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Ring frei: Wahlkampf!

Dienstag, 11 Dezember 2012 21:58 von Dirk Taphorn
(SPD in Niedersachen/flickr.com/cc) (SPD in Niedersachen/flickr.com/cc)

In Hannover wurden in den vergangenen Tagen wie erwartet Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) zu den Kanzlerkandidaten ihrer Parteien gewählt.

Hannover ist in diesen Tagen so wichtig und präsent wie selten. Aber nicht ausschließlich wegen der Landtagswahl am 20. Januar 2013. Die interessiert momentan noch nicht einmal die Menschen in Niedersachsen. Doch um bereits ein erstes Signal für die Wahl an Weser und Ems zu setzen, trafen sich die beiden vermeintlichen Volksparteien in der einstigen Welfen– und Wulff-​Stadt an der Leine, um ihren König – ähm, Kanzlerkandidaten – zu krönen.

Merkel und Steinbrück im Bundestagswahlkampfring

In der rechten Ecke des Rings steht wie erwartet CDU-​Chefin Angela „Alternativlos“ Merkel. Sie ist als Bundeskanzlerin Titelverteidiger und nimmt ihren Platz freilich in der Mitte ein, nicht in irgendeiner dunklen Ecke. Während des gesamten Wahlkampfes wird ihr bewährtes Erkennungszeichen der Hosenanzug sein. Angestrahlt in grellem Orange soll jeder wissen, daß sie die Nummer eins ist. Nicht nur in der CDU. Nicht nur in Deutschland. Auch in Europa muß man sich mit Merkel messen, wenn man zu den ganz Großen gehören will.

Die erste Hürde hat Alternativlos-​Angie spielend genommen: 98 Prozent der Delegierten auf dem CDU-​Parteitag stimmten für sie. Schließlich gibt es zu ihr keine Alternative. Alle parteiinternen Herausforderer der letzten Jahre haben das Handtuch geworfen. Und in der Vorstands-​Crew sitzen viele, die sich in ihren letzten Gefechten blaue Augen zugezogen haben.

98 gegen 93 Prozent Kampfgewicht

In der linken Ringecke lauert Vortrags-​Redner und Aus-​der-​Reihe-​Tanzbär Peer „Wackerstein“ Steinbrück auf seine Chance. Allerdings ist auch er, wie Merkel, mit der Ringecken-​Zuteilung nicht zufrieden. Doch mit seinen Kampf-​Genossen darf er es sich zu diesem Zeitpunkt nicht verscherzen, sonst bekommt er nie seinen angestrebten Platz in der Mitte. Also nimmt er brav in der linken Ecke Platz.

Während des Wahlkampfes wird man ihn wohl nie ohne rote Krawatte sehen und – so hoffen es die Zuschauer – mit hochrotem Kopf. Vermeiden möchten seine Anhänger, daß er sich und der Partei wieder eine rot-​blutende Nase holt, wie sein Vorgänger Frank-​Walter Steinmeier alias „Knochen-​Trocken“. Hätte man doch Schwergewicht „Siggi-​Pop-​Titan“ Sigmar Gabriel in den Ring schicken sollen? Trotz anfänglichem Dreikampf und Skepsis an der Parteibasis konnte Steinbrück bei den Delegierten überzeugende 93 Prozent der Stimmen erringen.

Der Schlagabtausch kann beginnen!

Bei den Buchmachern und Ring-​Reportern ist die Titelträgerin klarer Favorit. Aber wie wird das Publikum entscheiden? Beide Kandidaten werden von einem Teil verehrt, von einem anderen gehaßt. Merkels Stärke ist, daß man sie nicht greifen kann. Das ist aber zugleich auch einer ihrer Schwachpunkte. Steinbrücks Ecken und Kanten können ebenfalls als Vor– und Nachteil ausgelegt werden.

