Startseite Anstoß Kolumne über Alles und Nichts: Michael Preetz. Der Antichrist der Hertha
Kolumne über Alles und Nichts: Michael Preetz. Der Antichrist der Hertha PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Gregor Burchardt   
Freitag, den 17. Februar 2012 um 20:14 Uhr

Madrid hat Real, London mit Chelsea, Arsenal, Tottenham und West Ham gleich mehrere Topvereine. Rom hat Lazio und AS Roma, Paris hat den FC Saint Germain. Alle Hauptstädte der europäischen Topfußballnationen haben Topvereine. Deutschland hat Hertha BSC. Fragte man einen durchschnittlichen europäischen Fußballfan nach der Hauptstadt der Deutschen, er würde vermutlich „München“ antworten. Die Hertha interessiert bei uns keinen Menschen.

Der Fußball hat es schwer in der Weltstadt

Zugegeben: Berlin bietet ein enorm vielfältiges Angebot für Freizeitgestaltung. Wen es da ausgerechnet zum Fußball zieht, der geht vielleicht sogar noch eher zur eisernen Union als zur alten Dame. Meine fußballorientierten Reisen in die Hauptstadt haben mich mit vielen Berlinern ins Gespräch kommen lassen. Fußball interessiere dort niemanden so richtig. Die Hertha schon gar nicht. Gar nicht so selten gefallene Sätze wie „Dortmund spielt heute in Berlin? Na, hoffentlich gewinnen die!“ sind wohl Nachwehen des überraschenden Pokalerfolgs von 1989, bei dem die schwarz-gelbe Fanschar aus dem Ruhrgebiet die Stadt in ihre Farben tauchte.

Der Erfolg blieb stets aus. Letztendlich muss dem Fan aber auch etwas geboten werden. Die einzigen beiden Meisterschaften, die die Hertha erringen konnte, fanden noch vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten statt. In der Bundesliga konnte sich die Hertha nie dauerhaft im oberen Drittel festsetzen. Seit 1998 ist die „Alte Dame“ mit Unterbrechung der Saison 2010/11 erstklassig. Und in diesem Jahr bahnt sich ein erneuter Abstieg an. Zuletzt kosteten wettbewerbsübergreifend fünf Niederlagen in fünf Pflichtspielen Trainer Michael Skibbe den Job.

Kuriose Trainerwechsel und Chaos im Verein

Nach einer solchen Bilanz hätten sicher viele Trainer um ihren Job fürchten müssen. Dennoch scheint es bezeichnend, dass man dem Mann der sportlichen Entscheidungen nicht die nötige Zeit und Ruhe gibt, eine Mannschaft zu formen, die sportlich in der Bundesliga bestehen kann. Dies ist schließlich nicht der erste Trainerwechsel in jüngerer Vergangenheit, der, wie man so sagt, ein G’schmäckle hat.

Was genau Michael Preetz, den Manager der Hertha, genau veranlasst hat, Markus Babbel als Trainer zu entlassen, lässt sich bis heute nicht ganz aufklären. Babbel wollte seinen Vertrag nicht verlängern. Das wird vermutlich seinen Grund gehabt haben. Über den Zeitpunkt, diese Information gegeben zu haben, bezichtigen sich beide gegenseitig der Lüge. Auch die Entlassung von Lucien Favre im September 2009, eine der allerersten Amtshandlungen von Preetz, lief alles andere als geräuschlos ab. Pressekonferenzen und gegenseitige Vorwürfe stehen bis heute im Raum. Rein sportlich beweist Favre derzeit mit Borussia Mönchengladbach, wozu er in der Lage ist. Seit Preetz da ist, herrscht das Chaos bei Hertha BSC.

Wer tut sich diesen Verein an?

Wie schon gesagt: Sportlich ist die Entlassung von Michael Skibbe nachvollziehbar. Was aber kaum zu vermitteln ist, ist, wie man mit einem Trainer einen mehrjährigen Vertrag machen kann, um ihn so kurze Zeit später rauszuwerfen. Dies zeugt von absoluter Planlosigkeit. Preetz und der Hertha fehlen jegliches Konzept und jede Idee für den Aufbau einer schlagkräftigen Bundesligamannschaft. Nach den jüngsten Querelen wird es gewiss nicht einfach, einen fähigen, unverbrauchten Trainer zu finden – in Berlin kann man offenbar nur verlieren. Wenigstens solange Preetz noch da ist.

Welche Namen im Raum stehen? Peter Neururer ist quasi immer in der Verlosung. Klaus Toppmöller und Ewald Lienen dürften auch noch auffindbar sein. Vielleicht sucht aber auch Jürgen Klinsmann eine neue Herausforderung? Für einen kreativen Werbegag ließe sich, wenigstens bis zum Ende der Saison, sicherlich noch ein anderer aus dem Hut zaubern. Der dann endlich einmal beweisen könnte, dass er das Zeug zum Bundesligatrainer hat: Lothar Matthäus! Dem ramponierten Ruf von Hertha BSC könnte zurzeit nicht mal er schaden. Übergangsweise soll es René Tretschok richten. Dieser spielte, neben der Hertha, in den 90er Jahren vor allem für den Verein, der nun am Samstag zu Gast ist in der Hauptstadt: Der deutsche Meister Borussia Dortmund.

 
ANZEIGE

Rundbrief







Aufgepasst!

Banner

Umfrage

Das größte Problem in Deutschland ist ...
 
Die dringlichste Aufgabe der deutschen Konservativen ist ...