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Eine notwendige Erwiderung (II)

Freitag, 21 Februar 2014 10:28 von Fabian Flecken und Sebastian Pella

Im zweiten Teil rücken Fabian Flecken und Sebastian Pella Robin Classens Kritik an Alexander Dugin und Julius Evola zurecht.

Den strenggläubigen russisch-​orthodoxen Christen Alexander Dugin verortet Classen „irgendwo zwischen Monarchismus, Bolschewismus, Faschismus, Rassismus, Islam, Satanismus und orthodoxem Christentum“. Sein Mystizismus ist jedoch kein Satanismus. Und der „böse“ Eurasier und Putin-​Berater Dugin ist natürlich auch kein Bolschewist. Er war in den 1990er Jahren, während der Jahre des Chaos in der post-​sowjetischen Gesellschaft, ein Anhänger einer speziellen Form des Nationalbolschewismus, welcher unterschiedliche Strömungen der russischen Geschichte versöhnen sollte. Wer ist denn hierzulande auch bitte noch Nationalbolschewist?

Andere Länder, andere Wege und Traditionen. Dies gilt es zu respektieren. Denn Dugin redet in seinem Werk „Die Vierte Politische Theorie“ einer multipolaren Weltordnung das Wort. Nicht einem unipolaren Gemisch aus sechs bis sieben Ideologien, wie der Autor ihm unterstellt. Den introvertierten traditionalistischen Mystiker Rene Guénon nun mit dem missionarisch-​salafistischen Prediger Pierre Vogel zu vergleichen, offenbart die Verortung des Autors in einer allzu oberflächlichen Islamkritik.

Unwahrheiten über Evola

Ebenso der Verweis auf Dugins angebliches zweites Vorbild – den rechten Philosophen Julius Evola. Dieser predige „ faschistischen Okkultismus“ und übertreffe „in seinem Rassenwahn noch manchen Nationalsozialisten“, schreibt Classen. Eine derart falsche Behauptungen aufzustellen, läßt die Frage nach der journalistischen Sorgfaltspflicht aufkommen. Den bekanntesten Vertreter der „integralen Tradition“ in die Nähe des Satanismus zu rücken, zeugt von anmaßender Unkenntnis. Solch eines Sprachgebrauchs bedienen sich gewöhnlich eher linksradikale Diffamierungsorgane. Auf einigen Antifa-​Seiten wird man dem radikalen Gegner der Moderne gerechter, als dies in Classens Auslassung der Fall ist.

Gewiß brachte der mit, wie auch immer zu bewertendem, magischem Geheimwissen ausgestattete Evola einigen Elementen des Nationalsozialismus zeitbedingt Sympathien entgegen. Doch lehnte er den bestimmenden politischen Charakter der Ideologie ab. Vor allem prangerte er den vom führenden NS-​Ideologen Alfred Rosenberg vertretenen „biologischen Rassismus“ als modernistischen Materialismus scharf an. Diesem stellte er seinen Begriff der geistigen und nur bedingt biologischen „inneren Rasse“ gegenüber.

Nicht Rassismus sondern Anti-​Modernismus

So ließ Heinrich Himmler 1938 ein Gutachten erstellen, das resümierte, Evolas Schriften und Auftritte in Deutschland müßten untersagt werden. Man sah ihn als „reaktionären Römer“. Vor diesem Hintergrund ist die Äußerung Classens, er hätte „in seinem Rassenwahn noch manchen Nationalsozialisten überboten“ nicht nur falsch, sondern eine Verdrehung der historischen Tatsachen. Zeitweise setzte sich Evola als kritischer Sympathisant des Faschismus mit seinen oft aggressiven Angriffen auf eben jenen einer nicht unbeträchtlichen Gefahr aus.

Im Zentrum von Evolas zyklischem Geschichtsbild und seiner Weltanschauung stand, stark vereinfacht, eine Ordnung der Welt nach überzeitlichen kosmischen Gesetzmäßigkeiten. Dazu kam der Glaube an die letztendliche Überlegenheit der geistigen Welt über jene des profanen Materialismus. Gerade seine konservativ-​revolutionäre Staatslehre mit der radikalen Ablehnung moderner Ideen und der konservativ begründeten Notwendigkeit einer aristokratisch-​elitären und hierarchisch aufgebauten spirituell unterfütterten Ordnung, machten Evola in seiner Zeit eher zu einem Anhänger ständestaatlicher Strukturen. Er war Kritiker einer totalitären Gleichschaltung.

