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Nordkorea – eine Verteidigung

Donnerstag, 11 April 2013 09:04 von Alexander Schleyer
Kleines graues Land: Nordkorea Kleines graues Land: Nordkorea

Nordkorea, einer der letzten Staaten, der sich seine volle Souveränität auf fragwürdigem, aber respektablen Weg immer erstritten hat, steht erneut im internationalen Kreuzfeuer. Eine kontroverse Replik.

Chuch’e, die Staatsräson des kleinen asiatischen Landes, basiert auf den Schriften und staatsphilosophischen Gedanken des Gründers Kim Il-​sung und adaptiert das private Lebenskonzept auf das staatlich-​politische Ganze. Die sich als Weiterentwicklung der Kommunismen verstehende Ideologie sieht die Interessen des eigenen Staates denen der kommunistischen Internationalen als vorrangig. Chuch’e bedeutet übersetzt „Eigenständigkeit“. Sie fordert politische Souveränität, wirtschaftliche Autarkie und militärische Eigenständigkeit.

Gerechtigkeit statt hedonistischem Dauerwachstum

Der Staat ist also bündnisfrei und selbstbestimmt, wirtschaftlich unabhängig von globalen Konzernen und militärisch antiimperialistisch und nur der Selbstverteidigung verpflichtet. So verblüfft es nicht, daß insbesondere der Weltenbrandstifter USA und die ihm im Kadavergehorsam folgenden NATO-​Staaten die neue Gefahr propagieren. Auch BN–Autor Robin Classen warnt vor der Gefahr des atomaren Weltkrieges und kritisiert dabei die mangelnde internationale Kooperation aus Pjöngjang.

Die nordkoreanische Planwirtschaft boomt natürlich nicht. Einerseits ist die landwirtschaftlich urbare Fläche schlichtweg zu klein, um das ganze Volk zu ernähren, sodaß Nordkorea vor allem aus China, mit dem es täglichen Flug-​, Bahn– und Schiffsverkehr unterhält, vorwiegend Nahrungsmittel importiert.

Andererseits kann sie auch nicht boomen, da sie nicht wie die westlichen Staaten auf dauerhaftem und linear steigendem Wachstum, sondern auf Notwendigkeit und Gleichheit aufgebaut ist. Einem nordkoreanischen Fabrikdirektor erscheint die Vorstellung geradezu pervers, warum er mehr verdienen sollte als seine Arbeiter. Er begreift sich und seine Aufgabe als Teil des gesamten Kollektivs. Damit widerspricht er dem individualistischen Machtstreben und erkennt das Individuum als Teil des großen Ganzen an.

Der Allmachtanspruch des Westens beißt auf Granit

Die Mär vom verblendet-​verblödeten Nordkoreaner im Angesicht des beinharten Beton-​Kommunismus hält sich gern, negiert aber die fernöstliche Prägung des Landes und seiner Bildungsphilosophie. Diese ist zweifelsohne staatsorientiert, aber nicht komplett weltfremd. Ein jüngst im Internet kursierendes Propagandavideo analysiert beispielsweise messerscharf die Medienrituale und subversiven Unterdrückungs– und Abhängigkeitsmechanismen der westlichen Welt.

Nordkorea ist weniger eine wirkliche Gefahr, sondern einfach nur den USA und ihrem Allmachtanspruch ein Dorn im Auge. Welches andere Land der Erde unterhält denn kreuz und quer über die Erde verteilt seine Militärstützpunkte? (Frankreich wäre da die einzige Ausnahme: in ehemaligen Kolonien führt die Grande Nation noch Ausbildungsplätze der Fremdenlegion.) Was, wenn nicht ein respektloser Ausdruck von Mißachtung und Selbsterhöhung, ist die Stationierung von GI‘s weltweit auf fremdem Boden? Hält man sich etwa die Möglichkeit offen, an jedem Ort militärisch zuschlagen zu können?

Europa ist seit Jahrzehnten ein feiger Schoßhund der USA, der in nahezu jeden Krieg, jede imperialistische Lüge und jedes aus Washington gestreute Strohfeuer mit schier blindem Wolfsgeheul einstimmt – weil es selbst moralisch, politisch und wirtschaftlich in die Abhängigkeit getrieben wurde.

Getroffene Hunde beißen

Nordkorea ist ein Staat, der aus der Zeit gefallen ist. Zweifelsohne! Man muß nicht alles gutheißen und nicht alles begründen, vor allem, weil man viel zu wenig weiß. Die Chuch’e-Räson sowie die demonstrative Ablehnung gegenüber dem wirtschafts– und damit kulturimperialistischen Westen ist hingegen vorbildlich, wenn man das eigene Profil nicht verlieren möchte.

Genau das bringt die Globalisten mit ihrem allumfassenden Machtanspruch dermaßen auf die Palme, daß sie den winzigen Staat zur Ausgeburt der Hölle erklären. Es sind getroffene Hunde, die bellen und jaulen, obwohl sie nur den falschen Köter angeknurrt haben. Sie sind beleidigt, weil er nicht mit ihnen das gleiche Spiel spielen will und sie nicht wissen, ob er nun ein Pitbull oder ein Dackel ist.

Wenn überhaupt, dann geht dieser heraufbeschworene Krieg nicht von diesem kleinen, grauen Land aus, von dem wir kaum etwas wissen, sondern von denen, die sauer sind, weil dieses kleine graue Land nicht so will, wie sie wollen. Und darauf kann es stolz sein, das kleine graue Land.

(Bild: Monument zur Gründung der Partei der Arbeit Koreas /​Nicor /​Wikipedia​.de /​cc)

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