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Geschrieben von: Felix Menzel   
Mittwoch, den 08. Dezember 2010 um 16:30 Uhr

Felix MenzelIch möchte euch heute meine Werkstatt zeigen, die weder fotographierbar noch örtlich bestimmbar ist, weil sie nur in meinem Kopf existiert. Ihr hört also einen Werkstattbericht. Doch vielleicht schreckt dieser Begriff ab, weil er zu bodenständig klingt. Soll ich also lieber ankündigen, über meine journalistischen und literarischen Träume zu sprechen? Das klingt sicher vielversprechender. Ich beschreibe heute meine Träume, wie die perfekte Zeitung der Zukunft sein muß, welche Inhalte in ihr vorkommen müssen, welche Formen Sie zur Entfaltung bringt und welche Bildsprache darin mächtig wird.

Vor über sechs Jahren haben wir als Schülerzeitung die Blaue Narzisse aufgebaut und seitdem trotz großen Gegenwindes der Antifa, staatlicher Zensurbehörden und der sich frei fühlenden Zivilgesellschaft jedes Jahr einen kleinen Schritt nach vorne gemacht. Heute sprechen wir als Onlinemagazin eine kleine Öffentlichkeit von jungen konservativen Schülern und Studenten an, die sich für Kultur und Politik interessieren. Wir haben einen eigenen gemeinnützigen Verein aufgebaut, über den es möglich ist, die ersten Mitarbeiter zumindest finanziell mit einer kleinen Gabe für ihr jahrelanges ehrenamtliches Engagement zu belohnen. Doch was ist das angesichts meiner Träume?

Ich gebe zu, da gibt es eine Gefahr: Schnell wird aus Avantgardismus Snobismus!

Habt keine Angst, mir ist sehr wohl bewußt, wie schmal der Grat ist, auf dem ich hier wandeln möchte. Wie schnell aus Avantgardismus Snobismus wird. Wie schnell Ideale sich in ihr Gegenteil verkehren können. Kurz gesagt: Wie schnell aus der überspannten Anstrengung hin auf ein festes Ziel eine lächerliche Karikatur zu werden droht! Dann geht es eben wirklich nur noch um das Wahren des aufgebauschten Scheins – stets damit verbunden, die Redaktionspraktikantinnen so schnell wie möglich ins Bett zu bekommen. Von diesen wird es in jedem funktionierenden Medienbetrieb immer genügend geben. Ich bin mir übrigens absolut sicher, daß der aufgeblasene, selbst ernannte Starjournalist eine absolute sexuelle Niete ist und seine Maske immer dann zerbröckelt, wenn es eine Frau mit ihm wirklich ernst meint oder ihn seine Gefühle überwältigen sollten.

Über diesen kleinen Umweg über die tiefenpsychologischen Beweggründe, ein Starjournalist zu werden, gelangen wir zum tatsächlichen Anspruch der perfekten Zeitung der Zukunft, die nur rechts sein kann. Ich wiederhole: Die perfekte Zeitung der Zukunft kann nur rechts sein! Rechts, weil links eben ausgenudelt ist. Rechts, weil wir endlich wieder einen klaren, richtigen Blick auf die Wirklichkeit brauchen. Rechts, weil nur ein Pendelschlag nach rechts dieser armseligen Gesellschaft neues Leben einhauchen kann.

Eine Form finden, durch die der Inhalt an Brachialität gewinnt.

Es kommt nun weniger auf die Inhalte dieser rechten Zeitung an, sondern auf die Form. Na klar, diese Zeitung muß ungeschminkt die verheerenden Auswirkungen der Massen-Einwanderung benennen. Sie muß den Irrsinn des Gender Mainstreaming anprangern. Sie muß für einen selbstbewußten Nationalstolz werben. Sie muß aber auch andere Meinungen zu Wort kommen lassen. Damit sind wir beim wichtigsten Ideal der rechten Zeitung der Zukunft: Freiheit. Dieses von allen politischen Strömungen überbeanspruchte Wort gilt es, in einem ganz einfachen Sinne zurückzugewinnen. Die rechte Zeitung der Zukunft hat genug Größe, um mindestens zehn linke Journalisten regelmäßig schreiben zu lassen, weil durch die Auseinandersetzung zwischen linken und rechten Gedanken geistige Funken entstehen, die dem Ganzen, also dem deutschen Volk und dem deutschen Staat, neue Inspiration verschaffen können.

