Startseite Anstoß Kleine Reihe zu den größten Fehlern der Konservativen: (VII) Warum die Angst der Konservativen vor dem Gender Mainstreaming ungerechtfertigt ist
Kleine Reihe zu den größten Fehlern der Konservativen: (VII) Warum die Angst der Konservativen vor dem Gender Mainstreaming ungerechtfertigt ist PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Benjamin Jahn Zschocke   
Montag, den 21. November 2011 um 07:53 Uhr

Dies ist ein unsachlicher und subjektiver Artikel. Er handelt davon, daß niemand mit dem Sexfreund der eigenen Freundin ein Bier trinken gehen und sich mit ihm erst recht keine Wohnung teilen will. Er handelt von Rollenmodellen, von Männern, die an Brüsten und Hintern interessiert sind, von Frauen, die sich nicht über die Quote definieren, und Familien, die Kinder bekommen wollen. Und er handelt von der hypochondrischen Angst der Onanisten vor den vertrockneten Emanzen, die an den Universitäten Pflichtseminare über Gender-Theorien geben.

Der Staat als letztmöglicher Ehepartner

Alle ehemaligen DDR-Bürger kennen ihn, den Studiengang Marxismus-Leninismus. Ein Phantom, das bis `89 durch alle Universitätsflure geisterte, eine Schimäre aus Dogmatismus und Weltfremdheit in wissenschaftlichen, staatstragenden Zwirn gehüllt. Wer damals was werden wollte an den Unis zwischen Rostock und Zwickau, mußte diesen Kram mitmachen. Fortan hörte er sich also unter dem Vorzeichen wissenschaftlichen Arbeitens an, warum der Kommunismus das einzig wahre Gesellschaftsmodell ist und wann genau er siegen wird. Viel zu lachen gab es dabei nicht, schließlich ging es um den neuen Menschen.

Lehrer dieses Pflichtfaches waren a) häßliche Schnepfen, die kein vernünftiger Mann mehr wollte und die statt dessen den Staat geehelicht hatten oder b) die unansehnlichen und opportunistischen Typen, die nicht mal die häßlichen Schnepfen mehr wollten und die im Sandkasten immer auf die Fresse bekamen. Selbstverständlichen trugen a) und b) in Lehreramt- und Würden die unnahbare und dogmatisch Attitüde echter Herrscher mit sich, die sich in Unnachgiebigkeit, Jähzorn und in Stein gehauenen Gesichtern äußerte. Dieser unantastbare Status begründete sich nur durch eines: Sie waren die Wärter am Tor von Gut und Böse – denn sie hatten Macht.

Wer kein guter Marxist-Leninist werden wollte oder auch nur kleine Zweifel an deren Lehre vorbrachte, trug fortan ihre Mißgunst im Gepäck und konnte sich sicher sein, irgendwann richtig auf die Schnauze zu fliegen. Spätestens dann, wenn ein guter Job bei gleicher Qualifikation an einen SED-Kadermann ging. Wissenschaftlichkeit spielte bei Marxismus-Leninismus-Lehrern angesichts ihrer Position im SED-Regime keine allzu große Rolle. Zwei Meter dogmatische Schriften reichten als Primärquelle. Es galt nur zu überzeugen.

Rassenkunde, Marxismus-Leninismus, Gender- und Queerstudies

Auch heute gibt es an den Universitäten wieder weltanschauliche Pflichtfächer, so, wie immer schon. In wirtschaftlich angespannten Zeiten beginnt der Staat seine Zügel enger zu fassen, beginnt in dafür und dagegen zu teilen. Zur Verteilung knapper werdender Wirtschaftsgüter müssen zur späteren Existenzsicherung irgendwann Zuordnungskategorien errichtet werden. Politischer Dogmatismus hat immer eine wirtschaftliche Grundlage: Wer ist für den Staat, wer ein Gefahrenpotential? Wer ist der wichtigere Staatsbürger? So wird das Alltägliche wieder politisch.

Die häßlichen Schnepfen von damals tragen heute Kurzhaarfrisuren und Designerklamotte, haben eine Vorliebe für Foucault und französische Weine und unterrichten Gender- und Queerstudies. So gut wie kein geisteswissenschaftlich orientierter Student kommt vorbei an ihren peinlichen Outings, ihren affektiven Verteidigungsreden zugunsten der Schwulen und ihrer wissenschaftlichen sowie didaktischen Unfähigkeit. Niemand kommt herum um die Frage, wovon sich deren auf dem T-Shirt getragene sexuelle Unabhängigkeit denn eigentlich emanzipiert habe. Vom Mann? Vom Sex? Von ihrem eigenen Körper, der seit dreißig Jahren von niemandem mehr angefaßt wurde?

Poli-Dingsbums? Hä? Nix-Poli-Bums!

