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Raab Will Plasberg

Montag, 12 November 2012 18:44 von Dirk Taphorn
Absolute Mehrheit Absolute Mehrheit

Stefan Raab macht mit „Absolute Mehrheit“ seit Sonntagabend auch eine Polit-​Talkshow. Damit steigert er seine TV-​Präsenz endgültig auf Günther-​Jauch-​Niveau.

Nach Formaten wie TV-​Total, „Schlag den Raab“, Wok-​WM und anderen Sport– und Musikveranstaltungen bekommt Pro7 jetzt auch seine eigene Polit-​Talkshow. Unterstützung erhält das Kölner Multitalent vom ProSiebenSat.1-Politikexperten Peter Limbourg, der allerdings nur im Hintergrund als Mann für die graphische Ergebnisdarstellung dient.

Es geht ums Geld

Der Fernsehzuschauer kann sich natürlich fragen, ob es mit den Sendungen von Jauch, Will, Plasberg, Maischberger, Illner und anderen bei den öffentlich-​rechtlichen Fernsehanstalten nicht schon genug Quasselrunden gibt. Im Prinzip schon, wäre Raabs Talkshow nicht anders: Es geht – wie so oft bei den Privatsendern – um Geld. „Meinung muss sich wieder lohnen“, lautet der Untertitel der Sendung.

Denn die fünf Gäste des Entertainers streiten um 100.000 Euro. Während der drei Themenrunden können die Zuschauer per SMS oder Telefon für ihren Favoriten abstimmen. Nach jeder Talkrunde scheidet ein Kandidat von der Abstimmung aus, darf aber noch weiter mitdiskutieren. Schafft es nach der dritten Runde einer der drei verbliebenen Kandidaten insgesamt über 50 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich zu vereinen, also die absolute Mehrheit, gewinnt er das Geld. Schafft es keiner, wandert der Preis – wie bei „Schlag den Raab“ – in den Jackpot und wird beim nächsten Mal mit ausgespielt.

Kubicki holt 41 Prozent für die FDP

Zur Premiere versammelten sich Michael Fuchs (CDU), SPD-​Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann, der Liberale Wolfgang Kubicki, Jan von Aken (Linkspartei) und die Unternehmerin Verena Delius auf dem Sofa. In Raabs Sendung darf ein Otto-​Normal-​Bürger gleichwertig an der Diskussion teilnehmen. CDU-​Mann Fuchs mußte bereits nach der ersten Runde zum Thema Reichensteuer die Segel streichen, während Nordlicht Kubicki deutlich in Führung ging. Nach der zweiten Runde zur Energiewende schied die sympathische Unternehmerin Delius knapp aus. Nach der dritten Runde (Thema: Soziale Netzwerke im Internet) erreichte Kubicki FDP-​untypische 41 Prozent der Stimmen. Das reichte zwar nicht für die Absolute-100.000-Euro-Mehrheit – ein Küsschen von Frau Delius bekam der Charmeur dennoch.

Inhaltlich unterscheidet sich die von Stefan Raab moderierte Sendung nicht von den anderen: Wirkliche Neuigkeiten gab es keine, alles wurde irgendwo irgendwie schon mal gesagt, viel Politiker-​Blabla halt. Noch etwas ungewohnt sind die Werbepausen, teilweise inmitten einer hitzigen Diskussion. Letztlich machte Raab selbst den Unterschied – seine Witzchen lockerten die Runde auf und brachten den einen oder anderen Anzugträger durchaus in Bredouille. Für einen Witz über FDP-​Chef Philipp Rösler („Wenn Rösler das beim Abendessen sieht – hoffentlich fallen ihm nicht die Stäbchen aus der Hand.“) musste er bereits nach der ersten Sendung medial Schelte beziehen.

Für junge Leute sind solche frechen Sprüche auf jeden Fall unterhaltsamer als die oftmals staubtrockenen Gespräche bei den Öffentlich-​Rechtlichen: In der Gruppe der 14– bis 29-​Jährigen erreichte die Sendung einen Zuschaueranteil von 25 Prozent. Mit knapp einer halben Million Zuschauer also mehr als die Talkshow-​Konkurrenz zusammen (0,45 Millionen).

Und das Format kombiniert bereits bestens Bewährtes: Politik und Geld. Es geht ums Gewinnen. Allerdings dreht sich das Fernsehen auch um Unterhaltung. Und das kann Raab. Oder wie es ihm Assistent Limbourg am Ende sagte: „Sie können auch Politik.“

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