Ich sprach aber von den Formen und damit sind wir inmitten meiner Werkstatt, in der auf unterschiedlichen Arbeitsplätzen Gegenstände darauf warten, weiter verfeinert, geschliffen und verziert zu werden. Einen Gegenstand, den ich in den letzten Monaten zur Veröffentlichungsreife getrieben habe, sind die „Hundert Zeilen …“. Die „Hundert Zeilen“-Kolumne erscheint nicht nur bei uns in der Blauen Narzisse, sondern auch in der Allgemeinen Europäischen Staatenzeitung. Diese sollte vor über 200 Jahren der große deutsche Freiheitsdichter Friedrich Schiller redaktionell führen, wozu es leider nie kam. Nun gibt es diese Zeitung also doch. In unseren Köpfen, in unserer Vorstellung und durch unseren Willen, daß endlich ein literarisch-journalistisches Projekt kommen möge, das Deutschland und Europa wirklich weiterbringt und mehr ist als seichte Unterhaltung und netter Polittalk. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, daß es nichts Schlimmeres gibt als politisch nette Beiträge, denn „nett“ ist bekanntlich der kleine Bruder von „scheiße“.

Sich die Freiheit nehmen, das Eklige beim Namen zu nennen.

Freiheit bedeutet, auch seinen Weltekel herausschreien zu dürfen! Freiheit bedeutet, auch sein eigenes Publikum beleidigen zu dürfen! Und ich will mein eigenes Publikum, meine Leser und damit auch dich nicht nur beleidigen dürfen. Ich halte es für dringend notwendig, über das Stilmittel der Publikumsbeschimpfung Energien freizusetzen, dich zur Empörung, zum Entsetzen zu führen – immer in der Hoffnung, daß sich auf diese radikale Art und Weise geistige Funken zünden. Wenn ich dich beschimpfe, so nicht, weil ich dich als Person nicht mag, sondern damit du endlich in einen geistig regen Zustand versetzt wirst.

Du siehst: Meine perfekte, rechte Zeitung der Zukunft steht vor großen Problemen. Erstens hat sie kein Publikum, weil sie das Publikum beschimpft und alles dafür tut, es zu vergraulen. Zweitens muß ich wohl mit etlichen juristischen Prozessen rechnen, weil – auch wenn´s stimmt – man das hier in diesem Land so doch nicht darf. Das wird mir jeder Rechtsanwalt bestätigen. Aber ich sage es eben: Claudia R. – wer immer damit gemeint sein könnte? – ist eine fette Qualle, die in ihrem Leben noch kein einziges vernünftiges Argument abgegeben hat, die mit ihrer moralischen Entrüstung jeden vernünftigen Zugang zu Politik verstellt und jetzt sagt mir mal bitte, warum ich – ausgerechnet ich, der Feind von der Claudia R. – sachlich, ruhig und vernünftig auf diese fette Qualle antworten sollte. Würde etwa Claudia R. sachlich, ruhig und vernünftig auf meine Argumente zur verfehlten Integrationspolitik in Deutschland, die sie mitzuverantworten hat, antworten?

Ein Gespräch mit Claudia R. lohnt sich nicht. Sie muß man beschimpfen.

