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Warum ein Interesse des letzten Wortes eines Menschen vor seinem Ableben allgemein vorhanden ist, mag daran liegen, dass jeder von uns einmal seine letzten Worte spricht. Vielleicht werden wir philosophische, hintergründige Worte sprechen, vielleicht noch einmal Sätze formen, die repräsentativ für unser Leben stehen. Vielleicht werden wir aber auch nur unverständlich vor uns hin reden können oder werden wir gar allein sein wenn das Schicksal der Sterblichen uns einholt? Fest steht jedoch, dass wir etwas sagen werden. Denn selbst ein Komapatient hat vor seinem Unfall, auch wenn dieser schon Jahre zurückliegt, letzte Worte gesprochen. Wenn man sich also mit letzten Worten im Leben eines Menschen beschäftigt, lautet die Frage nicht, ob der Verstorbene letzte Worte hinterlassen hat, sondern welche er gesprochen hat.
Der Tiroler Unabhängigkeitskämpfer Andreas Hofer: „Ach wie schießt ihr schlecht!“
In Folge der dritten Koalitionskämpfe 1805/06 wird Tirol Hoheitsgebiet des neuen Königreichs Bayern, zu jener Zeit ein Vasallenstaat des napoleonischen Frankreichs. Unmut über die Fremdherrschaft wird zwischen Salurn und Kufstein laut. Als den Tirolern auch noch religiöse Traditionen wie Abhalten von Prozessionen und Wallfahrten verboten wird und junge Tiroler zum bayerischen Heer rekrutiert werden, regt sich offener Widerstand in der Bevölkerung unter Führung des Sandwirts Andreas Hofer.
Am 22. November 1767 wird im Süd-Tiroler Passeiertal Andreas als Sohn des Wirts Josef Hofer geboren. Später wird er der berühmteste Freiheitskämpfer Tirols werden, an welchen bis zum heutigen Tage zahlreiche Denkmäler und Straßennamen erinnern. Hofer ist als Deutscher anzusehen, zählte sein Geburtsort doch 1767 zum noch existenten Deutschen Reich. Zusätzlich wurde er beinah durchgehend in zeitgenössischer Literatur als Deutscher bezeichnet. So ist Hofer im 1827 erschienen „Lexikon der lebenden Teutschen oder das gelehrte Teutschland“ verzeichnet.
Der Rebell Andreas Hofer führt seine Männer zu zahlreichen Siegen über Bayern und Franzosen wie bei der berühmten Schlacht am Berg Isel. Die zahlenmäßige Überlegenheit der pro-napoleonischen Truppen führt schließlich zur Niederschlagung des Tiroler Volksaufstandes. Hofer muss in den Untergrund abtauchen, wird aber von Franz Raffl an die Franzosen verraten. Ins „Welsch-Land“ verschleppt, wird Hofer in Mantua zum Tode verurteilt und am 20. Februar 1810 von Franzosen und Italienern erschossen.
Zu Mantua in Banden der treue Hofer stand …
Über den genauen Ablauf seiner Erschießung und auch über seine letzten Worte sind sich die Historiker nicht einig. Die Vielzahl der Behauptungen ist groß und macht es schwierig das wirkliche letzte Wort zu finden. Die berühmteste Version seiner letzten Worte findet sich in der Tiroler Landeshymne. Der Verfasser Julius Mosen, welcher zuvor eine Reise nach Tirol unternahm und mit Zeitzeugen des Aufstandes sprach, berichtet von Hofers letzten Worten:
„Gebt Feuer! Ach, wie schießt ihr schlecht, ade mein Land Tirol.“
Dass Hofer den Feuerbefehl selbst gibt, erzählt auch der erste Geschichtsschreiber über Andreas Hofer, Joseph Hormayr in seinem 1817 – also nur sieben Jahre nach der Hinrichtung Hofers – erschienen Buch „Die Geschichte Andreas Hofer ´s“. Hormayr schreibt:
„Den Korporal erinnert er (gemeint ist Hofer) ,gut zu schießen´ und schenkte ihm einen seiner Tyroler Zwanziger, der ihn noch in diesen Augenblicke wieder an sein unglückliches Vaterland erinnerte. (…)Darauf rief er: ,Gebt Feuer!´“
In einer späteren Ausgabe aus dem Jahre 1845 ergänzt Hormayr die Aussage Hofers:
„Ganz kurze Zeit würden sie (gemeint sind Hofers Getreuen) doch an Kaiser Franz zurückkehren, welchen Hofer mit unerschütterte Stimme noch das Vivat zurief.“
Also, „Es lebe Kaiser Franz!“ Aber auch in dieser Fassung Hormayrs Geschichtsbuch sind Hofers letzte Worte „Gebt Feuer!“. „Vivat Kaiser Franz“ habe der Sandwirt demnach zuvor ausgesprochen.
