Startseite Gesichtet Protestieren (zu) leicht gemacht: Über angebliche „Revolutionen“ im Internet
Protestieren (zu) leicht gemacht: Über angebliche „Revolutionen“ im Internet PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Denise Hübner   
Freitag, den 04. März 2011 um 09:00 Uhr

FacebookWenn einem etwas nicht gefällt, soll man sich dagegen wehren. Veränderung und Neuerung statt naiver Akzeptanz sind wieder angesagt. Doch heutzutage muss man die eigene Zustimmung für gewollte Veränderungen nicht mehr lauthals auf Demos rausschreien, sondern kann sie einfach durch das Internet bekannt geben.

Twitter und Co.: Protestieren leicht gemacht

Der Vorreiter der sozialen Netzwerke Facebook macht vor, wie das gehen kann: Online-Petitionen unterschreiben, Aufrufe verfolgen, Werbung für verschiedene Aktionen verlinken oder einfach den „Gefällt mir“-Button drücken. Facebook selber wirbt mit der Möglichkeit „mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen“. Und diese Art der Inhalte ändert sich stetig und jede Änderung wird durch die weltweite Vernetzung jedem Nutzer öffentlich gemacht.

Noch schneller geht es mit dem Mikrobloggingdienst Twitter. Kurze, aktuelle Nachrichten in Echtzeit werden den followers zugeschickt, welche diese über die neusten Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Ein schneller tweet und schon wissen Hunderttausende Bescheid, wann wo eine Demo stattfindet – und wer nicht dabei sein kann, kann über Verlinkungen auf eigens eingerichteten Websites an virtuellen Demonstrationen teilnehmen.

Die Aktivisten sind bestens untereinander vernetzt und können dank ihrer internetfähigen Handys die gerade erst entstandenen Videos auf YouTube der Allgemeinheit zugänglich machen. Noch mehr als sonst wird das Internet dazu genutzt, um hinreichend Informationen zu verteilen. Auf eigenen Nachrichtenseiten werden die Meldungen und Clips schnellstmöglich hochgeladen, so dass jeder den Verlauf des Protestgeschehens fast live miterleben kann.

Keine Gedanken über die Folgen

Das Potential des Internets scheint fast unendlich groß zu sein und wird von immer mehr Menschen ausgenutzt, die eigenen Ziele zu verfolgen oder sich anderen anzuschließen. Immer mehr Protestaufrufe tauchen im Internet auf, teilweise werden sie sogar als offener Brief verfasst. Zwar sind die Aufrufe zu konkreten Treffen oft anonym gehalten oder durch Insider und Kürzel für Außenstehende unkenntlich gemacht, doch vergisst das Internet niemals. Die möglichen Gefahren der Internetverbreitung werden von den Aktivisten meist außer Acht gelassen, wenn sie Videos hochladen oder sich mit ihren persönlichen Daten einloggen.

Trotzdem schrecken die Nachteile nur wenig ab, wenn das Verlangen nach dem Mitmachen und Teilhaben größer und selbstloser ist. Die sozialen Netzwerke wachsen mit jedem Tag mehr und der Verkauf von Smartphones boomt. Wer also verändern will, was ihm nicht gefällt, ist nur einen Klick davon entfernt. Und es scheint so, als wäre die Unterscheidung zwischen „Live dabei“ und dem Nachverfolgen auf dem Computerbildschirm gar nicht mehr so wichtig. Hauptsache man macht etwas, egal wie und egal, wie effektiv dieser Protest im Endeffekt wirklich ist.

 
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