Und sie predigen komische Dinge: Zum Beispiel, daß es dringend einer Frauenquote bedarf – also, daß die Eignung und Qualifikation für eine Stelle sekundär ist hinter dem, was zwischen den Beinen ist. Das ist ihre Art von Moderne. Sie sprechen davon, daß besonders Frauen ihre Sexualität frei ausleben müssen. Männern fahren sie im Seminar über den Mund. Gleichzeitig zum Amt der Gender-Dozentin sind sie Frauen-, Feminismus- oder/und Gleichstellungsbeauftragte der jeweiligen Uni. Über die Frauenquote ins Amt geputscht, sind sie immer weiblich, zumindest dem Ausweis nach. Sie hassen die Männer ganz unverhohlen und tragen aufgrund ihrer unentbehrlichen Doppelfunktion ein Riesengehalt nach Hause. Das setzen sie zur Pflege ihrer Neurosen ein, denn Familien warten oft keine.

Ihr neuster Streich: Die polyamore Partnerschaft. Diese Art von Beziehung ist so neu, daß nicht mal das Rechtschreibprogramm von Windows 7 das Wort kennt und folglich als Fehler markiert. Früher gab es die Kommune, da hat einfach jeder mit jedem gevögelt. Das war für den ein oder anderen möglicherweise noch nachvollziehbar, solange keine Kinder im Spiel waren. Die polyamore Beziehung hingegen greift die Ideen des Feminismus und des Gender Mainstreaming auf und versucht sie in eine lebensnahe Form zu bringen, so wie Sartre seine Theorien in Romanen zum Leben brachte. Ausgangspunkt der polyamoren Partnerschaft ist die Tatsache, daß die bürgerliche Ehe ein Konstrukt des 19. Jahrhunderts und sowieso der Kirche sei und überlebt ist. Außerdem geht man davon aus, der Mensch sei imstande, mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben.

Die Ideale-Fick-Ergänzung (IFE) löst die Ehe ab – Kinder bekommen nur noch Hartz-IV-Familien

Beispiel: Kai und Claudia leben zusammen in einer Art WG. Kai ist eher zurückhaltend, liebt Claudia aber wirklich, ist aber im Bett nicht so der Brenner. Weil Claudia Kai nun zwar auch liebt, aber nicht so lange warten will, bis das für authentischen Sex unabdingbare Vertrauen entstanden ist, erlaubt Kai ihr, daß sie sich im Nachbarzimmer ihres gemeinsamen Schlafgemachs derweil von Frank so richtig hart vögeln lassen kann. Während nun nebenan die Lustschreie der beiden nur so hallen, setzt sich Kai mit Franziska zusammen und spielt Schach, denn das interessiert Claudia nun wirklich überhaupt nicht. Generell mag er sich mit ihr nicht wirklich unterhalten. Irgendwann setzt sich auch Detlef zu den beiden, der auch in der WG wohnt und bisexuell ist. Da Kai an der Uni gelernt hat, daß es voll okay ist, wenn ein Mann auch mal mit einem Mann schläft, läßt er die anfänglichen Hemmungen hinten runter fallen und beginnt zusätzlich auch Detlef zu lieben. Das wiederum hat positive Auswirkungen auf das Sexleben von ihm und Claudia, die sich deshalb immer weniger mit dem geliebten Frank trifft. Der findet nun Gefallen an Franziska, spielt aber auch kein Schach, was wiederum die Chancen von Kai erhöht, der dann irgendwann auch mit ihr ins Bett geht. Claudia indessen entdeckt ihre Vorliebe für Fesselsex, den Detlef hervorragend beherrscht …

Man könnte die Reihe beliebig fortsetzen und erweitern. Dreh- und Angelpunkt dieser Theorie ist die IFE, die öffentlich bekannt gemacht werden will, auch und wegen ihrem Bedeutungsanspruch. Jeder Partner ist gleichberechtigt und sucht sich zu seiner Ergänzung einen anderen Partner. Fragen wie Eifersucht, Ehe und Kinderkriegen gehören, zumindest theoretisch, der Vergangenheit an. Das wird bei Stammtischen, öffentlich geförderten Seminaren und auf Facebook-Seiten in die Welt getragen. Die Polyamoren haben ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis, denn wer staatstragende Ideen als erster umsetzt, muß das allen mitteilen. Sie glauben daran, den Menschen mit Worten grundlegend ändern zu können um die einzig wahre IFE auf Basis der Liebe zu erreichen. Auch hieran erkennt man, wie modern die Gender-Theorien doch sind.

Die evolutionäre Sackgasse

Aber die Gender-Ideologinnen sind im Vergleich zu ihren DDR-Vorgängerinnen vergleichsweise harmlos. Was sie predigen und vorzuleben glauben, endet über kurz oder lang in der evolutionären Sackgasse. Man hat vergleichsweise wenig Gegenwind zu befürchten, wenn man sie scheiße findet.

Alle wissen das.