Auf wikipedia.org wird im völligen Gegensatz dazu die Behauptung aufgestellt, Hofer habe zuletzt gesagt:
„Franzal (gemeint ist der österreichische Kaiser Franz I), das verdank ich dir!“
In jeder Erzählung jedoch wird Hofers letzter Gang als unerschüttert und unerschrocken beschrieben. Berichtet wird auch, dass Hofer sich nicht die Augen verbinden lassen und auf keinen Fall niederknien wollte. So bringt das Buch „Democratic Review“, erschienen 1852 in New York, in einem wunderbaren Satz Hofers Erschießung auf den Punkt: „He died with the courage of a hero.“
Der Revolutionär Robert Blum: “Ich sterbe für die deutsche Freiheit, für die ich gekämpft. Möge das Vaterland meiner eingedenk sein!“
Ebenfalls im süddeutschen Raum beweist der patriotische 48er-Revoltionär Robert Blum großen Heldenmut. Am 10. November 1807 wird Blum in Köln geboren. Als Verfechter der Großdeutschen Idee wird er Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung. Als im Herbst 1848 deutsch-liberale Studenten in Wien einen Aufstand erproben, möchte Blum nicht tatenlos bleiben. So reist er aus solidarischer Überzeugung in die Hauptstadt der Habsburg-Monarchie und nimmt an den anti-reaktionären Barrikadenkämpfen teil. Ungeachtet seiner Unantastbarkeit als gewählter Abgeordneter des deutschen Volkes wird er schließlich gefangen genommen und am 8. November 1848 unter dem Vorwurf der Aufwiegelei zum Tode verurteilt.
An seinem Geburtshaus in Köln erinnert zu Ehren des Freiheitskämpfers Robert Blum eine Tafel mit seinen letzten Worten an seine revolutionären Taten.
Der Ruhrkämpfer Albert Leo Schlageter: „Grüßen Sie mir meine Eltern, Geschwister und Verwandten, Freunde und mein Deutschland“
Als sechstes von elf Kindern einer Bauernfamilie wird Albert Leo Schlageter am 12. August 1894 in Schönau im Schwarzwald geboren. Wie so viele meldet sich auch Schlageter 1914 freiwillig zu den Waffen. Im 1. Weltkrieg erweist sich der Leutnant in Schlachten wie der bei Verdun, an der Somme oder in Flandern als äußert tapfer und wird mit den Eisernen Kreuz erster und zweiter Klasse ausgezeichnet.
Nach dem Krieg immatrikuliert sich Schlageter 1919 an der volkswirtschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg. Als aber im selben Jahr die Rote Armee das Baltikum bedroht und unweit der ostpreußischen Grenzen steht, befürchtet Schlageter eine Gefahr für Deutschland und meldet sich zum Freikorps Medem. Später kämpft Schlageter gegen polnische Freischärler, welche Oberschlesien unsicher machen. Doch sein Schicksal offenbart sich jenem jungen Patrioten erst, nachdem sich Frankreich 1923 völkerrechtswidrig dem Ruhrgebiet bemächtigt.
Wieder kann Schlageter nicht wegsehen und so reist er mit einigen Kameraden und gefälschten Pässen Richtung Rhein und Ruhr. Dort hat inzwischen die deutsche Bevölkerung den passiven Widerstand begonnen und weigert sich für die Franzosen zu arbeiten. Schlageter führt den „Stoßtrupp Essen“ an, welcher versucht, jenen passiven Widerstand in einen aktiven umzuwandeln. So sprengen die Ruhrkämpfer Eisenbahngleise und sperren Kanäle, um den Abtransport deutscher Kohle nach Frankreich zu verhindern. Wahrscheinlich durch Verrat wird Schlageter am 7. April verhaftet und am 26. Mai 1923 in der Golzheimer Heide bei Düsseldorf von den Franzosen wegen „Sabotage und Spionage“ erschossen.
