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Vom 16. September bis zum 18. September lud das Institut für Staatspolitik (IfS) zur diesjährigen 12. Sommerakademie nach Bad Pyrmont. Rund 50 junge Frauen und Männer folgten dieser Einladung. Gegenstand war die Konservative Revolution (KR), die aus historischer, philosophischer und politischer Sicht beleuchtet wurde.
Zu Beginn der Akademie führte der Historiker Karlheinz Weißmann, wissenschaftlicher Leiter des IfS, die Besucher ins Themengebiet der Konservativen Revolution ein. In eloquenter Art und Weise charakterisierte er zunächst das in sich heterogene Phänomen der KR anhand folgender Gemeinsamkeiten: Erstens, das Denken abseits des gängigen Rechts-Links-Schemas. Zweitens, die Ächtung des Vertrags von Versailles und drittens, die Ablehnung des Systems der Weimarer Republik. Darauf aufbauend meint Weißmann das Kernanliegen der KR destillieren zu können: Die „deutsche Weltalternative“ zu ermöglichen, um einen Dritten Weg zwischen westlicher Zivilisation und östlicher Barbarei zu finden. Dies markiert zugleich erste Abgrenzungsmerkmale zum klassischen Konservatismus wilhelminischer Zeitrechnung und dem aufkommenden Nationalsozialismus. In Anlehnung an Armin Mohler gliedert Weißmann die Bewegung in fünf verschiedene Gruppen: die Völkischen, Nationalrevolutionäre, die Bündischen, Jungkonservativen und das Landvolk. KR und Lebensreform Den nächsten Vortrag der Akademie hielt Erik Lehnert, der Geschäftsführer des IfS, über „KR und Lebensreform“. Lehnert erläuterte zunächst die Unterschiede der KR, als niemals stattgefundene Revolution, im Gegensatz zur Französischen oder Russischen Revolution. Folgend beleuchtete er den vermeidlichen Widerspruch von „konservativ“ und „Revolution“. Dies steuert auf die Frage zu, wie eine konservative Revolution aussähe und wie sich eine solche Revolution von Reformen und Restaurationen durch Konservative in der Geschichte unterscheide. Die Lebensreform charakterisierte er als eine Aussteigerbewegung, die weder modern noch reaktionär einzuordnen ist. Der Althistoriker Michael Stahl plädierte danach für die Überwindung des Prinzips der ökonomischen Beschleunigung innerhalb der Moderne. Er wünscht sich dafür eine Rückbesinnung auf die griechische und römische Antike. Seine Vorbehalte gegenüber der Moderne zeigen sich in der Kritik gegenüber dem Prinzip der Gewinnmaximierung, dem ewigen Fortschrittsglaube oder der zunehmenden Gottlosigkeit. Der zweite Tagungstag begann mit einem gemeinsamen Frühstück. Mit preußischer Ordnungsliebe wiesen die Herbergseltern den Teilnehmern jeweils ein Brötchen zu. An dieser Stelle muss die Beobachtung vorgetragen werden, dass die karge Verpflegung einzelne Teilnehmer dazu veranlasste in Erinnerungen an die Bundeswehr schwelgend Geschichten vom Küchenbullen in der Truppenküche oder der Verpflegung durch den Spieß im Geländeeinsatz zu erzählen. Ein nicht unterschlagbarer Teil wiederum verfiel in eine gewisse Melancholie und wünschte sich eine Rückkehr nach Schnellroda ins „heimische“ „Schäfchen“. Germanisierung des Christentums Wie dem auch sei, alle Teilnehmer waren gesättigt genug, um den folgenden Vortrag von Karlheinz Weißmann über „Deutschtum und Christentum“ zu hören. Mit Bezug auf Ernst Moritz Arndt, Paul de Lagarde und Emanuel Hirsch ließ sich jeweils der Eindruck gewinnen, dass ihre Überlegungen über eine Nationalkirche der Deutschen weniger eine Christianisierung des Deutschtums als mehr eine Germanisierung des Christentums war. Für ein konkretes Beispiel in der KR sorgte der Historiker Dietrolf Berg mit seinem Vortrag über den Wehrverband des Wehrwolfs. Berg stellte fest, dass solche Verbände, welche die Gewalt als politisches Mittel befürworteten, in allen politischen Richtungen zu finden waren, selbst bei den Demokraten (z.B. