Startseite Anstoß Kleine Reihe zu den größten Fehlern der Konservativen: (I) Die Feigheit. Oder: Was spricht für den konfrontativen Weg?
Kleine Reihe zu den größten Fehlern der Konservativen: (I) Die Feigheit. Oder: Was spricht für den konfrontativen Weg? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Carlo Clemens   
Dienstag, den 31. Mai 2011 um 08:13 Uhr

Neue RechteAm 16. April überraschte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) auf der Titelseite mit einem Artikel über „Nazi-Outing“. Der hauptsächlich von Angehörigen der linksextremen Antifa-Szene betriebene öffentliche Pranger gegen Personen, die dem rechtsextremen Lager zuzuordnen sind, stelle im Internetzeitalter ein besorgniserregendes Phänomen dar. Während Bundestagsabgeordnete von SPD und Linkspartei ein solches Vorgehen verteidigten, legte Bernd Wagner, Mitbegründer des Rechtsextremen-Aussteigerprogramms „Exit“, seinen Unmut dar: „Man kann politische Freiheit nicht dadurch fordern, dass man die Persönlichkeitsrechte anderer verletzt. Im Kern eines solchen Verständnisses von Antifaschismus steckt schon die Staatssicherheit und auch der GULag.“

Ist „Nazi-Outing“ bei rechten „Untermenschen“ legitim?

Beim „Nazi-Outing“ werden persönliche Daten wie Adresse, Arbeitsstelle, Bilder und Kontakte einer unliebsamen Person öffentlich gemacht. Entweder durch klassische Flugblattverteilungen oder im Internet. Dabei trifft es nicht nur Rädelsführer, sondern oft auch Mitläufer und Karteileichen. Die Agitatoren bleiben dabei anonym. Auf der linksradikalen Plattform Indymedia brilliert man in aller Regelmäßigkeit über „erfolgreiche antifaschistische Aufklärung“, wenn Schulen mit Flyern zugeklebt werden, in denen bestimmten Schülern zur Last gelegt wird, der „rechten Szene“ anzugehören. Linksradikale erhoffen sich Konsequenzen wie einen Schulverweis oder soziale Isolierung des Delinquenten. Umstände wie Orientierungslosigkeit vieler Minderjähriger und die eigene skrupellose Feigheit lassen sie nicht gelten.

Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linkspartei im Bundestag, sieht auf Anfrage der FAS in der Denunzierung eine „Analogie zum Vorgehen gegen Folterer früherer Diktaturen in Lateinamerika, die heute noch auf diese Weise der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.“ Christoph Rothämel, Autor von BlaueNarzisse.de, hat Jelpkes inquisitorischen Eifer schon spüren dürfen. Für einen polemischen, jedoch wahrheitsgemäßen Blog-Eintrag fing er sich eine Strafanzeige ein. Das Verfahren wurde mittlerweile zwar eingestellt, aber die Devise war klar. Ein einfacher Student sollte gnadenlos mit der Dampfwalze platt gemacht werden.

Den Gegner mit allen Mitteln plattmachen

Obwohl sich Linke gerne mit dem Pathos des Proletarischen und Revolutionären schmücken, legt die Realität offen dar, dass eine radikale Minderheit an wirkmächtigen Schaltern der Öffentlichkeit Hand anlegt. Und das Revier wird verteidigt. Der FAS-Artikel versäumte, darauf hinzuweisen, dass der systematische Rufmord von links nicht nur auf Angehörige der rechtsextremen, also potenziell verfassungsfeindlichen Szene zielt. Auch Konservative, also bloße politische Gegner, sehen sich Angriffen konfrontiert und staunen nicht schlecht, welch intime Infodatenbanken fleißige Schnüffler gegen sie angelegt haben.

Dabei passieren immer wieder Patzer, die für unfreiwillige Komik sorgen. Eine öffentlich gemachte Fotostrecke von zahlreichen Teilnehmern des „Marsches der Freiheit“, den die rechte Bürgerbewegung pro NRW diesen Mai in Köln veranstaltete, musste wieder vom Netz genommen werden, als aufkam, dass die Antifa viele ihrer eigenen Leute, die sich unter die Teilnehmer gemischt hatten, ablichtete. Immer wieder werden Namen durcheinander gebracht und falschen Personen zugeordnet. Fakten mischen sich mit Fiktionen und Agitationen verschwimmen mit bloßen Mutmaßungen.