Kommt es zu einem Schlagabtausch um die soziale Gerechtigkeit, hat Steinbrück zwar eine rote Parteikrawatte, aber ein recht offene Verteidigung. Den Schwarzen Peter konnte die Merkel-​CDU weiterreichen, so daß sich bei diesem Komplex keiner der beiden als Favorit klar hervorhebt. Gleiches gilt für die Wirtschaftskompetenz. Hier sollte man nicht den harten rechten Wirtschafts-​Haken von „Wackerstein“ Steinbrück unterschätzen, den Merkel jedoch mit einer abrupten Energiewende zu kontern versuchen könnte.

Grüne Kröten und gelbe Zwerge

Wer von den beiden Haudegen den Kampf um das Kanzleramt gewinnen wird, hängt auch von der Stärke der grünen Gift-​Kröten und der Größe der kleinen gelben Zwerge ab. Während die FDP nach der Bundestagswahl 2009 mit 14,6 Prozent der Stimmen und 93 Sitzen im Reichstagsgebäude wie ein gelber Riese auftrumpfte, sind die Liberalen derzeit nur noch ein gelber Zwerg, der kaum über die Fünf-​Prozent-​Mauer schauen kann. Somit geht es für die FDP und deren Vorsitzenden Philipp Rösler bei den anstehenden Wahlen ums nackte Überleben. Schließlich will die einst so stolze Truppe nicht in das politische Reich der sonstigen Zwerge abrutschen – dorthin, wo selten mediales Scheinwerferlicht einen Schatten erzeugt.

Krötenwanderung – in die eigene Biotasche

Aus dem politischen Sumpf haben es mittlerweile andere Kreaturen bis auf die politische Autobahn-​Überholspur geschafft: die giftgrünen Kröten – Meister der Verwandlung. Wer sie küßt, sollte keinen Traumprinzen oder Traumprinzessin erwarten, sondern maximal Cem Özdemir und Renate Künast. Anfangs hatten die Grünen ja etwas von Kermit dem Frosch: großes Plapper-​Mundwerk, zappelig, aber trotzdem sympathisch, mit ihren selbstgestrickten Schals. Mittlerweile denkt man bei der Grünen-​Muppet-​Show eher an Miss Piggy.

Denn Wahlerfolge, Bürgermeisterposten und Windrad– sowie Solarförderung sind vielen zu Kopf gestiegen. Nun offenbart sich der giftig-​besserwisserische Charakter der kommunistischen Kaulquappen. Nur fällt das vielen spießbürgerlichen Naturfreunden nicht auf. Schließlich wirken Jürgen Trittin und Katrin Göring-​Eckardt doch so bieder und bürgerlich. Der Ex-​Maoist Trittin geht jetzt sogar zu den Bilderberger-​Treffen. Das materielle Sein bestimmt wohl doch das Bewusstsein. Und einer guten Kirchenfrau wie Göring-​Eckardt vergibt man natürlich auch die FDJ-​Jugendsünde. Zumindest schaffen sie es, daß der Wähler für sie bremst und nicht einfach drüberfährt. Sind doch zu niedlich, diese grünen Naturfreunde! Und wenn man nicht allzu sehr hinschaut, sind Kröten ja auch gar nicht so häßlich.

Wer soll das Koalitions-​Herzblatt sein?

Während Merkel auf den gelben Riesen-​Zwerg baut, hat Steinbrück eine Vorliebe für (grüne) Kröten (die nicht zwangsläufig aus Bochum kommen). Aber wir wissen ja: Die Situation vor der Wahl ist eine andere, als nach der Wahl. Vielleicht muß Merkel doch mit Trittin und Seehofer mit Göring-​Eckardt ins Koalitionsbett. Oder „Alternativlos-​Angie“ versenkt gemeinsam mit „Siggi-​Pop-​Titan“ und „Knochen-​Trocken“ den „Wackerstein“ mitsamt Griechenland im Meer.

Freuen wir uns auf die nächsten Märchenstunden!

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