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold). Danach erzählte er die Geschichte des Wehrwolfs, gegründet als unmittelbare Reaktion auf die belgisch-französische Besetzung des Ruhrgebietes in Halle 1923. Mit anfänglichem Schwerpunkt in Mitteldeutschland und in Abhängigkeit des Stahlhelms gelang unter der Führung von Fritz Kloppe der Aufbau einer ideologischen Selbständigkeit und einer damit verbundenen Loslösung vom Stahlhelm. Berg skizzierte den Wehrwolf als eine weitestgehend aus Proletariern bestehende Bewegung mit ausgeprägtem antibürgerlichen und außerparlamentarischen Charakter. Wehrwolf: Außerparlamentarisch und aktivistisch aber erfolglos Der Wehrwolf avancierte zu einer Avantgarde unter den rechten Wehrbünden. Die Versuche, Einfluss im politischen Alltag der Weimarer Republik zu gewinnen, blieben dennoch erfolglos. Im Schatten der sich auf „legalem“ parlamentarischen Weg zur Zersetzung des Systems befindlichen NSDAP wurde der auf außenparlamentarischen Wegen befindliche Wehrwolf kaum in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Die 1933 befindlichen Reste des Wehrwolfes unterstellten sich der SA, um dem bereits partiell-örtlich beginnenden Verbot zu entgehen. Die Hoffnung, innerhalb der SA politischen Einfluss zu gewinnen, erfüllte sich auch nicht. Am Nachmittag stand der fünfte Vortrag auf der Tagesordnung. Mit Steffen Dietzsch und der „KR als Produkt der deutschen Geistesgeschichte“ wurde es wieder abstrakter. Er definierte konservatives Denken als eines unter keinem Zeitgeist stehendes, welches die Ewigkeit auf seiner Seite hätte und „das Grundlegende im Leben erkenne“. Danach erörterte Dietzsch drei wesentliche Züge des Konservatismus in der deutschen Geistesgeschichte. Erstens: die Reichsidee. Zweitens: die Haltung zur Freiheit. Und drittens: das „Anti-Politische“. Besonders die Umschreibung vom Anti-Politischen stieß in der sich anschließenden Gesprächsrunde auf Gegenwehr, prägte doch gerade der konservative Staatsrechtler Carl Schmitt den „Begriff des Politischen“. Alles neu denken, wie an einem ersten Tag Den Anfang am Sonntag machte Harald Seubert. Der Philosoph beschäftigte sich mit Heideggers Revolution. Energisch beklagte Seubert die Distanz, mit welcher die heutigen akademischen Philosophie-Institute der Bundesrepublik Heidegger begegnen und brandmarken. Die Fixierung der Interpretation von Heideggers Denken auf die Jahre 1933ff. sei geradezu ein Fetisch. Vielmehr müsse sein Werk im Kontext der Jahre 1918/19 gesehen werden. Der unmittelbare Eindruck des Ersten Weltkrieges sei überhaupt die Voraussetzung gewesen, alles neu zu denken, „wie an einem ersten Tag“. Seubert entließ seine Hörer mit den Worten, mit denen schon Heidegger bündisch motivierte Jugendlich auf seiner Schwarzwaldhütte in Todtnauberg einschwörte: „Wach sein am Feuer der Nacht.“ Die Kulturschwelle zwischen Damals und Heute. Oder: Strahlkraft KR Der letzte Vortrag handelte von der „Strahlkraft der KR“ und wurde vom Mitbegründer des IfS, dem Verleger Götz Kubitschek, gehalten. Um die Strahlkraft der KR zu ermessen oder sogar die Frage nach einer möglichen KR 2.0 zu beantworten, verdeutlichte Kubitschek die Kulturschwelle, welche die KR von „uns“ trenne. Für die Protagonisten der KR sei es „um alles oder nichts“ gegangen. Heute aber geht es nur um „mehr oder weniger“. Nie seien die Konservativen so zahm und zivil gewesen wie heute. Die Strahlkraft der KR stünde dazu im krassen Kontrast. Die Konservativen zu jener Zeit zeigten sich hart und kompromisslos, gewillt den dritten Weg, einen revolutionären und deutschen Weg zu beschreiten, so Kubitschek. Die Gründe hierfür sieht er in den vielen „jungen, physisch starken Männern“ in der Zwischenkriegszeit. Es komme jedoch hinzu, dass die Konservativen nach 1945 es versäumt hätten, eine Infrastruktur für politisches Engagement und Bildungsarbeit (z.B: konservative Privatuniversität) aufzubauen. Angesicht dieser unterschiedlichen Voraussetzung und den Verhältnissen im Umgang mit Andersdenkenden in der Bundesrepublik verneinte Kubitschek eine mögliche KR 2.0, betonte aber, dass einzelne Elemente der KR auch heute noch Strahlkraft auf Konservative ausüben könnten. Diese müssten die Konservativen von heute zu mehr Tatkraft anspornen, damit irgendwann nicht nur referiert und philosophiert wird, sondern auch politisch gehandelt. Ausgewählte Literatur: Armin Mohler: Die konservative Revolution in Deutschland von 1918-1932 Karlheinz Weißmann: Armin Mohler. Eine politische Biographie Friedrich Georg Jünger: Aufmarsch des Nationalismus Arthur Moeller van den Bruck: Das dritte Reich
(Bild 1: Armin Mohler, Bild 2: Oswald Spengler, Bild 3: Edgar Julius Jung) |