Zeitgenössische Literatur überliefert Schlageters letzte Worte mit „Auf Wiedersehen“, die NS-Geschichtsschreibung mit „Es lebe Deutschland!“
Für beide Versionen gibt es keinerlei historische Belege. Die einzigen, die von Schlageters letzten Worten mit Sicherheit wissen können, sind sein Rechtsanwalt Dr. Sengstock und die Gefängnisgeistlichen Roggendorff und Fassbender, die Schlageter auf seinem letzten Gang begleiteten. Diese drei Augenzeugen sind die Verfasser des Buches „Albert Leo Schlageter. Seine Verurteilung und Erschießung durch die Franzosen am 26. Mai 1923.“Hier werden zweifelsfrei und glaubwürdig Albert Leo Schlageters letzte Worte überliefert. Aus einem seiner letzten Briefe aus der Todeszelle an seine Eltern können wir auch schließen, warum Schlageters letztes Wort gerade seinem Vaterland, „Deutschland“ gilt:
„Seit 1914 bis heute habe ich aus Liebe und reiner Treue meine ganze Kraft und Arbeit meiner deutschen Heimat geopfert. Wo sie in Not war, zog es mich hin, um zu helfen. Das letzte Mal hat mir gestern mein Todesurteil gebracht.“
Der Widerstandskämpfer Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg: „Es lebe das heilige Deutschland!“
Stauffenberg zählt wohl zu den berühmtesten und meist verehrten Deutschen der Zeitgeschichte. Alljährlich legen hohe Repräsentanten wie der Bundeskanzler zur Annerkennung des Attentäters im Berliner Bendlerblock Kränze nieder. Seine letzten Worte sind Zeugnis seiner Vaterlandsliebe.
Stauffenberg wird am 15. November 1907 als dritter Sohn einer Adelsfamilie in Jettingen, nahe Ulm geboren. Nach Abschluss seines Abiturs entschließt er sich für eine Karriere beim Militär. Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 spricht sich Stauffenberg noch für Hitler aus. Auch noch zu Beginn des Zweiten Weltkrieges befürwortet der Offizier das Regime. Vor der Katastrophe von Stalingrad 41 erkennt jedoch Stauffenberg zum einem die Unmenschlichkeit der NS-Herrschaft und vor allem Hitlers Militärisches Unvermögen. Der Patriot befürchtet für Deutschland das schlimmste und plant den militärischen Putsch, um eine Niederlage Deutschlands abzuwenden. Am 20. Juli 1944 platziert er schließlich eine Zeitzünderbombe neben Adolf Hitler. Vom Oberkommando der Wehrmacht im Bendlerblock in Berlin aus versuchen die Putschisten die Kontrolle über das Ersatzheer zu erlangen. Als die Nachricht vom Überleben Hitlers durchdringt, geht der Plan des Umsturzes zu Nichte. Der Rache der Nationalsozialisten kommt der Mitverschwörer Erich Fromm zuvor und lässt, um seine Beteiligung am Staatsstreich zu verschleiern, die Männer des 20. Juli standrechtlich erschießen.
In der Nacht zum 21. Juli fahren im Innenhof des Bendlerblocks LKW vor, welche mit Scheinwerfen dem Exekutionskommando klare Sicht ermöglichen sollen. Vielleicht sind die lauten Motoren der Fahrzeuge der Grund dafür, dass für die letzten Worte des Claus Graf Schenk von Stauffenbergs mehrere Versionen existieren. Delia Ziegler, Sekretärin Walter Ollbrichts, überliefert Stauffenbergs letzte Worte wie folgt: „Heiliges Deutschland!“ Albert Thon von der Fahrbereitschaft des Bendlerblocks meint gehört zu haben: „Es lebe Deutschland, ohne den Führer.“
Von der Version Stauffenbergs letzter Worte „Es lebe das heilige Deutschland!“ berichten übereinstimmend die meisten Augenzeugen, wie Wolfram Röhrig, Chef der Nachrichtenzentrale des Bendlerblocks, genau wie von Winterfeldt oder auch Karl Schweizer, der persönliche Fahrer des Oberst von Stauffenberg.
Wohl aus Respekt vor jenem Oberst rief der Stauffenberg-Darsteller des Hollywood-Streifens „Valkyrie“ Tom Cruise bei der Bambie-Verleihung 2007 am Ende seiner Rede den Deutschen, die so oft keine Deutschen sein wollen, die letzten Worte des Widerstandkämpfers ins Gedächtnis: „Es lebe das heilige Deutschland. Mögen wir dies, meine Damen und Herren nie vergessen.“
Für diese Worte erntete Cruise jedoch wahrscheinlich wider seinen Erwartungen nur Hohn und Spott. Der NDR bezeichnete den Auftritt von Cruise als „Peinliche Ehrung“. Laut NDR haben manche Zeitungen Cruise pro-deutschen Worte sogar als „völlig durchgeknallt“ tituliert.
Andreas Hofer, Robert Blum, Albert Leo Schlageter und Stauffenberg haben nicht nur das geopfert, was ein Mensch überhaupt geben kann, nämlich sein Leben, sie haben dabei auch nicht vergessen, wofür sie es taten. Ihre letzten Gedanken lagen bei ihrem Kaiser, ihrer Freiheit und ihrem Deutschland. Sie starben nicht einfach so, sie starben für eine Idee. |