seinen Absturz danach stolz offenbart, zeigen die Mädchen gerne, was sie haben – nur im Bikini oder halb entblößt, während einer durchzechten Nacht. Den gebührenden Respekt zollen die Freunde, die mit Kommentaren wie „RiiCHTiiG TOLL :)“ zeigen, dass sie es selbst nicht hätten besser machen können.

Diese kommentierenden Freunde stellen gleichzeitig einen weiteren Aspekt dar, der für die Selbstdarstellung eines Users unentbehrlich ist. Denn nur wer Freunde, Gästebucheinträge und Kommentare auf eigenen sowie verlinkten Bildern in hundertfacher Ausführung aufweisen kann, kann angeblich was auf sich halten. Das, was in der Realität Markenklamotten und das neuste Styling sind, machen in der Online-Society die Anzahl der so genannten „commies“ aus: Kommentare, die das eigene Ego pushen sollen.

Zeichen eines geschwächten Selbstvertrauens

Vielleicht ist das gerade der eigentliche Sinn eines Profils in einem der beliebtesten Online-Netzwerke: Die Bestätigung zu bekommen, die einem sonst vorenthalten wird. Man fertigt ein Profil an, mit Informationen, die lediglich Halbwahrheiten sind, preist seine – vorwiegend sexuellen – Vorzüge an, stellt vor Photoshop-Bearbeitung nur so strotzenden Bilder hoch und erntet die Bewunderung derer, die genau das gleiche tun. Ob sich so das im Grunde geschwächte Selbstvertrauen wirklich bessert und das eigene Ansehen auch real aufpoliert wird, ist und bleibt fraglich.

 
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