Startseite Gesichtet IfS-Winterakademie „Faschismus“: Weder rechts noch links
IfS-Winterakademie „Faschismus“: Weder rechts noch links PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Laura Küchler   
Dienstag, den 02. Februar 2010 um 18:27 Uhr

Casa PoundAnkunft in Schnellroda. Etwas zu spät, aber dennoch voller Erwartung erreichen wir das kleine Dorf in Sachsen-Anhalt, in dem das Institut für Staatspolitik (IfS) vom 29. bis zum 31. Januar 2010 seine zehnte Winterakademie zum Thema „Faschismus“ veranstaltete. Das Ziel der Akademie: eine afaschistische Betrachtung dieses schwierigen Gegenstands.

Nachdem wir das erste gemeinsame Mittagessen und den ersten Vortrag des promovierten Historikers Karlheinz Weißmann „Faschismus. Eine Klarstellung“ verpasst hatten, konnten wir uns mit dem Beitrag „Epoche des Faschismus – Noltes Konzept“ von Siegfried Gerlich gebührend auf das Thema einstimmen lassen. Der Historiker Ernst Nolte wurde Anfang der 60er-Jahre mit seinem Werk „Faschismus in seiner Epoche“ bekannt und geriet 1986 im Historikerstreit mit Jürgen Habermas ins mediale Kreuzfeuer. Anders als Totalitarismus-Theorien, die für die vergleichende Regierungsanalyse geeignet erscheinen, stellen Nolte und andere Faschismus-Theoretiker die ideologische Genese dieser weder rechten noch linken Weltanschauung in den Mittelpunkt.

Nach diesem informativen Vortrag fand ein reger Austausch zwischen Teilnehmern, Vortragendem und den Mitarbeitern des IfS statt. Diese Möglichkeit war das ganze Wochenende lang gegeben, man fühlte sich nicht „von oben herab“ belehrt, sondern konnte über Ansichten, Meinungen und Fakten offen diskutieren – und dabei neue Leute kennenlernen und Zeit mit bekannten Gesichtern verbringen. Dieses zog sich bei einigen Teilnehmern bis in die frühen Morgenstunden des Samstags hin, während anderen ihr Bett im Gasthaus „Zum Schäfchen“ doch verlockender erschien.

Reichhaltige Themenpalette: Von Faschismus in Japan über faschistische Philosophie bis hin zur Casa Pound

Zeitig ging es weiter, denn schon um halb zehn referierte Josef Schüßlburner über dem Faschismus ähnelnde Systeme außerhalb Europas. Dabei konnte er mit einem bunten Strauß verschiedenster Beispiele von Asien bis Südamerika aufwarten. Auch uns „Nachzüglern“ wurde anschließend die Möglichkeiten gegeben, Weißmann sprechen zu hören. Dieses Mal zu den faschistischen Bewegung in Belgien. Im Zuge dieses Vortrags wurden eher unbekannte belgische Faschisten – z.B. Joris van Severen – vorgestellt.

Normalerweise wird bei Akademien des IfS auch an einem Nachmittag Sport getrieben. Das musste leider aufgrund schlechter Wetterbedingungen ausfallen – der Winter hatte die Straßen Mitteldeutschlands in wahre Rutschbahnen verwandelt. Stattdessen referierte der Verleger Götz Kubitschek, auf dessen Rittergut die Veranstaltung stattfand, über „Faschismus und Avantgarde“. Martin Lichtmesz berichtete im Anschluß über das Hausbesetzer-Projekt Casa Pound in Italien, was er mit eigenen Bildern von einer Reportagereise unterlegte.

Der Antifaschist kämpft gegen die Mitte

Hier konnten die Teilnehmer viel über neofaschistische Symbolik lernen, die sowohl die monumental wirkende Architektur aus der Zeit Mussolinis als auch die Schildkröte als Erkennungszeichen umfasst. Nach dem Abendessen im „Schäfchen“ stand noch der Film „Mein Bruder ist Einzelkind“ auf dem Programm.

Der dritte und letzte Tag der Winterakademie 2010 hielt einen Vortrag über Antifaschismus von Manuel Ochsenreiter, Redakteur des Magazins „Zuerst!“, bereit. Überraschend daran: Ochsenreiter ist der Meinung, daß sich der Antifaschismus primär gegen die Mitte und nicht gegen „Rechts“ richtet. Unter „Mitte“ versteht der rechte Journalist weit verbreitete Meinungen wie „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“. Außerdem sprach Erik Lehnert, Geschäftsführer des Instituts für Staatspolitik, über die Frage, ob es eine faschistische Philosophie gab.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass die beim IfS gepflegte neutrale Behandlung des Faschismus auch an Schulen und Universitäten wünschenswert wäre. Aber bis dahin dürfte es noch ein weiter Weg sein.

 

 
ANZEIGE

Rundbrief







Aufgepasst!

Banner

Umfrage

Das größte Problem in Deutschland ist ...
 
Die dringlichste Aufgabe der deutschen Konservativen ist ...