Unscharfer Blick auf die Ukraine

Zurück zum aktuellen Weltgeschehen: Classen glaubt, daß „sich jeder vernünftige national denkende Mensch auf die Seite der Swoboda-​Bewegung schlägt“. Die Putin-​Fans hingegen würden „die lahme Marionette Moskaus, Wiktor Janukowytsch“ favorisieren. Verfügen wir als Außenstehende wirklich über einen ausreichenden Einblick in die ringenden Binnenkräfte der Ukraine? Wir sollten uns nicht zutrauen von Deutschland aus die Ereignisse so perfekt einordnen zu können, wie dies bei der unfehlbaren Nomenklatura der EU der Fall ist. Der Kernaussage Classens nach ukrainischer Selbstbestimmung ist aber zuzustimmen. Doch auch diese offenbart eine geopolitische Kurzsichtigkeit.

Teilen der „Swoboda-​Bewegung“ ist aus konservativer bzw. rechter Sicht sicher Sympathie entgegenzubringen. Doch gleichzeitig sollte auch ein Blick auf die historische Konstruktion des heutigen Staates Ukraine geworfen werden. Hieraus ließe sich die geopolitische Schlußfolgerung ziehen, daß nur über die Teilung der Ukraine entlang ihrer ethnisch-​kulturellen und historisch-​traditionellen Bruchlinien eine langfristig stabile Lösung zu realisieren ist: der Sezession des primär russischsprachigen Ostteils der Ukraine als entweder unter russischer Schirmherrschaft stehender Staat oder die direkte Anbindung an Rußland einerseits, sowie die Begründung einer „ukrainischen“ Ukraine andererseits.

Dieses Zwei-​Staaten-​Modell entlang des Selbstbestimmungsrechts der in der Ukraine zwangsvereinigten Völker ist für jeden „vernünftigen national denkenden Menschen“, um mit Classen zu sprechen, der eigentlich zielführende Weg. Ob dies allerdings aufgrund der komplexen ökonomischen Interessen und Verflechtungen realistisch ist, ist eine andere Frage.

Neue Beurteilung potenzieller Bündnispartner

Die vorangegangenen geschichtlichen Entwicklungen sind nicht aufzulösen. Aber wir leben nicht mehr im 20. Jahrhundert. Wir sollten keine alten Kämpfe mit Schaum vor dem Mund ausfechten. Bolschewismus und Kommunismus sind politisch tot. Andere geistige und materielle Kräfte dringen in das geistige und kulturelle Vakuum der abendländischen Völker ein. Auch im deutschsprachigen Zentrum Mitteleuropas muß der Wille zurückgewonnen werden, das Eigene – Tradition und Identität – zu verteidigen.

Hierzu bedarf es für die demokratisch-​patriotischen Kräfte Bündnispartner inner– und außerhalb unseres Kontinents. Eine intelligente und weitsichtige Beurteilung weltpolitischer Konflikte, aus der die Einbindung außereuropäischer Gesprächs– und Bündnispartner resultieren kann, darf – gerade aus rechter Sicht – primär geopolitisch erfolgen und nur bedingt ideologisch begründet sein.

Nüchterner Lageanalyse für die Zukunft

Hierbei darf die „Freund-​Feind-​Unterscheidung“ (Carl Schmitt) zwar nicht gänzlich ad acta gelegt werden, doch im Zentrum steht die Frage, ob potentielle außereuropäische Mitstreiter die Achtung fremder Großräume beherzigen und als „raumfremde Mächte“ (Carl Schmitt) das Interventionsverbot in andere Großräume anerkennen. Anhand der geschilderten Maßstäbe muß die Lage im europäischen und außereuropäischen Ausland nüchtern analysiert und beurteilt, bevor potentielle Bündnispartner voreilig verdammt werden.

(Bild: Gerd Altmann /​pix​e​lio​.de)

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