| Der Stil der Jugend |
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| Geschrieben von: Benjamin Jahn Zschocke | |
| Montag, den 14. April 2008 um 02:00 Uhr | |
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In Zeiten des Überflusses und Wohlstands Zur Betrachtung der Stilentwicklung des Jugendstils sollte man sich die Geschichte Mittel- und Nordeuropas sowie Spaniens vergegenwärtigen. Europa befand sich in der Epoche der Hegemonialbestrebungen und des Kolonialismus. Gerade die aristokratischen Schichten der mächtigen Staaten wie England, Frankreich, Spanien und Deutschland befanden sich in einer Zeit des Überflusses und Wohlstandes. Um 1870-90 zeigten die Zeichen erst sehr langfristig auf ein Ende dieses damals recht konstanten Friedens. Die europäischen Staaten ernteten die Früchte ihres Weltmachtstrebens. England und Frankreich waren reich an Kolonien, Kunst und Handel blühten auf und das Deutsche Reich unterstrich seine internationale Bedeutung in der Schwer- und Leichtindustrie. Zwar keimten an den Rändern dieser Ballungszentren in Elendsvierteln und Arbeitersiedlungen schwere Konflikte auf, doch diese hielten die wohlhabenden Handels- und Geschäftsleute ebensowenig wie die Großunternehmer und Adligen davon ab, sich Villen und Prachtbauten zu errichten, die deren Reichtum zur Schau stellten. Die in dieser Zeit entstandenen Kunstwerke, vor allem die architektonisch relevanten Merkmale, werden heute als Historismus – in Deutschland als Wilhelmismus – bezeichnet. Erstmals entstand der Gedanke eines Gesamtkunstwerkes. Basis dafür war die bürgerliche Villa bzw. das Stadthaus. In diesem war vom Geschirr, über die Möbel bis hin zu den Wandbehängen und Gardinen alles von Künstlern dieser Zeit entworfen. Man achtete auf das gerichtete Komponieren von Farben und Formen, wählte die Gemälde, welche oft extra geschaffen wurden, passend zu Wandfarbe und Deckenbeleuchtung. Alles sollte wie aus einem Guß wirken. Inhaltlich schuf man indes nichts Neues. Der Historismus zitierte lediglich. Gerade die Bauten des Wilhelmismus zitierten aus fast allen vorangegangenen Kulturepochen. Begriffe wie Neogotik und Neoklassizismus entstanden. Eine der wichtigsten Zeugnisse dieser Zeit ist unter anderem die Wiener Ringstraße, welche in ihrer stilistischen Geschlossenheit das Wesen des Historismus bis heute wohl am treffendsten widerspiegelt.Farbenfroh, dekorativ und unsymmetrisch Um 1883 kam es in England zu einer wichtigen Veränderung. Eine aus einer Kunstwerkstatt für manuelle Herstellung von künstlerischen Alltagsgegenständen (ähnlich dem heutigen Industriedesign) heraustretende Künstlergruppe gründete die „Arts and Crafts Exhibitions Society“, welche vor allem durch den Einfluss der damals sehr beliebten japanischen Kunst begann, Malerei, Graphik, aber auch Design mehrheitlich von Naturformen bestimmen zu lassen. Man griff den im Historismus geprägten Gedanken des Gesamtkunstwerkes auf, kehrte sich aber sonst grundlegend von den damals aktuellen Regeln des Kunstschaffens ab. Das dekorative Gestalten unter dem starken Einfluss der Naturformen fand auch in Frankreich, welches sich von seiner „Belle Epoque“ zu lösen begann, und ebenso in Deutschland und Spanien viele Anhänger. Die Basis des Gesamtkunstwerkes blieb die Villa oder das Stadthaus, dessen Gestaltung nun aber vom strengen Duktus des Historismus abwich und die farbenfrohe, dekorative und unsymmetrische Gestaltungsweise in den Vordergrund stellte. Ähnlich ihres Vorgängers erschienen Manifeste und Zeitschriften – allen voran die Münchner Zeitschrift „Jugend“, welche der Epoche später ihren Namen geben sollte. