Startseite Anstoß Michael Ballack: Die Tragik des „Capitanos“
Michael Ballack: Die Tragik des „Capitanos“ PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Jonas Ulbrich   
Freitag, den 03. Februar 2012 um 07:14 Uhr

Karriere – angeblich hat man Talent dafür, oder eben nicht. Nach den Worten von Meredith Grey wäre Michael Ballack eine steile Laufbahn bestimmt gewesen. Doch eine erfolgreiche Karriere ist eben nicht nur eine Frage des Talents, sondern Ergebnis unterschiedlicher Faktoren, deren Zusammenspiel größer ist, als die Summe seiner Teile.

Aber ohne ein gewisses Talent geht es nicht. Es bedarf auch eines Lehrmeisters, der dieses erkennt und fördert. Michael Ballack sollte seine Zeit in Kaiserslautern unter Otto Rehagel später als „Lehrjahre“ bezeichnen. Die Zeugnisse fielen beachtlich aus. Ein Meistertitel mit einem Aufsteiger, erste Auftritte in der Champions League und der Lockruf der überalterten Nationalmannschaft, welche ihn ihrerseits gemeinsam mit einem gewissen Marco Reich als Heilsbringer des Deutschen Fußballs pries.

Lehrjahre bei Otto Rehagel

Doch ein Lehrmeister kann nur aufzeigen, welche Türen einem offenstehen. Welche letztendlich gewählt wird, entscheidet der Schüler. So lernte er, dass die Karriere noch aus einem dritten Element besteht: den eigenen  Entscheidungen.

Während Marco Reichs Weg langsam in die Bedeutungslosigkeit zurückführte, zog es Ballack in die Talentschmiede namens Leverkusen. Ein Verein, bei dem wohl wie in keinem anderen, neben Mit- und Gegenspieler, noch ein weiterer Teilnehmer anwesend ist: Fortuna. Wohl wissend, dass die Fußballkarriere ein Spiel auf Zeit ist, frönt diese Diva stets ihren Launen und Gelüsten mit oft skurrilen und unverständlichen Ergebnissen.

Einer der wenigen guten DFB-Nationalspieler seiner Zeit

So bedachte sie Michael Ballack – mit Fluch und Segen – einer der wenigen guten deutschen Spieler seiner Zeit zu sein. Sie öffnete ihm Tore zu internationalen Titeln, um sie mit herausgestreckter Zunge kurz vor Eintritt wieder zu verschließen. Das WM-Finale 2002 wurde durch sein Siegtor erreicht und vielleicht durch sein anschließendes Fehlen wegen einer Gelbsperre verloren. Kurz zuvor hatte er in Leverkusen das „Vize-Triple“ erlangt.

In München verlief es nicht besser: Während Ballack mit den Bayern im eigenen Land Titel errang, stolperte er international in der Zweitklassigkeit herum. Fortuna schien entschlossen gegen ihn gerichtet, entschlossen, ihm die ganz großen Würfe zu verwehren. Doch der Mensch ist seit jeher davon besessen, dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen. In einem Labor namens FC Chelsea wurde  mit dem Geld von Professor Roman Abramowitsch das Ziel gefasst, die Göttin des Glücks endgültig zu bezwingen.

Warum der Versuch fehlschlug, ist schwer zu sagen. Im Champions-League-Finale 2008 war es vielleicht mangelndes Talent, die falsche Entscheidung des letzten Schützen beim Elfmeter oder die Rache Fortunas, aus der Verletzung heraus, durch den Menschen in Frage gestellt worden zu sein.

Kevin-Prince Boateng als persönliche Strafe

Als persönliche Strafe sandte sie Ballack am 17. Mai 2010 Kevin-Prince Boateng. Dessen Foul setzte Ballacks Hoffnung auf einen krönenden WM-Titel in Südafrika ein jähes Ende. Als der „Capitano“ die Mannschaft dort im Quartier besuchte, sprach er von dem Gefühl, „nicht mehr dazu zu gehören.“

Er ahnte, dass seine Tage und Länderspiele gezählt waren. Die Zeichen für einen würdigen Abgang nach seiner Rückkehr zu Bayer Leverkusen stehen unterdessen schlecht. Vielleicht entscheidet sich Ballack, ihn durch den Gang nach China oder Katar hinauszuzögern, wo sein Talent geschätzt und er vielleicht weniger ein Opfer von Fortunas Launen wird.

(Bild: Wikipedia)

 
ANZEIGE

Rundbrief







Aufgepasst!

Banner

Umfrage

Das größte Problem in Deutschland ist ...
 
Die dringlichste Aufgabe der deutschen Konservativen ist ...