| Breiviks „2083 - Eine europäische Unabhängigkeitserklärung“: Anspruch und Wirklichkeit eines Manuskripts II |
|
|
|
| Geschrieben von: Hugo Bengal |
| Freitag, den 18. November 2011 um 00:00 Uhr |
|
Deren Symbol besteht aus einem von einem Kreuz aufgespießten Totenkopf mit Halbmond, Hakenkreuz sowie Hammer und Sichel auf der Stirn. Für Breivik symbolisieren sie die „drei Hassideologien, die wir bekämpfen“. Sogar einen Aufnahmeritus in diese krude Verbindung dachte er sich aus. Breivik hat sich ein wichtiges Detail bei muslimischen Attentätern à la Mohammed Atta abgeschaut: Grauenhafte Taten brauchen eine intellektuelle „Rechtfertigung“. Ein Video wirkt aber, gerade bei solch schlechter Qualität, in irgendeiner Form amateurhaft und kommt selten zur erwünschten Wirkung. Ein zusätzliches Manifest von über 1.500 Seiten benötigt wesentlich mehr Aufwand, Fleiß und Wissen. Es verdeutlicht also allein aufgrund seines Umfangs einen höheren intellektuellen Anspruch. Doch innerhalb des Manifests hagelt es Widersprüche. 2083- Eine europäische Unabhängigkeitserklärung steht also nicht nur im Widerspruch zu seinen Taten, sondern auch im Widerspruch mit sich selbst. Trotzdem: Breiviks Pamphlet basiert auf multikultureller Realität John Stuart Mill etwa zitiert er mit den Worten „Ein Einziger mit seinem Willen wiegt 100.000 andere auf, die nur Interessen haben“ und zieht ihn als einen der Philosophen für seine Gesellschaftsvision zurate. J. S. Mill jedoch war einer der Vordenker des von ihm so verhassten Feminismus. Außerdem sind diverse Textstellen eins zu eins Kopien, ohne dass eine Fußnote zu finden wäre. Beispielsweise kopierte Breivik bei den in Tagebuchform geschriebenen Erzählungen immer wieder Passagen aus dem Pamphlet des US-Amerikanischen Bombenlegers Ted Kaczynski hinein. Ersetzt wurden nur Begriffe wie „Schwarze“ durch „Moslems“ und „Linke“ durch „Kulturmarxisten“. Derart grobe Schnitzer leistet sich keiner, der im Alleingang das Erbe Europas retten will. Als Vorbild kann er damit für niemanden mit gesundem Menschenverstand dienen, auch nicht für Islamkritiker. Günter Grass schwadronierte nach den Anschlägen vom 11. September darüber, was wir als westliche Gesellschaft falsch gemacht hätten, dass Mohammed Atta und Konsorten solch einen Hass gegenüber „uns“ Westlichen entwickeln konnten. Schlägt ein muslimischer Migrant auf einen Deutschen ein, argumentieren bekannte Politiker folgendermaßen: „Gewalt ist immer auch ein Hilferuf!“ Bei Breivik wurde eine solche Diskussion nicht zugelassen. Führende Politiker und Intellektuelle haben nicht die Frage gestellt, ob der Mord an Theo van Gogh oder die Drohungen gegen den Karikaturisten Kurt Westergaard Anders Bering Breivik möglicherweise radikalisiert haben. Ebenso wurde nicht gefragt, ob er möglicherweise die wachsende Migrantengewalt selbst erlebt hat. In Oslo, der norwegischen Hauptstadt, werden laut aktuellen Polizeistatistiken angeblich 100 Prozent aller Vergewaltigungen durch nichtwestliche Einwanderer begangen. Doch es wehrt sich niemand. Angesichts dieser Fakten und Geschehnisse der letzten Jahre kann man die Taten Breiviks nicht einfach abfertigen. Probleme auf die er im Manuskript zurecht hingewiesen hat, werden nicht deshalb irrelevant, weil er sie mit verbrecherischen Massakern lösen wollte. Meinungssanktionierung würden Breivik nur bestätigen Bleibt die Frage, ob die deutsche Islamkritiker-Szene eine „geistige Mitschuld“ an den Anschlägen trägt, wie es Ercan Tekin auf der Seite Turkishpress.de unter dem Titel „Wilders, Sarrazin, Broder – geistige Brandstifter?“ und andere deutsche Journalisten es nahelegen. Keiner der angesprochenen deutschen Kritiker wird in den von Breivik selbst verfassten Passagen direkt erwähnt. Die Namen fallen lediglich in Aufsätzen des islamkritischen norwegischen Bloggers „Fjordman“, die von Breivik nahezu vollständig übernommen wurden. Im Falle Broders taucht sein Name sogar nur innerhalb eines von ihm gegebenen Interviews mit einer niederländischen Zeitung auf, welches „Fjordman“ zitierte. Um drei Ecken ein Brandstifter? Direkt zitiert Breivik beispielsweise den Deutschen Immanuel Kant, der leider schon über 200 Jahre tot ist, ohne das vorher jemand auf Grundlage seiner Worte gegen den Islam einen Terroranschlag verübte. Ärgerlich für jene, die gerne etwas „einfacher“ denken, denn die Liste der Islamkritiker ist so lang und so international, dass man „den Deutschen“, wohl kaum für die Taten in Norwegen verantwortlich machen kann ohne sich selbst zu entlarven. Sanktionen gegen Islamkritiker würden in diesem Fall Breivik bestätigen, denn: „Ziel ist nicht nur, das Schreiben oder Sprechen dieser ‚falschen Gedanken? zu unterdrücken, sie möchte schon das Denken dieser Gedanken verhindern. Am Ende ist das Ergebnis zwangsläufig das Konzentrationslager, der Gulag und das Grab.“ Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg (Sozialdemokratische Arbeiterpartei) erklärte nach den Anschläge, die Antwort auf das Massaker in seinem Land dürfe nicht in einem Weniger an Freiheit bestehen, sondern es müsse ein „Mehr an Freiheit“ sein. Sobald diesen weisen Worten die richtigen Taten folgen, ist dieser Satz wohl die beste Konsequenz, die man aus Breiviks Verbrechen ziehen kann. Ein Mehr an Überwachung, noch mehr Kontrolle, noch mehr „Sicherheit“ an den falschen Stellen schürt nur weiteren Hass, weitere Aggressionen und führt zu Taten, die eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft in keinster Weise akzeptieren kann. Hier geht's zum ersten Teil des Beitrags. |