Startseite Anstoß Medienfundstücke Teil 12: Berichterstattung über den Alten Fritz, vom anderen Ufer
Medienfundstücke Teil 12: Berichterstattung über den Alten Fritz, vom anderen Ufer PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Nils Wegner   
Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 12:19 Uhr

Am 24. Januar jährte sich bekanntlich der Geburtstag Friedrichs des Großen zum 300. Mal. Daß Bundespräsident Wulff einen bezeichnenden sprachlichen Lapsus anläßlich dieses Jahrestags lieferte („In der Lesart Friedrich II. galt alle Liebe dem Vaterland und alles Streben der Ehre. [...] Heute fühlen und handeln wir anders.“), ist durchaus interessant. Eine journalistische Glanzleistung ganz anderer Art leisteten sich aber Welt und Süddeutsche Zeitung: In beiden erschienen gleichzeitig (!) ausgedehnte Artikel über die scheinbar endlich ausgeforschten homosexuellen Neigungen des Preußenkönigs.

Konzentration auf die sexuellen Neigungen des Preußenkönigs

Abgesehen von den ostentativen Verweisen auf die NS-Verherrlichung Friedrichs sticht das schon ins Auge. Insbesondere deshalb, weil sich nun „ausnahmsweise“ einmal Medien, die sonst mit sämtlichen Genderfetischismus-Wölfen mitheulen, so enorm auf jemandes sexuelle Orientierung konzentrieren. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wenn jemand unliebsam ist und am besten aus dem öffentlichen Diskurs herauseskamotiert werden soll, ist es also in Ordnung, sein Treiben im sprichwörtlichen „stillen Kämmerlein“ zum allgemeinen Thema zu machen. Insbesondere natürlich, wenn derjenige längst tot ist und sich nicht mehr zu wehren vermag.

Sehr heldenhaft, liebe „Qualitätsmedien“ – oder „Kanaillen“, wie Friedrich wohl abfällig geschnaubt hätte. Der wäre sich allerdings sicher zu gut gewesen, unnötig Energie an die Auseinandersetzung mit journalistischen Schmierfinken zu verschwenden. Mit Recht, übrigens!

 
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