Die Antwort darauf kennt jeder hier. Claudia R. würde emotionalisieren und einfach sagen: „Der Menzel, das ist ein Nazi, mit dem spreche ich nicht.“ Und ich will auch nicht mit Claudia R. reden, weil sie nicht weiß, welche Regeln bei einem Gespräch zwischen zwei vernünftigen Menschen gelten müssen. Und ein Gespräch zwischen einer vernünftigen Person und einer fetten Qualle ist eben nicht möglich. Deshalb bleiben wir am besten gleich bei der Beschimpfung. Ja, ich gebe es offen zu, ich finde, daß Claudia R. die widerlichste Politikerin ist, die ich mir vorstellen kann. Wie konnte es nur passieren, daß dieses unförmige Stück Etwas, das sicherlich nichts dagegen hat, wenn ich es als MenschIn mit Binnen-I bezeichne, wie konnte es nur vorkommen, daß dieser Kloß früher einmal in der Rockerszene als Matratze benutzt wurde. Das ist doch nicht mal im Vollsuff zu ertragen, so ein widerliches Etwas zu besteigen.

Ich hoffe, ihr erkennt, daß ich ins Literarische abdrifte. Jede Ähnlichkeit meiner gezeichneten Figuren mit real existierenden Personen ist weder gewünscht noch beabsichtigt. Das einzige, was ich vor Augen führen möchte, ist die Verkommenheit des Zeitgeistes. Umso rigider dieser regiert, umso mehr ist es notwendig, die Grenzen der journalistischen Berichterstattung zu überwinden. In Fiktionen, Erzählungen, Parabeln und Analogien können die Probleme unseres Landes deutlicher beim Namen genannt werden, als wenn sie sofort durch freiwillige Selbstzensur unten den Tisch gekehrt werden. Die großen Schriftsteller unseres Landes wußten das stets. Schauen wir ins vergangene Jahrhundert: Ernst Jünger schuf zu Zeiten des Dritten Reiches seine Erzählung Auf den Marmorklippen und begab sich damit ebenso in die Innere Emigration wie der baltische Dichter Werner Bergengruen, der das klügste konservative Werk im inneren Widerstand gegen Hitler schrieb. Der Roman Der Großtyrann und das Gericht stellt der Tyrannei die ewig gültigen Autoritäten, also Gott aber auch den Staat, gegenüber, die für Gerechtigkeit auf Erden sorgen bzw. zu sorgen haben.

Auf, auf zu Deutschen Reisen!

Bergengruen hat im Sommer 1933 mit seiner Deutschen Reise noch für ein weiteres Werk gesorgt, das ich gern unter den Umständen der Gegenwart erneuern möchte. Bergengruen fuhr mit dem Fahrrad durch Deutschland und hielt seine Beobachtungen fest. Das soll auch mein journalistischer Anspruch sein: Anstatt nur alles besser zu wissen und irgend etwas zu meinen, will ich Deutschland, Europa und die Welt sehen. Ich will eine Woche mit dem Fahrrad meine „Deutsche Reise“ machen und mir genügend Zeit nehmen, um die Wesensart von Land und Leuten genau kennenzulernen. Aufwendige Reportagen schweben mir also vor.

Ich will live dabei sein, wenn die Mauern in unserem Land fallen, wenn sich Wendepunkte ankündigen, wenn in Stuttgart die Menschen gegen einen Bahnhof Sturm laufen. Ich will all das nicht aus der Zeitung erfahren und weiterverarbeiten. Ich muß dahin. Ich will aber auch mit den kleinen Leuten sprechen. Derzeit lese ich einen Roman über die Einöde Mecklenburg-Vorpommerns. Das sind die Themen, die eine rechte Zeitung auch interessieren muß. Die rechte Zeitung darf nicht nur Palaver bündeln, sie muß sich das Leben der Menschen anschauen. Leute, raus aus euren Nestern! Erkundet die Welt und entdeckt die Geheimnisse des Lebens, das so schön ist, das es einen nach draußen ziehen muß.

Anmerkung der Redaktion: Dies ist ein kleiner Ausschnitt aus einer Rede, die Felix Menzel auf der Bielefelder Ideenwerkstatt gehalten hat. BlaueNarzisse.de dokumentiert die Rede auszugsweise in drei Teilen. In wenigen Tagen erscheint der zweite Teil.

 
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