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Die Moskau-​Connection

Mittwoch, 05 Februar 2014 09:50 von Robin Classen
Alexander Dugin (BN) Alexander Dugin (BN)

Wo sollten sich Deutschland und Europa nach Bündnispartnern umschauen? Der Blick der deutschen Rechten Richtung Moskau sei von Unkenntnis geprägt und gefährlich, meint Robin Classen.

Ein kleines rechtsextremes Schundblatt verursachte 2009 einen viel beachteten Wirbel. In der damaligen Januarausgabe des Magazins Volk in Bewegung & Der Reichsbote stellte einer der Autoren die „Israel-​Connection“ vor: In einer Europa umspannenden Analyse der vorhandenen Rechtsparteien, deren ideologischer Positionierung und Wandlung und anhand von geopolitischen Überlegungen überzeugte er zumindest den Gesinnungsgenossen vom Konzept einer „jüdischen Unterwanderung“ der Rechtsparteien. Zionisten würden Geld und Schutz vor der Zensur der Political Correctness anbieten und im Gegenzug einen Verzicht auf antisemitische und antiisraelische Positionen erwarten.

Die Israel-​Connection innerhalb der Rechten

So abstrus der Gedanke einer jüdischen Verschwörung vom armen osteuropäischen Bauernjude bis hin zum Banker an der Wallstreet auch ist, zumindest in einem Punkt hatte das Blatt Recht: Nach dem 11. September 2001 und den Anschlägen in London und Madrid fand ein tiefgreifender Wandel innerhalb der europäischen Rechten weg von der Vergangenheit und hin zu neuen Themen statt, der insbesondere Parteien einen zum Teil erstaunlichen Aufstieg ermöglichte.

Die Resonanz der europäischen wie israelischen Juden ist aber auf Grund der geschichtlichen Erfahrungen mit revolutionär-​rechter Politik weiterhin verhalten, auch wenn wesentliche Akteure sich von Altfaschisten getrennt haben, deren hanebüchene, vor wahnhaftem Judenhass triefende Erklärungsmuster für die islamischen Terroranschläge in Europa glücklicherweise ohne großen Widerhall blieben.

Während die relevanten europäischen Rechtsparteien mit einigen osteuropäischen Ausnahmen ihren Weg nun gefunden zu haben scheinen, findet seit wenigen Jahren wieder eine merkbare Veränderung innerhalb der europäischen Rechten statt: Mit der Wahl des für Rechte wenig attraktiven Demokraten Barack Obamas zum US-​Präsidenten, der verfehlten Syrien-​Politik, der NSA-​Affäre und der maßlosen Arroganz der US-​Vertreter in diesem Zusammenhang sind die Sympathien gegenüber den Vereinigten Staaten im Rückzug begriffen.

Das geschwächte transatlantische Bündnis

Dieser Effekt wird durch die übereilten Abzüge aus Afghanistan und Irak und die vollkommen fehlgeschlagene US-​Strategie dort noch zusätzlich verstärkt. Europa und Deutschland haben Amerikas Lügen satt und sind noch kriegsmüder als jemals zuvor. Nicht einmal mehr die sonst US-​Interessen so ergebene schwarz-​gelbe Bundesregierung hatte noch ein Interesse daran, sich an Abenteuern in Libyen und anderswo zu beteiligen. Auch die Euro-​Krise und die mit ihr verbundenen Spannungen zwischen den großen westlichen, europäischen Staaten haben ein Stück weit zu einer Entfremdung beigetragen.

Seit der Finanzkrise wächst zudem das Misstrauen gegen demokratische Politiker, gegen die Globalisierung, gegen marktwirtschaftliche Systeme und undurchsichtige Lobbys (z.B. Bilderberger). Aus diesen – durchaus nicht unberechtigten Empfindungen – und einer damit verbundenen Skepsis gegenüber zuvor nicht hinterfragten Instanzen erwächst nun wieder eine grundsätzliche Offenheit für politische Theorien der Vergangenheit.

Der Irre von Teheran

Während das Verhältnis der westlichen Demokratien zu wesentlichen Bestandteilen ihrer Weltanschauungen – darunter Marktwirtschaft und individuelle Freiheit – unter anderem durch selbstverschuldete Perversionen im System aus den Fugen gerät und auch zwischenstaatlich leidet, finden in anderen Regionen der Welt tiefgreifende Veränderungen statt, die in Europa auf positive Resonanz stoßen.

Die von völliger Unkenntnis bundesrepublikanischer Verhältnisse zeugenden Anbandelungsversuche des inzwischen entsorgten Irren von Teherans mit der deutschen Nation entwickelten sich zu Kassenschlagern und der Iran erscheint – zumal unter der neuen, nach außen geschickteren Führung – plötzlich als Stimme der Vernunft im syrischen Stellvertreterkrieg. Selbst unter islamkritischen Rechten wurde die Iran-​Sympathie salonfähig: Es handele sich ja um „harmlose“ Schiiten, die den sunnitischen Kräften um Katar und Saudi Arabien Paroli bieten würden und daher zu den Guten zu zählen seien.

