| Kolumne über Alles und Nichts: Beleidigte Weißwürste und erledigte Breisgauer |
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| Geschrieben von: Gregor Burchardt |
| Freitag, den 20. Januar 2012 um 08:06 Uhr |
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Arrogante Münchener abgewatscht Ein sehr interessanter Spieler sei Marco Reus, und man sei stets bemüht, die besten Spieler zum FC Bayern zu holen. Es komme auf drei bis vier Millionen nicht an. So orakelte Christian Nerlinger, Sportdirektor der Bayern, im „Doppelpass“ vor der Winterpause. Für jeden Beobachter stellte sich nur die Frage, ob Reus schon in der Winterpause wechselt, oder erst am Saisonende. Er wechselt zum Saisonende. Aber nicht in den Süden der Republik, sondern zum amtierenden Deutschen Meister nach Dortmund. Und Nerlinger guckt in die Röhre. Dass die Bayern in Aufregung sind, erkennt man immer daran, dass sie Sprüche klopfen. Und so erstaunte es nicht, dass es kurz nach Bekanntgabe des Wechsels des talentierten Offensivspielers den einen oder anderen Giftpfeil von jenseits des Weißwurstäquators gab. Dies sei für Reus ja die leichtere Option gewesen. Er habe vielleicht Angst gehabt. All dies deutet darauf hin, dass es die Bayern durchaus schmerzt, in dieser Angelegenheit das Nachsehen gehabt zu haben. Doch kann man auch ganz ohne Häme und auch ohne schwarz-gelbe Brille sagen: Dies ist ein guter Wechsel. Für Reus und für den deutschen Fußball. Ein logischer Schritt für Reus und für Dortmund Vor der Winterpause hatte ich schon eine Kolumne fertig, die darüber räsonierte, warum es schlecht ist, dass Reus nach München geht. „Schade, dass er das tut, hätte er lassen sollen“ usw. Er wäre nicht der erste Spieler gewesen, der mit viel Talent viel zu früh zum Rekordmeister geht und sich dort vielleicht nicht durchsetzt. Weiterentwickeln will er sich und international spielen. Besonders für ersteres gibt es in Deutschland zurzeit eine absolute Topadresse für junge Spieler: Borussia Dortmund. Mit Jürgen Klopp als Trainer und einem infrastrukturell hervorragend ausgestatteten Trainingszentrum, einer Vereinsführung, die mit Verstand und Augenmaß am sportlichen Erfolg arbeitet, herrschen dort beste Voraussetzungen. Hummels, Schmelzer, Bender, Großkreutz, Götze sind hier zu Nationalspielern gereift und allesamt gerade erst am Anfang ihrer Karriere. Insofern ist dieser Wechsel für beide Seiten absolut logisch. Für Reus, weil er dort ein erfolgshungriges, entwicklungsfähiges Umfeld erhält und für den BVB, weil Reus diese Mannschaft noch ein entscheidendes Stück verbessern kann. Heimlich still und leise, so scheint es, wird hier eine Mannschaft aufgebaut, die längerfristig zu einer echten Größe werden kann. Der Wechsel von Marco Reus könnte Signalwirkung haben für Spieler wie Hummels, Bender und Götze, die allesamt natürlich von den europäischen Spitzenvereinen beobachtet und umworben werden. Da in der Tat Reus in Dortmund wohl entscheidend größere Chancen auf regelmäßige Einsätze hat, darf sich der deutsche Fußball freuen, dass dieses Talent nicht hinter beispielsweise einem Arjen Robben versauern muss. Wo ein Starker weggeht… Natürlich wird man in Mönchengladbach nicht ganz glücklich sein über die Entscheidung von Marco Reus. Ist er doch auf dem Platz einer der Garanten für den neuerlichen Erfolg der Fohlen-Elf. Doch dürften die 17,1 Millionen Euro, mit Augenmaß investiert, auch eine gewisse Qualität in die Mannschaft bringen, die Lucien Favre so hervorragend aus dem unmittelbaren Abstiegskampf in Schlagdistanz zu den oberen dieser Branche geführt hat. Favre ist für mich der Jürgen Klopp von Mönchengladbach und dort täte man gut daran, ihn langfristig zu binden. … droht das Zittern Doch Reus ist nicht die einzige interessante Personalie, die im Winter hoch gehandelt wurde. Papiss Demba Cissé vom Sportclub Freiburg wechselt für zehn Millionen Euro auf die Insel zu Newcastle United. Damit dürfte das Schicksal der Breisgauer besiegelt sein. Cissé schoss den SC Freiburg vergangene Saison fast im Alleingang in die Nähe der Europapokalplätze und ist auch in dieser Saison mit neun von 21 Toren erfolgreichster Torjäger. Ihn adäquat zu ersetzen dürfte schwierig werden und bei einem Nichtgelingen wohl den Abstieg für das Tabellenschlusslicht bedeuten. (Bild: Borusse86 auf de.wikipedia) |