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Preußen wurde 1947 offiziell vom Alliierten Kontrollrat aufgelöst und verschwand damit von der Landkarte. Doch was machte Preußen, das preußische Ethos – die preußische Idee – eigentlich aus? War es tatsächlich „die Wurzel allen Übels“, wie Churchill einst erklärte? Preußen ist die außergewöhnliche Geschichte eines Staates, der den kometenhaften Aufstieg von einer unbedeutenden Provinz zur deutschen und schließlich europäischen Großmacht vollbrachte.
Der Anfang Preußens ist schwer bestimmbar Preußen, wie man es heute kennt, hat eine lange Entwicklung durchgemacht. Das schwäbische Fürstengeschlecht der Hohenzollern ist dabei besonders als Herrscher Preußens bekannt geworden. Sie erhielten 1411 die völlig „wertlose“ Mark Brandenburg, konnten jedoch durch geschicktes Heiraten ihr Herrschaftsgebiet ausbauen. Der größte Coup war die Erlangung des Herzogtum Preußen, 1618. Zu diesem Zeitpunkt umfasste dieses in etwa das Gebiet des späteren Ostpreußens, welches vom Deutschen Orden im 13. Jahrhundert besiedelt wurde. In den Jahren 1618 bis 1648 verwüstete der Dreißigjährige Krieg Brandenburg. Erst der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm I., konnte es wieder halbwegs restaurieren. Mit der Krönung seines Nachfolgers Friedrich I. im Jahr 1701 zum König in Preußen wurde das Königreich Preußen begründet. Zu diesem Zeitpunkt war es bereits eine anerkannte Macht und wurde zum Konkurrenten der Habsburger Vorherrschaft im deutschsprachigen Raum. Steiler Aufstieg durch Ausbildung der preußischen Idee Allerdings hinterließ Friedrich I. seinen Nachfolgern enorme Schulden. Er zwang sie dadurch zu erheblichen Reformen und einer politischen Kurskorrektur. Diese Maßnahmen können als Wurzel jener Geisteshaltung gesehen werden, die später als preußische Idee bezeichnet werden sollten. Friedrich Wilhelm I. leitete 1713 eine Art Systemwechsel ein. Er erließ Sparmaßnahmen am königlichen Hof, zentralisierte die Finanzverwaltung und setze eine merkantilistische Wirtschaftspolitik zugunsten einer Militärreform ein. Der „Soldatenkönig“ verschärfte die Ausbildung der Truppen und verdoppelte die Heeresstärke auf ca. 80000 Mann. Die Länder um Preußen herum betrachteten diese Militarisierung mit Skepsis und Angst. Ein französischer Staatsmann drückte es einmal so aus: „Die preußische Monarchie ist nicht ein Land, das eine Armee hat, sondern eine Armee, die ein Land hat, in welchem sie gleichsam nur einquartiert steht.“ Dabei sollte die Aufrüstung in erster Linie Preußens Unabhängigkeit sichern, das jetzt hinter Russland, Frankreich und den Niederlanden viertstärkste Militärmacht in Europa war. Dabei hatte Friedrich Wilhelm I. vor allen Dingen die Auswirkungen des dreißigjährigen Kriegs im Hinterkopf. Er war Calvinist, ließ sich aber sehr durch den Halleschen Pietismus beeindrucken. Der Pietismus, die königliche Auffassung und letztlich auch die Militarisierung wirkten weit in Staat und Gesellschaft hinein. Die Bevölkerung entwickelte dadurch eine aktive Pflichtethik, Sparsamkeit und disziplinierte Arbeitsmoral. Diese preußischen Tugenden gelten heute noch als Stereotypen für die Deutschen. Zu ihnen zählen auch Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Tapferkeit und Gehorsam. Durch das Übertragen dieser Tugenden auf die Beamten sicherte sich Preußen deren Unbestechlichkeit und Treue. Der Große König tritt die Nachfolge des Vaters an Als der Soldatenkönig 1740 starb, trat sein Sohn Friedrich II. die Nachfolge an. „Friedrich der Große“ ließ Preußen als bedeutende europäische Macht auferstehen. Dies war nur möglich durch die enormen Leistungen seines Vaters. Die preußische Idee hatte die Menschen zu einer Einheit, einem Volk verbunden. Durch den eisernen preußischen Geist konnte sich das Königreich in mehreren zermürbenden Kriegen profilieren und sein Territorium vergrößern. In den darauf folgenden europäischen Ereignissen spielte Preußen weiterhin eine entscheidende Rolle: Von der eigenen Niederlage zur Bezwingung Napoleons und schließlich von den Einigungskriegen zur Begründung des Deutschen Reichs unter preußischer Führung. Dieses neue europäische Mächtesystem und letztlich auch die preußische Einheit sollte erst mit dem Ersten Weltkrieg zerstört werden. Preußen ist aus zeitgenössischer Sicht stets der Teufel Die Bundesrepublik versucht heutzutage stets, die geistige Nachfolge Preußens zu bestreiten. Dieses wird hauptsächlich mit Kriegslüsternheit, Militarismus und Reaktionismus in Verbindung gebracht. Auch führende deutsche Historiker sehen in Preußen das Übel der deutschen Geschichte. Verfechter der These des deutschen Sonderwegs verweisen ebenso auf das Königreich. Weil sich auch die Nationalsozialisten auf „preußische Tugenden“ beriefen, wird Preußen allzu oft mit dieser Diktatur in Verbindung gebracht. Der 20. Juli 1944 findet dabei meist keine Beachtung. Doch schon dem Vergleich mit anderen Mächten dieser Zeit halten diese einseitigen Unterstellungen nicht stand. Unbeachtet bleiben auch preußische Errungenschaften, die es bis heute gibt. Dazu zählen die Einführung der Schulpflicht, die Toleranz gegenüber anderen Religionen, die Aufnahme von Glaubensflüchtlingen und schließlich auch die Rechtsgleichheit vor dem Gesetz. Die preußische Idee kann selbst heute noch Anwendung finden Fakt ist, dass die preußische Idee auch auf unser heutiges Deutschland Anwendung finden kann. Die Idee, Menschen bzw. ein Volk zur Bündelung der Kräfte zu binden, ist stets von Bedeutung. Vor allem, da unserem desintegrierten Volk ein starker Zusammenhalt fehlt. Es fehlt eine nationale Gemeinschaft, die durch gleiche Werte und Tugenden verbunden wird. Viele Politiker handeln nicht zum Wohle des Volkes, sondern aus Eigeninteresse. Bedenkt man, zu welcher Größe die preußische Idee einen Staat einst führte, lässt sich deren positive Wirkungskraft auf die Bundesrepublik nur allzu sehr wünschen. Charles de Gaulle äußerte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: „Ohne Preußen ist Deutschland kein Staat.“ Wird er damit recht behalten?
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