Startseite Anstoß Kolumne über Alles und Nichts: Ballack – einer der letzten echten Kerle
Kolumne über Alles und Nichts: Ballack – einer der letzten echten Kerle PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Gregor Burchardt   
Freitag, den 03. Februar 2012 um 08:00 Uhr

Spannend wie nie beginnt die Rückrunde der Fußballbundesliga. Bayern, Dortmund, Schalke und Gladbach marschieren im Gleichschritt an der Tabellenspitze und es scheint sich ein interessanter Kampf um den Titel zu entwickeln. Doch die Medien interessiert vor allem eine Personalie: Michael Ballack. Einer der letzten echten Kerle steht am Ende seiner Karriere. Und sie scheint rumpelig zu Ende zu gehen.

Der Abstieg des Michael B.

15. Mai 2010. Wembley-Stadion. Es ist das Endspiel um den englischen Pokal. Der FC Chelsea, frisch gebackener englischer Meister, und der FC Portsmouth stehen sich gegenüber. Dieses Spiel sollte ein schicksalsreiches für Michael Ballack werden. Nach einigen giftigen Zweikämpfen wird er von seinem Gegenspieler Kevin-Prince Boateng böse gefoult. Sein schwer lädiertes Knie ist Tage lang das Thema Nummer eins in der deutschen Presselandschaft, denn schnell steht fest: Der „Capitano“ der deutschen Nationalmannschaft fährt nicht mit zur WM nach Südafrika.

Was nun folgte, waren logische Konsequenzen für einen Fußballer, der zu diesem Zeitpunkt immerhin fast 34 Jahre alt war. Bei der WM spielt eine jugendliche deutsche Mannschaft einen hervorragenden Fußball. Offenbar hat die Nationalelf ihren Anführer nicht mehr nötig. Das Kapitänsamt übernimmt vorübergehend Philipp Lahm. Die Kapitänsbinde ist nach der WM weiterhin Thema in den Medien. Die unglückliche Lösung, die Bundestrainer Joachim Löw findet, ist ein Schein-Kompromiss. Für alle Beteiligten ist klar: Lahm ist neuer Kapitän und mit Ballack wird nicht mehr geplant. Ein logischer Schluss zwar, aber wie schon andere Personalentscheidungen des Bundestrainers nicht von größeren Qualitäten in Sachen Menschenführung gekennzeichnet. Es folgten Querelen um ein mögliches Abschiedsspiel, bis Ballack schließlich nicht mehr für die Nationalmannschaft spielt, das Tischtuch zwischen ihm und Trainer Löw zerschnitten ist.

Zurück nach Leverkusen. Ein neuer Aufstieg?

Nach der WM 2010 holt Rudi Völler Ballack zurück nach Leverkusen. Da der FC Bayern traditionell nach großen Turnieren eben nicht Meister wird, wittert man dort eine Chance. Ballack soll dabei helfen. Zumal er hier ein Publikumsliebling ist, eine Identifikationsfigur, eine Marke. Ballacks doppeltes Pech: Erst verletzt er sich erneut und dann wird Bayer Leverkusen – mal wieder – Vize-Meister. Zurzeit sitzt er auch in Leverkusen mehr auf der Bank, als dass er spielt. Die Rolle als Identifikationsfigur allein wollte Ballack aber nicht spielen, daher der neueste Zoff um seine Person.

Wie eitle Sportler nun einmal sind: Bei Nichtberücksichtigung gibt es schon einmal Zoff mit dem Trainer. Nicht weiter tragisch, wenn dies in Leverkusen nicht zu einem Machtkampf geworden wäre. Ballack und die Fans, die ihn spielen sehen wollen auf der einen Seite, Völler, Holzhäuser und Trainer Dutt auf der anderen. Ballack wurde gebeten, seine Video-Botschaft an die Fans zu richten, den Verein bedingungslos zu unterstützen – er lehnte ab. Kurz darauf erklärte Holzhäuser das „Projekt Ballack“ für gescheitert. Man werde nun beidseitig professionell vertragliche Verpflichtungen einhalten. Was so viel heißt wie: „Ich bin stinksauer und total beleidigt!“

Das Ende einer großen aber unglücklichen Karriere

Ballack ging einen logischen Karriereweg. In Chemnitz das Kicken gelernt, ging es über Kaiserslautern, mit erstem Titel nach Leverkusen. Von dort holt ihn Branchenprimus Bayern München. Vier Jahre später folgt der Wechsel zum FC Chelsea. Mit Bayern und Chelsea gewann er mehrfach nationale Meisterschaften und Pokale. Der ganz große Coup, also einmal einen Europapokal oder eine WM zu gewinnen, blieb Ballack verwehrt. Sollte sich dies noch ändern, Leverkusen hat ja theoretisch die Möglichkeit (müsste aber erst Barcelona im Achtelfinale der Championsleague schlagen), wäre es eine Überraschung.

Kein glattrasiertes Nutella-Bübchen

Vor allen Dingen ist Ballack bis heute eines: Ein Kerl mit Ecken und Kanten. Einer, der seine Meinung sagt, auch wenn sie unbequem ist. Einer, für den auch eine Endspielniederlage eine Niederlage ist und daher kein Grund, mit den Fans zu feiern. Ballacks Karriere geht dem Ende entgegen und mit ihm scheint sich ein Spielertypus zu verabschieden. Eben dieser beinharte, eckige, im besten Sinne Drecksau-Typ, der auch schon mal jemandem auf die Füße tritt. Einer wie Basler, wie Sammer, wie Oliver Kahn oder Frank Rost.

Heute wimmelt es ja nur noch von glattrasierten Nutella-Bübchen. Wenn einer wie Philipp Lahm versucht, sich mit einem provokanten Buch oder aufgesetzter „mia-san-mia“-Arroganz ein solches Profil zuzulegen, wirkt er mehr als unbeholfen. Man sollte sich nicht kantiger machen, als der große Bruder sein kann. Also lieber Michael Ballack: Pfeif auf all diese Mücken! Zieh’ Dein Ding durch, geh’ dann zurück nach Kaiserslautern und baue dort etwas auf! In der Pfalz weiß man echte Kerle noch zu schätzen.

(Bild: SpreePiX /flickr.com)

 
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