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Der Schmusesänger und die Gewalt

Montag, 19 November 2012 09:25 von Justus Baron
Xavier Naidoo (Smalltown Boy/Wikipedia/cc) Xavier Naidoo (Smalltown Boy/​Wikipedia/​cc)

Die deutsche Musikszene hat einen neuen Skandal: Im Mittelpunkt stehen die Gewaltphantasien des vielfach ausgezeichneten Schmusesängers und allseits engagierten Saubermanns Xavier Naidoo.

Stein des Anstoßes ist ein versteckter Track auf dem aktuellen Album „Gespaltene Persönlichkeit“, das erst einige Zeit nach dem offiziell letzten Lied zu hören ist. In diesem wettert der Mannheimer mit Wurzeln in Sri Lanka und Südafrika gemeinsam mit Musikerkollege Kool Savas – das Duo nennt sich „Xavas“ – mit harten Tönen gegen satanische Sekten, in denen Missbrauch und Folter an der Tagesordnung seien. Soweit nachvollziehbar, lösen derartige Verbrechen doch häufig Diskussionen über eine angemessene Bestrafung solcher Täter aus.

Auge um Auge, Zahn um Zahn

Schockierend erscheint allerdings Naidoos altertümliches Weltbild, frei nach dem Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, das er bis zum Äußersten treibt. So heißt es im besagten Lied: „Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab und dann fick euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht.“

Naidoo fühlt sich missverstanden; es gehe ihm lediglich um die Thematisierung dieser Problematik: „Da geht es um furchtbare Ritualmorde an Kindern, die tatsächlich ganz viel in Europa passieren, über die aber nie jemand spricht, nie jemand berichtet“, so der Sänger. Ob Zeilen wie „Ich bin nur traurig und nicht wütend, trotzdem will ich euch töten“ solch eine gutmütige Interpretation zulassen, ist diskussionswürdig. Die „Linksjugend Solid“, Jugendorganisation der Linkspartei, hat konsequenterweise Strafanzeige wegen Volksverhetzung erstattet.

Laut Solid sei eine Gleichsetzung von „satanistische[n] Rituale[n] mit Kindesmissbrauch mit Pädophilie mit Homosexualität“ inakzeptabel. Die Begründung der Anzeige ist bizarr, denn, wie vielfach dokumentiert, finden sich bei verschiedenen satanistischen Sekten durchaus genannte Elemente wieder. Dennoch ist die Schlussfolgerung treffend, wonach sich Naidoo als „Kämpfer für das Gute mit Heiligenschein“ inszeniere.

Nazis hängen

Dass Naidoo drastische Gewalt gegen ihm unliebsame Gruppen für legitim und richtig hält, zeigte er bereits im Jahr 2001, als er als Reaktion auf den tragischen Tod des Afrikaners Alberto Adriano das Lied „Adriano (Letzte Warnung)“ herausbrachte. Da er hier jedoch „gegen rechts“ ansang, blieb ein Aufschrei aus. Gezielt wurde zu Gewalt und sogar Mord an „Nazis“ aufgerufen: „Denn was ihr sucht ist das Ende und was wir euch reichen sind geballte Fäuste und keine Hände. Euer Niedergang für immer. Und was wir hören werden, ist euer Weinen und euer Gewimmer“, drohte Naidoo mit seinen „Brothers Keepers“ in das Mikrophon.

Vergleicht man die Rezeption des Gewalttodes von Adriano im Jahr 2000 durch betrunkene Skinheads mit den aktuellen U-​Bahn-​Morden an Deutschen durch schwerkriminelle Ausländer, so ist quantitativ ein deutliches Ungleichgewicht zu beobachten. Während man heute über die Härte der Haftstrafen oder Gewaltprävention debattiert, forderte Naidoo seinerzeit kühn, man solle „Nazis wie Poster hängen“.

Staatsanwaltschaft sieht von Verfahren ab

Naidoos Hassparolen schafften es damals sogar unter die Top 5 in den deutschen Charts, obgleich er auch damals schon seine „verquere Weltsicht“ offenbarte und „zu Gewalt und Selbstjustiz“ anstachelte, wie Solid erst jetzt feststellt, wo es um „allgemeine Homophobie in der Mitte der Gesellschaft“ ginge. Die Staatsanwaltschaft Mannheim sah von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens letztlich ab. Das Saubermann-​Image vom Jurymitglied der Castingshow „The Voice of Germany“ und Preisträger sämtlicher Musikpreise hat dennoch unschöne Kratzer bekommen.

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