Die pure Angst, sich die Karriere zu verbauen

Ihre Wirkung verfehlen die Pranger kaum. Angst und Vorsicht eines Konservativen sind hier nur berechtigt. Unentschuldbar jedoch ist die Feigheit der Bürgerlichen. Es besteht Einigkeit darin, dass an der Schule und in der Universität die sich oftmals links gebenden Schülervertretungen (SV) und Allgemeinen Studentenausschüsse (AStA) den Ton angeben. Viele Konservative halten sich deshalb verdeckt. Selbst wenn Schüler und Studenten im Unterricht und in Seminaren durch entsprechende Wortäußerungen auffallen, sind die meisten nicht konsequent genug, sich entsprechend politisch zu positionieren. Das kann zum einen an der bloßen Lust an der Provokation liegen, die sich um größere Zusammenhänge nicht schert. Häufiger anzutreffen ist die pure Angst, sich die Karriere zu verbauen.

Die Machtverhältnisse sind nämlich klar. Die Mehrheitsfrage aber bleibt offen. Welche Möglichkeiten hat der Konservative? Gangbar ist der Weg des Opportunisten. Er begnügt sich mit dem „geringsten Übel“, CDU oder sogar FDP. Er lässt sich verbiegen, immer wieder die geforderten Bekenntnisse abringen. Ihm widme ich den kürzesten Absatz dieses Artikels – nicht der Rede wert.

Eine zweite Gruppe, Kategorie Verbindungsstudent, isoliert sich im eigenen Milieu. Zu oft wurde der stolze Bandträger Opfer unfairer Hetze. Trotzdem veranstaltet er jedes Semester zusammen mit den Bundesbrüdern Partys im Verbindungshaus und das öffentliche Couleur-Frühstück in der Uni-Cafeteria. Das letzte Mal beschallten ihn und seine vier Kameraden etwa fünfzig schrille Linke mit Trillerpfeifen, im Seminar ist er längst ein Außenseiter und im Hörsaal gibt es eine eigene „Korporeihe“ (ganz vorne). Der Trotz macht ihn hart, er ist sich seiner tragischen Rolle bewusst und richtet es sich in der Nische gemütlich ein. Manchmal ertappt er sich dabei, wie er seine Verbindung verleugnet, um Ärger aus dem Weg zu gehen.

Der leise Aufstieg und die schweigende Mehrheit

Der favorisierte Weg ist der unauffällige berufliche Aufstieg. Sich nicht mit politischem Kram aufhalten, sondern gute Noten schreiben und den eigenen Ansprüchen genügen. Die Widerspenstigkeit bleibt verdeckt. Nur manchmal blitzt sie hervor, beim verächtlichen „Ne, lass mal“ gegenüber den Verteilern schlechter linker Unizeitungen und dem Tragen von Cord statt ausgewaschener Jeans. Nach erfolgreicher Ausbildung zieht der Gemütskonservative in ein Eigenheim mit Garten einer besseren Gegend, auf dem Land, nicht bei den Yuppies, gründet eine Familie und erzieht die Kinder ordentlich. Seinen Unmut wird er immer für sich behalten. Sein ist für ihn überhaupt mehr als der Schein.

Wir vertrösten uns auf lange Zeit hin, wenn wir warten, bis die richtige historische Situation mit der richtigen historischen Persönlichkeit zum manifesten Rollback fusioniert. Inwiefern hat der Jünger Petrus seinen Herrn Jesus verleugnet, als er in einer gefährlichen Situation bekannte, ihn nicht zu kennen? Wie machen wir uns gegenüber unserer Überzeugung – die wir nicht zum Spaß gewählt haben – schuldig, wenn wir sie nicht bekennen? Wir sollten daran arbeiten, sie positiv darzustellen. Mag sein, dass radikale Minderheiten über unverhältnismäßig viel Macht verfügen. Bei all dem Ärger darf jedoch die Mehrheit der Menschen nicht außer Acht gelassen werden, die sich von guten Argumenten und Fakten überzeugen lassen, nicht von Lautstärken.

Die „Kleine Reihe zu den größten Fehlern der Konservativen“ wird in nächster Zeit fortgesetzt. Folgende Themen sind in Planung:

1. Die falsche Hoffnung. Der Fall Hohmann und das endlose Warten auf die Rettung des Vaterlandes durch die CDU

2. Die falschen Parteien. Republikaner und andere Konsorten

3. Die falschen Personen. Patrik Brinkmann: Weltenbummler in nationalen Parteien

4. Die falschen Themen. Die Konzentration auf das Ewiggestrige: Drei Beispiele, wie konservative Zeitungen im eigenen Saft schmoren

5. Die falsche Mentalität. Die Verteidigungsposition: Drei ausgewählte Fälle konservativer Rückzüge und Selbstrechtfertigungen

(Gastbeiträge zu diesem Themenkomplex sind jederzeit erwünscht. Wendet euch dazu bitte einfach an die Redaktion.)

 
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