| Stauffenberg. Der Kampf eines Idealisten |
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| Geschrieben von: Christian Neubacher |
| Dienstag, den 08. Mai 2007 um 01:00 Uhr |
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Hineingeboren in eines der vornehmsten katholischen Adelshäuser Süddeutschlands, wurde er in aristokratischem Geist erzogen, seine Liebe galt schon früh der Literatur. Im kleinen Kreis veranstaltete er Faust-Abende und träumte sich in die kühne Schlachtenromantik des „Wanderers zwischen beiden Welten“ von Walter Flex. „Ihr trugt die Schande nicht, ihr wehrtet euch.“ Stauffenberg selbst findet Gefallen am Militär, ihm schwebt eine Offizierslaufbahn vor Augen. Der Mensch ist seiner Meinung nach ein „zoon politikon“, ein der Gemeinschaft verbundenes Wesen und die wahrhaft aristokratische Geisteshaltung sieht im Militär die wichtigste Stütze des Staates. „Für alle, die das Vaterland, und das neue Reich erkannt haben, gibt es nur den einen hehren Beruf, den uns die großen Griechen und Römer durch die Tat vorgelebt haben: Des Vaterlandes und des Kampfes fürs Vaterland würdig zu werden und dann sich dem erhabenen Kampf für das Volk zu opfern.“ Wer solche Sätze schreibt, der liebt das Pathos und es verwundert nicht, daß er die Nähe zu „Seinesgleichen“ sucht. Im Kreis des Dichters Stefan George und den düsteren Klängen seiner monumentalen Sprachkunst findet er sich wieder. Es ist eine rein geistige Welt – anders darf man Georges Verse vom „Neuen Reich“ nicht verstehen. Die Sehnsucht nach dem Überlebensgroßen treibt die Jünger Georges an. Genau diese Sehnsucht aber verbindet ihn mit einem Menschen, der als „Fürst des Ungeziefers“ (George) zum Verführer der Massen werden sollte: Adolf Hitler. „Es lebe das geheime Deutschland“ Sein Name hatte mit den Erfolgen der Nationalsozialisten ab 1930 Einzug in die Offizierskasinos gehalten und das Gros der jungen Offiziere stand den Ideen Hitlers, die Wideraufrüstung zu forcieren und die Schmach von Versailles zu tilgen, wohlwollend gegenüber. Die Einstellung des Offiziers Stauffenberg gegenüber Hitler war geprägt von Ehrfurcht und Verachtung zugleich - verkörperte Hitler doch den Typus des proletarischen Volkstribuns und damit das Gegenteil des Adeligen aus vornehmem Geblüt. In offenen Widerstand mündete diese Haßliebe allerdings erst, als sich an allen Fronten die Deutschen auf dem Rückzug befanden. Erst als Hitlers „atavistisches Wüten“ (Joachim C. Fest), die Verstrickung Deutschlands in einen Mehrfrontenkrieg und die systematische Judenvernichtung zum Merkmal des sich abzeichnenden Endes wurde, ging er mit Henning von Tresckow und den anderen Mitverschwörern des 20. Juli 1944 in den aktiven Widerstand über. Für Stauffenberg war der offene Widerstand gegen Hitler ein Kampf gegen das „Dämonische im Menschen“. Die moralische Integrität, die dem Generalstab und der Führungsclique des Dritten Reiches abhanden kam, verdichtete sich zusehends in einer kleinen Gruppe entschlossener Verschwörer, deren Kopf Stauffenberg war. Es kam auch letzten Endes nicht mehr auf den Erfolg des Attentats an. Henning von Tresckow, einer der engsten Vertrauten Stauffenbergs, war der Meinung, daß das Attentat erfolgen müsse „coûte que coûte“, um der Welt zu zeigen, „ daß die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte den entscheidenden Wurf gewagt hat“. Kampf gegen das „Dämonische im Menschen“. Natürlich war die Tat des 20. Juli 1944 Hochverrat und zwar in dem Sinne, daß sie sich gegen die damals herrschende positive Rechtsordnung wandte, deren maßgebendes normsetzendes Organ eben der Diktator Hitler war. Für viele stellte der persönliche Eid auf eben diesen Diktator einen Grund dar, sich passiv zu verhalten, jeden noch so sinnlosen oder verbrecherischen Befehl über sich ergehen zu lassen und ihn zu befolgen. 60 Jahre danach hat die Geschichte über den Diktator und seine Gefolgsleute ein eindeutiges Urteil gefällt. Den Spätgeborenen verbietet es die zeitliche Distanz, über den Verschwörern den Stab zu brechen. Wir können nur versuchen, die Bedeutung der Ereignisse zu erfassen. Im besten Falle finden wir im Geist der Verschwörer einen positiven Kraftquell zur Stärkung der nationalen Idee, die sich nicht – wie es die politische Linke seit Jahrzehnten versucht – allein auf die Zeit des historischen Nationalsozialismus reduzieren läßt. |