Einer der federführenden Iran-​Lobbyisten mit Wirkung bis weit in Kreise der demokratischen Rechten hinein ist das ZUERST!-Magazin, das immer wieder Exklusivinterviews mit iranischen Politikern führt und stets wohlwollend berichtet. Insbesondere der Chefredakteur steht für eine innige Nähe zur islamischen Revolution in den 70er-​Jahren, die das fortschrittliche, moderne und säkulare System des Schahs von Persien durch das theokratische Regime des Kinder– und Tierschänders Ayatollah Khomeini austauschte.

Der Blick nach Rußland aus zunächst nebensächlichen Gründen

Auch das Compact–Magazin ist in diese Schiene einzuordnen: Der durch notorische Verschwörungstheorien auffallende Linkspopulist Jürgen Elsässer hat mit seiner speziellen politischen Mischung mittlerweile auch innerhalb der deutschen Rechten einen wachsenden Einfluss. Mit den schiitisch-​islamistischen und vom Verfassungsschutz beobachteten Betreibern des Portals Muslim-​Markt veranstaltete er sogar eine Iran-​Reise, deren Höhepunkt ein Treffen mit demjenigen darstellte, der bei seinen Banketten immer einen Platz für den nach schiitischer Lesart verschollenen zwölften Imam freilässt, der nach der Verwüstung der Erde – womöglich durch iranische Atomwaffen – das weltweite Kalifat ausrufen soll: Mahmud Ahmadinedschad.

Ein immer engerer Verbündeter von Mahmud Ahmadinedschad war derweil Wladimir Putin und sein neu erstarktes, aber immer noch in weiten Teilen von ethnokulturellen und wirtschaftlichen Konflikten erschüttertes, mafiös strukturiertes Russland. In Zeiten, in denen westeuropäische Politiker die Familie völlig aus dem Fokus verlieren und das Randphänomen Homosexualität plötzlich Topthema in den Medien ist, stößt Putins Kurs, homosexuelle Propaganda zu verbieten und gleichzeitig Individualrechte von Homosexuellen in ihrem privaten Lebensumfeld zu wahren, auch im Westen auf immer mehr Zustimmung.

Russland als bessere Alternative für Antiglobalisten

Gefälschte wie echte Zitate aus Putin-​Reden, die das Staatsoberhaupt als christlich-​nationalen Gegenpol zum verkommenen Westen inszenieren, verbreiten sich im Internet wie Lauffeuer. Russland erscheint vielen immer mehr als eine bessere Alternative zu den finanziell, moralisch und gesellschaftlich auf dem Abstieg befindlichen USA. Während die gemäßigteren Putin-​Freunde noch von einer multipolaren Welt sprechen, in der lediglich die Hegemonialstellung der USA verschwindet, haben es die radikaleren Vertreter auf eine vollständige ideologische Vernichtung des Westens und damit der Schutzmacht USA abgesehen.

Die erste Position ist mittlerweile so anerkannt, dass sie selbst in nennenswerten Teilen der Alternative für Deutschland (AfD) – so in Alexander Gaulands außenpolitischem Thesenpapier – vertreten wird. Die radikalere Richtung hat vor allem durch die „Identitäre Bewegung“ an Rückenwind gewonnen und nennt sich Eurasianismus. Der Eurasianismus hat sich zum Ziel gesetzt, aus Europa und Russland einen antiamerikanischen, antiglobalistischen Block zu formen, der die Interessen der weißen Völker in der Welt geschlossen vertritt. Seine relativ größte Bedeutung hat die noch kleine, aber rasch expandierende politische Spielart in Russland. Dort sitzt auch ihr Chefideologe Alexander Dugin, der im Gegensatz zum großen Rest der russischen Rechten Putin ausgesprochen positiv sieht und sogar als einer seiner Berater tätig ist.

Russische Propaganda für Europa

Dass gerade für Russen der Eurasianismus attraktiv ist, verwundert wenig: Im Endeffekt handelt es sich dabei um eine Verdrängung des Einflussbereichs der USA aus Europa und um die Etablierung einer russischen Hegemonialstellung nach dem Vorbild der Sowjetunion in Osteuropa. Dies könnte die europäische Rechte auch heute noch unschwer anhand der Situation in den baltischen Staaten oder aber in der schon seit Jahren mit Gasvorkommen von der dubiosen Krake Gazprom terrorisierten Ukraine erkennen und den Gedanken verwerfen.

