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Eine notwendige Erwiderung

Mittwoch, 19 Februar 2014 09:11 von Fabian Flecken und Sebastian Pella

Robin Classens Artikel zur „Moskau-​Connection“ der Rechten erwidern Fabian Flecken und Sebastian Pella. Sie werfen ihm vor, geo– und machtpolitische Konstellationen vollkommen zu verkennen.

Mit seinen Vorwürfen an die deutschen Konservativen und Rechten hat Classen ein breites Themenfeld aufgemacht. Dabei sind ihm unhaltbare Vereinfachungen unterlaufen, die nach einer Korrektur schreien. Seine Fundamentalkritik an den Bemühungen deutscher und europäischer Patrioten aller Couleur um Gesprächs– und Bündnispartner fernab transatlantischer Nibelungentreue ist eine Farce, da sie geo– und machtpolitische Konstellationen nicht berücksichtigt. Damit ist sie ein oberflächlicher Ritt durch das Dickicht der demokratischen Rechten in Deutschland.

Mögen die teils unter die Gürtellinie gehenden Angriffe auf Staatsmänner und kritische Publizisten noch mit publizistischem Übereifer erklärbar sein, sind die Thesen Classens in zentralen Punkten hanebüchen und schlichtweg falsch. Weder sein aufpeitschender Duktus, der an Springer-​Publikationen erinnert („der Irre von Teheran“) noch die Forderung nach einer fortlaufenden Stationierung westlicher Soldaten in Afghanistan und dem Irak („übereilte Abzüge“) werden den Problemen gerecht.

Geopolitik: Souveränität oder Neue Weltordnung?

Auch die Kritik an der vermeintlichen Iran-​Sympathie selbst der islamkritischen Rechten zielt in eine völlig falsche Richtung. Diese Sympathie verharmlose den Iran, der „den sunnitischen Kräften um Katar und Saudi Arabien Paroli“ biete und daher „zu den Guten zu zählen sei“. Doch wer geht von Harmlosigkeit im globalen politischen und religiösen Wettstreit aus? Wer spricht, fernab transatlantischer Kungelrunden und kriegerischer Propaganda, generalisiert von gut oder böse? Es gibt faktisch eine geopolitische Einkreisung der souveränen Staaten Syrien und Iran. Durch die Vereinigten Staaten sowie deren Verbündete aus besagten arabisch-​sunnitischen Staaten und der Türkei (im Falle Syriens). Hinzu kommt ein medialer Propagandafeldzug der „Westlichen Wertegemeinschaft“ gegen die syrische und iranische Führung. Eine ernstzunehmende deutsche und authentisch europäische Position muß gerade hier einen Kontrapunkt setzen.

Wider den Zeitgeist und Stachel im Fleisch der gleichgeschalteten Medien zu sein, bedeutet in diesem Szenario die macht– und wirtschaftspolitischen Interessen der beteiligten Staaten offenzulegen und hinter die Fassade der Menschenrechtsideologie und ihrer Propagandamaschinerie zu schauen. Eine nüchterne Beurteilung ist wesentlich angebrachter als kriegerische Vasallenmentalität im parlamentarisch-​demokratischen Gewand. Der national-​neutralistische, säkulare und den Interessen „des Westens“ kritisch gesinnte Kurs des syrisch-​alawitischen Herrschers Assad ist – ebenso wie das theokratische Regime im Iran – ein geopolitisches Hindernis auf dem Weg zur Errichtung der totalen Neuen Weltordnung westlich-​liberaler Prägung, deren Mittel die Zerstörung der gewachsenen Ordnungen unseres Planeten ist.

Rußland-​Kritik: christlich-​nationaler Gegenpol oder knallharte Eigeninteressen?

Classen greift das zunehmende Interesse der Konservativen an Rußland auf. Immer mehr Menschen erscheine Rußland „als eine bessere Alternative zu den finanziell, moralisch und gesellschaftlich auf dem Abstieg befindlichen USA.“ Während die gemäßigteren Putin-​Freunde noch von einer multipolaren Welt sprächen, in der lediglich die Hegemonialstellung der USA verschwindet, hätten es die radikaleren Vertreter auf eine vollständige ideologische Vernichtung des Westens und damit der Schutzmacht USA abgesehen.

Angesichts des grassierenden Werterelativismus im sog. „Westen“ und einem zunehmenden Streben nach Auflösung jedweder traditioneller Identitäten, wie Familie, Heimat, Volk, Nation und kulturelle Identität, muss sich Classen die Frage an Herrn Classen gefallen lassen, wo die eigentlichen globalen Machtressourcen der Auflösung und Gefahren für unser Vaterland und Europa liegen. Dem setzt das Rußland Putins ebenso wie das von Orban geführte Ungarn einen tradional-​identitären und – so schreibt Classen selbst – „christlich-​nationalen Gegenpol“ entgegen. Warum man diese als Konservativer oder Rechter in Deutschland und Europa im Schulterschluss mit sonstwem dennoch zu bekämpfen hat, bleibt unklar.

Russische Nachrichtenagenturen: Meinungsvielfalt oder Propagandainstrument?

Rußland hat das Potential, das durch die gleichförmige westliche Presse entsteht erkannt und nutzt es, um mit eigenen Nachrichtenagenturen Informationen zu verbreiten. Classen sieht darin einen Propagandafeldzug, der helfen soll, die Europäer weiter zu spalten und die westliche Gemeinschaft erodieren zu lassen. Insbesondere die Agentur Russland heute solle neue Sichtweisen unters Volk bringen.

Angesichts der in vielen zentralen Fragen weitgehend gleichgeschalteten Medien (auf Linie der „westlichen Wertegemeinschaft“) ist eine derartige Plattform jedoch ein Korrektiv und eine legitime Vertretung nationaler Interessen einer angrenzenden Großmacht in der Fremde. Die nonkonformen rechtsdemokratischen Kräfte in Deutschland und Europa – gleich ob konservativ, rechts, patriotisch-​national oder libertär – müssen das seit vergangenem Jahr sichtbar gewordene Nachaußengehen der russischen Positionen begrüßen und kanalisieren.

Denn Putin bringt mitnichten „in Europa neue Sichtweisen unters Volks“. Nein, Rußland versucht in den Völkern Europas bewußte, aber von westlichen Politikern und Medien systematisch unterdrückte Wertekategorien wieder hervorzubringen. Daß dieses russische Engagement auch dem Eigenen zu dienen hat, kann wohl außerhalb des selbstvergessenen Deutschlands als Binsenweisheit angesehen werden.

Anm. d. Red.: Der zweite Teil des Artikels beschäftigt sich mit Classens Kritik an möglichen Vordenkern einer Bewegung, die auf das „Eigene“ setzt, der Situation in der Ukraine und möglichen Bündnispartnern angesichts einer undurchsichtigen geopolitischen Situation. Er erscheint Ende der Woche. Wer zu diesem Thema seine eigene Sichtweise darlegen möchte, schreibt bitte an Diese E-​Mail-​Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

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