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Die braven Kinder der EU

Donnerstag, 22 November 2012 13:06 von Nando-​Dragan Augener

Geld aus Brüssel soll fließen! Ein BN-​Autor macht die Erfahrung: Von der EU geförderte Jugend-​Projekte sind wenig tolerant und schon gar nicht für alle.

Ich selbst habe einige Monate an „HAUPTsache“ mitgewirkt, einem Onlinemagazin, das von „Jugend in Aktion“, dem Jugend-​Förderprogramm der Europäischen Union, gefördert wird. Naiverweise habe ich geglaubt, dass unterschiedliche Meinungen in einem Projekt mit den Paradigmen Antidiskriminierung und Toleranz möglich seien. Selbst Konservative fänden ihren Platz, dachte ich.

Keine Toleranz für Konservative

Ich schrieb einen Artikel. Thema: Ein Impuls zur Orientierungslosigkeit. Wohin treibt die Jugend im 21.Jahrhundert? Darin prognostizierte ich, dass wenn die Frage nach der gestörten Identität der deutschen Jugend und ausschließliche Geschichtsbezüge auf die leidige Nazizeit nicht geklärt würden, die Jugend keine Orientierung und Halt fände. Weiter: Die Darstellung eines Mangels an Disziplin. Ein Mangel der Bereitschaft von Eltern, sich um Ihre Kinder zu sorgen.

Am Ende meines Artikels hieß es: „Hauptsache es finden sich genügend diskursive Reibungspunkte. Nur so entsteht Feuer. Feuer, welches in Form von Gedanken und Worten weitergereicht werden kann.“ Nach einigem Hin und Her und meinem Vorschlag, im Sinne eines Pro– und Kontra-​Austausches eine Gegenüberstellung zu publizieren, wurde der Text in Gänze abgelehnt. Eine solche Auffassung konnte das Projekt nicht tolerieren.

Lieber ungestört bleiben

Mir wurde nach und nach klar: Die sympathischen Berliner Initiatoren aus dem liberalen Bürgertum wollen sich nicht stören lassen in ihrer durch Mate-​Limo und Bionade geschwängerten Kreuzberger Parallelwelt. Junge Karrieristen, in die Metropole Berlin gezogen, einige von ihnen bei Jusos und Grüner Jugend engagiert, wähnen sich widerborstig, ohne die eigene Stromlinienförmigkeit überhaupt zu bemerken.

Ich bekam nach einigen Tagen eine Nachricht vom Leiter des Projektes. Es seien „Inhalte von Dir im Netz, ein Gesamtbild, mit dem wir nicht in Verbindung gebracht werden wollen, weil es eben so überhaupt keiner Position von uns entspricht.“

Was hatte ich getan, dass sie nicht mit mir – neben meinem Artikel – in Verbindung gebracht werden wollten? Ich bezog konservative Positionen auch in anderen Onlinemedien, wie der Blauen Narzisse. Das war mein Verbrechen. Dabei behaupten die Macher des Magazins, kritisch und unabhängig denken, nicht mit dem Strom schwimmen zu wollen. Nur hohle Phrasen?

Brüssels kostspielige Jugendoffensive

Wozu so ein Projekt wie „HAUPTsache“? Es stellt sich die Frage, warum Brüssel Projekte unter dem Slogan „Jugend in Aktion“ mit 886 Millionen Euro zu fördern bereit ist. Die Frage kann sich eigentlich jeder selbst beantworten. Durch Anbiederung an die jungen Menschen Europas wollen die Initiatoren ein scheinbar positives EU-​Bild vermitteln und gleichzeitig die Jugend an sich binden. Frei nach dem Motto „Teile und Herrsche“ sollen dagegen unliebsame Gedanken und Formulierungen verhindert werden. Dieser Devise kommen auch die Projekte nach: Jemand, der sich positiv auf eine Nation beruft, wird verbannt. Das Geld aus Brüssel soll weiter fließen!

Bei „Jugend in Aktion“ heißt es, man sei offen für Jugendliche und junge Erwachsene, die sich für gelebte Toleranz und Solidarität einsetzen wollen. Es werden beispielsweise Projekte gefördert wie das Kinderbuch „Unsa Haus“ vom NoNo-​Verlag. Ein alternatives Kinderbuch gegen Diskriminierung und Vorurteile. Im Programmhandbuch steht, man wolle „junge Menschen unabhängig von ihrem bildungsbezogenen, sozialen und kulturellen Hintergrund“ ansprechen. „Jugend in Aktion“ sei „ein Programm für Alle!“

Das Individuum gegen die Obrigkeit

Konservative Positionen und Projekte würden es bei der supranationalen Organisation namens Europäische Union schwer haben. Darum geht es aber auch nicht. Ideen der Freiheitlichkeit waren immer schon gegen die Obrigkeit formuliert worden. Unsere Zeit verlangt zuweilen viel ab: Das aufrechte Individuum gegen das Kollektiv.

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