Auf Grund der immer schlechteren Situation in den Nationalstaaten, der EU und dem Westen überhaupt, wird sich jedoch weiter hartnäckig gegen die Erkenntis gesträubt, dass auch Russland kein barmherziger Samariter der Weltpolitik ist, sondern genauso wie die USA als Großmacht seine Interessen mehr oder minder rücksichtslos vertritt. Der Kreml scheint die gewisse Attraktivität, die er auf Teile der europäischen Gesellschaften ausübt, jedenfalls erkannt zu haben. Seit einigen Monaten ist ein verstärktes propagandistisches Vorgehen genau in die eurasische Stoßrichtung zu beobachten. So schaffte Putin im Dezember eine gigantische neue Nachrichtenagentur unter dem Namen „Russland heute“, die insbesondere in Europa neue Sichtweisen unters Volk bringen soll.

Dugin, Popstar der Identitären

Eurasische Ideologen wie Alexander Dugin werden derweil auf rechten Diskussionsveranstaltungen gefeiert wie Popstars. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar erschien, nämlich dass selbsternannte Bolschewisten auf rechten Veranstaltungen die Highlights darstellen, gehört heute bereits zur Realität. Islamische und bolschewistische Elemente werden nicht mehr als Feindbilder betrachtet, sondern in abstruser Weise durch Achsen mit islamischen Staaten und durch den Import des absurden russischen Nationalbolschewismus zum Bestandteil der eigenen Überzeugungen gemacht.

Ob bei burschenschaftlichen Ideenwerkstätten oder als Gesprächspartner für Seiten füllende Interviews: Dugin tourt durch Deutschland und erntet mit seiner Theorie von der Anbindung an Russland auf Grund der aktuellen Diskussionen um Homosexualität und Familie viel Zuspruch. Nur die wenigsten wissen von seinen postkommunistischen Ideen, seinem fanatischen Hass auf Amerika und den Westen und seine imperialistisch-​kollektivistischen Wahnvorstellungen von einer eurasischen Front, die gemeinsam mit dem internationalen Islam Demokratie und Freiheit ad acta legen. Der Islam sei „extrem wichtig“ für den Kampf gegen den Globalismus, so der multiple Querfrontler in Offenbarung völliger Unkenntnis über die wohl supranationalistischste Ideologie aller Zeiten.

Eine Mischung aus Monarchismus, Bolschewismus, Faschismus und Islam

Insbesondere sieht er seine Partner im schiitischen Islam – wobei man wieder beim Iran wäre. Dieser hätte nämlich keine universalistische Dimension, behauptet Dugin ins Blaue hinein. Neben dem schiitischen Islam findet Dugin auch den mystischen Sufismus toll. Kein Wunder: Eines seiner beiden Vorbilder ist der französische Islam-​Konvertit René Guénon, der bereits 1912 den Islam annahm – eine Art Pierre Vogel des 20. Jahrhunderts. Sein zweites Vorbild ist der Satanist und Esoteriker Julius Evola, der einen faschistischen Okkultismus predigte und in seinem Rassenwahn noch manchen Nationalsozialisten übertraf.

Heute wird Dugin, dessen politisch-​religiöse Tätigkeit sich bisher irgendwo zwischen Monarchismus, Bolschewismus, Faschismus, Rassismus, Islam, Satanismus und orthodoxem Christentum bewegte, in ganz Europa hofiert und dürfte bei der Vernetzung zwischen Kreml und europäischer Rechten eine wesentliche Rolle spielen. Neben der bereits angesprochenen neuen russischen Nachrichtenagentur spielt der Sender „Russia Today“ eine bedeutende Rolle. Der englischsprachige Sender aus Russland ist mittlerweile auf jeder irgendwie rechten Demonstration und Veranstaltung präsent und berichtet ausführlich über heimattreue Protestbewegungen quer durch Europa.

Wen unterstützen in der Ukraine?

Regelmäßige Interviewpartner, Experten und Ansprechpartner für Deutschland betreffende Fragen für den Propagandasender sind – womit sich der Kreis wieder schließt – Jürgen Elsässer und Manuel Ochsenreiter von Compact und ZUERST!. Auch einzelne AfD-​Politiker, wie der frühere ARD-​Korrespondent Armin-​Paul Hampel, durften auf „Russia Today“ schon die Kronzeugen Putins mimen.

Neustes Propagandathema der Putin-​Jünger ist derzeit die Revolution in der Ukraine. Während sich jeder vernünftige national denkende Mensch auf die Seite der Swoboda-​Bewegung schlägt, die derzeit immer mehr Ukrainer von ihren Ideen begeistert und eine Lenin-​Statue nach der anderen medienwirksam zu Fall bringt, favorisieren die Putin-​Fans die lahme Marionette Moskaus, Wiktor Janukowytsch. Swoboda, als genuin nationale Gruppierung, setzt der elenden Wahl zwischen EU– und Putin-​Imperialismus hingegen die attraktive Alternative einer wirklich unabhängigen Ukraine entgegen. Bleibt zu hoffen, dass sich auf dem Maidan wie auch im Rest Europas die wirklichen Freunde der Heimat durchsetzen und nicht die Bolschewisten des 21. Jahrhunderts.

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