Startseite Gesichtet Blaue Narzisse vor Ort: Dillon am 16. Februar in Leipzig
Blaue Narzisse vor Ort: Dillon am 16. Februar in Leipzig PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Karin und Olof Hansen   
Mittwoch, den 22. Februar 2012 um 05:20 Uhr

Wir gehören ja zu den BN-Lesern der ersten Stunde. Unsere kulturelle Sozialisation beruht quasi nur hierauf. Früher haben wir ja immer Shakira gehört. Seitdem die BN jedoch zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden ist, hören wir Dillon. Als wir neulich auf einem Konzert von The Knife in Leipzig waren, stand uns eine große Überraschung bevor…

Auf der Bosestraße kommt uns also so ein Typ entgegen mit zwei Karten in der Hand, erzählt irgendwas von „ ausverkauftes Zusatzkonzert“ und The Knife und daß er „die Karten jetzt ganz schnell loswerden“ muß, weil er „einen Termin hat“ und da „nicht hin kann“ und überhaupt und jedenfalls, ob wir die Karten kaufen wollen, jetzt!!!? Wir geben ihm zwanzig Euro bar, das Konzert beginnt in drei Minuten, eigentlich wollten wir noch zu Netto, naja. Auf seiner Jacke steht hinten auch The Knife drauf. Geil, denken wir.

Das lang erwartete „Knife“-Konzert: Endlich ist es soweit!

Genau wie im sagenumwobenen Gothenburg-Konzert, dem letzten Live-Auftritt der Band seit 2006 übrigens, ist erst mal unheimlich viel Nebel auf der Bühne. Die beiden kommen raus – wir heulen vor Glück. Jahrelang wartete die Welt darauf, die beiden wieder zusammen auftreten zu sehen. Karin Dreijer Andersson trägt wieder ihr weites, schwarzes Kleid und die langen Haare glatt und offen. Olof Dreijer ist ebenfalls in schlichtes Schwarz gekleidet. Auf der Bühne befinden sich zwei Podeste, er nimmt rechts am Mischpult Platz, sie hat neuerdings auch ein Klavier vor dem Mikroständer stehen.

Auf sein Zeichen hin walzen die Elektro-Beats alles nieder, hinten zünden die Flak-Scheinwerfer, um die Saaldecke im Leipziger Centraltheater abzusuchen. Sie nimmt ihre charakteristische Geisterbeschwörer-Pose ein. Das erste Lied hat keinen Text, wahrscheinlich ein Neues, denken wir. Das zweite Lied kommt uns dann doch irgendwie bekannt vor, wir denken so: Hoi! Teufel noch eins! Das ist doch die Dillon!!! Wir erinnern uns an die Artikel von BJZ, der die Dillon ja auch irgendwie privat kennen muß…

Dillon!Dillon!!Dillon!!!Dillon!!!!Dillon!!!!! (Dillon!!!!!!)

Bislang war die ja mehr als Vorband tätig oder gab Konzerte mit Wohnzimmeratmo. Ganz offensichtlich hat sie jetzt andere Vorbilder. Nach ihrem im letzten Jahr erschienenen Album kann sie ja jetzt auch auf die Kacke hauen und geht auf Distanz zum Publikum. Während sie in Stuttgart bei der Vorband noch selbst im Publikum gestanden haben muß, sitzt dieses heute in einem Theater. Durch den Nebel und die Beleuchtung sieht man Dillon während des Konzertes so gut wie nicht. Es gibt keine Vorband mehr, dafür hat sie heute den Tamer dabei. Der kümmert sich fast ausschließlich um die Musik und hält ihr so für den Gesang den Rücken frei.

Auch wenn wir in dieses Dillon-Konzert eher hineingeschlittert sind, sind wir froh, dagewesen zu sein. Die Mischung aus Neunzigerjahre-Rave-Stroboskop-Anleihen, zugegebenermaßen großer Nähe zu The Knife und Selbstzitaten wie dem ersten Hit „Contact Us“, ergaben unterm Strich doch etwas Einzigartiges. Damit ließ sich auch gut das häßliche Hipster-Publikum ertragen. Dieser Abend zeigt: BN lesen rettet Dein Leben. (Nein, wir bekommen kein Geld für diesen Artikel.)

 
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