Startseite Gesichtet Sind Kinder zu anstrengend? Oder ist die Wirtschaft, ja vielleicht sogar die „Gesellschaft“ schuld?
Sind Kinder zu anstrengend? Oder ist die Wirtschaft, ja vielleicht sogar die „Gesellschaft“ schuld? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sven Schäfer   
Donnerstag, den 17. Februar 2011 um 07:36 Uhr

FamilieFast 75 Prozent der zwischen 25 und 45 Jahre alten Erwachsenen, in deren Haushalt keine Kinder wohnen, wünschen sich Kinder. Männer haben hierbei eine positivere Einstellung zu eigenem Nachwuchs als Frauen derselben Altersklasse. Laut einer Studie, die vom Meinungsforschungsinstitut forsa durchgeführt wurde, wollen 70 Prozent der Männer „auf jeden Fall“ oder „vielleicht“ Kinder und Frauen zu 61 Prozent. 22 Prozent der 1000 befragten Frauen und Männer möchten gleich ganz auf Kinder verzichten. Also wollen fast zwei Drittel der Kinderlosen in der genannten Altersgruppe eigentlich nicht auf Kinder verzichten. Warum tun es dann doch so viele?

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Gründe?

Wohl die meisten Deutschen sehen laut Studie wirtschaftliche und gesellschaftliche Gründe als Ursache für die niedrige Geburtenrate in unserem Land. Wirtschaftliche Gründe? Das liegt auf der Hand: bei zunehmend eingeforderter Flexibilität und Mobilität sinken zugleich praktisch die Löhne oder es droht Arbeitslosigkeit. Nach der forsa-Studie sind 86 Prozent der Meinung, dass eine als extrem unsicher erlebte finanzielle Lage und die Sorge, den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren, die Entscheidung für ein Kind zumindest erschweren.

Politisch korrekte Studien zur Kinderplanung

Aber gesellschaftliche Gründe? Damit meint forsa wohl die Antworten auf ihre eigenen standardisierten Fragen, die wohl nur ein undifferenziertes und politisch korrektes Bild der Gefühlslage der Menschen zulassen. Eine Frage wie die folgende würde niemals in den Fragebogen eines Meinungsforschungsinstituts Eingang finden, obwohl ihr eine gewisse Relevanz und Brisanz nicht abzusprechen ist: Beunruhigt es Sie, dass in vielen Städten deutsche Kinder in den Schulen bereits in der Unterzahl sind und beeinflusst das Ihre Entscheidung, Kinder zu bekommen? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit würden viele autochthone Paare in Städten in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg diese Frage mit ‚ja’ beantworten.

Es kann eben nicht jeder das Bundesland wechseln oder aufs platte Land ziehen, wenn er seinen Arbeitsplatz nun mal in einer Stadt wie Dortmund hat. Im Zweifel wird er sich möglicherweise gegen ein Kind entscheiden. Ein Teufelskreis, da so immer weniger deutsche Kinder in den Ballungsgebieten groß werden und ihre Zahl ist ja heute schon in manchen Gegenden überschaubar. Und eine traurige Entscheidung für die betroffenen Personen ist es allemal, bringen sie sich selbst doch um einen Teil ihres möglichen Glücks.

Alltag auch ohne Kinder schon anstrengend genug? 79 Prozent bejahen

81 Prozent denken des Weiteren, dass die Gesellschaft berufliche Leistungen stärker honoriere als eine Familiengründung. Und sage und schreibe 79 Prozent finden den Alltag auch ohne Kinder schon anstrengend genug. Nun, es gab Zeiten, da haben die Menschen Kinder bekommen und noch viel mehr gearbeitet. Es scheint hier wohl eher um gesamtgesellschaftliche Unruhe, Verunsicherung und Egoismen zu gehen, als um die vermeintlichen Alltagsprobleme werdender Eltern.

Seit nunmehr vier Jahrzehnten reichen die Geburten in Deutschland nicht mehr aus, um die Bevölkerungszahl zu stabilisieren oder gar zu steigern. Aber das war nicht immer so. In den Nachkriegsjahren wurden ständig mehr Kinder geboren als Menschen starben. Der Saldo wurde erst ab den 70er-Jahren negativ. Laut Statistischem Bundesamt gab es damals je 1000 Einwohner 11,4 Geburten und 12,2 Todesfälle. Heute fällt das Negativsaldo noch bedeutend höher aus: 8,1 Geburten kommen auf 10,4 Todesfälle.

Mit der gegenwärtigen politischen Großwetterlage und der heutigen Mentalität scheint eine Umkehr wenig Aussichten zu haben und ein Anknüpfen an den Babyboom der frühen 60er-Jahre nicht möglich. Der starke Einbruch in Mitteldeutschland nach der Wende hat sich zwar nicht wiederholt (den niedrigsten Wert von rund 0,8 Kindern pro Frau gab es 1994), aber die Steigerung hält sich in Grenzen. 2009 bekamen die Frauen in Westdeutschland im Schnitt 1,35 Kinder und in Mitteldeutschland 1,40.

 
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