Neunundneunzig Prozent ihrer Studenten gehen also nach dem Seminar heim und träumen des Nächtens von Kindern und Eigenheimen mit Pergola und Planschbecken. Neunundneunzig Prozent ihrer Studenten haben mindestens eine noch nicht verbalisierte Ahnung, daß das da vorn Dozierte irgendwie komisch ist und unnatürlich und nicht zu ihnen gehört. Neunundneunzig Prozent wollen wirklich nicht im Stuhlkreis über ihr Sexleben sprechen. Und wahrscheinlich selbst das restliche eine Prozent weiß, daß sich die Natur nicht mit Worten ummodeln läßt.

Alle wissen zudem, daß sich die Gender-Ideologinnen, genau wie alle anderen Weltanschauungsprediger, leicht entlarven lassen. Die haben keinen Humor und zweitens: Ihrem Weltbild darf nicht widersprochen werden. Es leitet sich in kühnen kausalen Ketten her und kann mit dem Herausziehen eines Steinchens zum Einsturz gebracht werden. Deshalb nehmen sie jede Kritik persönlich.

Jeder horcht jetzt bitte mal ganz kurz in sich rein und fragt selbstkritisch, wie ernst er diesen weltfremden Kram wirklich nimmt. Jeder stelle sich bitte mal ganz kurz die Frage, ob er, nur weil er es von der vertrockneten Tante mit dem Doppelnamen im Seminar gelehrt bekommt, als Mann wirklich eine unterdrückte weibliche Seite hat und dann nachts auf einmal von nackten Männern träumt. Es ist vielmehr so, daß die Gender-Theorie im Kontext eines mit der Staats-Idee verbundenen Menschenbildes verstanden werden muß. Jeder Staat leistet etwas für den Bürger, fordert aber auch vieles. Je autoritärer der Staat, desto größer das Ungleichgewicht zwischen diesen Größen. Folglich sollte der wieder einmal ausgepackte „Neue Mensch“ mit großer Gelassenheit denen überlassen werden, die ohnehin jeder Mode nachlaufen.

Warum haben so viele Konservative eigentlich Angst vor dem Gender Mainstreaming?

Ganz einfach: Weil die Frauen fehlen. Denn wer kennt ihn nicht, den unsicheren, modevernarrten und politisch engagierten Onanisten? Gefrustet trägt er seine Negativität nach außen, wittert den Teufel hinter globalisierten Konzernen, Chemtrails und genderisierten Regenmachertänzen. In der Regel studiert er, in der Regel hat er gedient, in der Regel ist er solo. Vor nichts fürchtet er sich folglich mehr, als vor der emanzipierten, selbstbewußten Frau, deren Urtyp die Gender-Tanten an seiner Uni darstellen wollen. Über Facebook posaunt der eigentlich recht romantische und liebe Typ, der einfach nur ein braver Staatsbürger werden will, nun seinen ganzen Haß nach draußen, weil er an der Uni immer schweigt, weil er dort die Auseinandersetzung scheut.

Was ist symptomatisch an dieser Figur? Warum überschätzt er maßlos, was es momentan aus allen Rohren feuert? Wo ist die Gelassenheit gegenüber den mit jedem Staat auftretenden Phänomenen? Weil er kein Verhältnis zu sich hat und schon gar keins zum anderen Geschlecht. Ihm fehlt ein Bewußtsein für seinen Körper und dessen natürliche Bedürfnisse. Desintegriert und in irgendeiner Universitätsstadt fern der Heimat an den Computer geschmiedet, verbringt er seine reichliche Freizeit mit dem Kultivieren von Neurosen und dem Onlineshopping auf Militaria-Seiten. Er treibt keinen Sport, er hat zu wenig Freunde, er kann nicht auf Gleichaltrige an der Uni zugehen, er engagiert sich nicht sozial, er ernährt sich falsch und ungesund. Für ihn sind alle anderen doof. Er pflegt seine Spätpubertät mit der Mitgliedschaft in einer der zahlreichen rechten Splitterparteien oder vergleichbaren Vereinigungen. Er verweigert sich dem Alltag und dem Jetzt. Er entwickelt keinen ehrlichen Ehrgeiz an sich zu arbeiten. Er hat weder Vision noch Perspektive, aber er hat einen Feind.

Freilich, der hier beschriebene Einzelfall ist nur die Amplitude einer Erscheinung, die dem Grunde nach aber jedem bekannt ist. In Schattierungen trifft sie für viele von uns zu. Wer kritisch ist, erkennt: Viele Konservative sind lebensfern. Sie igeln sich ein, weil die Opferrolle keiner Begründungen und keiner Kämpfe bedarf. Man ist ein Außenseiter und will es um Gottes Willen bleiben. So bleiben die meisten lebensfern und wirkungslos, angreifbar und unglaubwürdig.

Buchempfehlungen zum Einüben natürlicher Rollenmodelle: Dian Hanson: The Big Butt Book, The Big Book of Legs, The Big Book of Pussy. Jeweils im TASCHEN Verlag erschienen. Hardcover, gebunden mit Schutzumschlag, 30 x 30 cm. Jeweils rund 400 Seiten, jeweils 39,90 Euro.

 
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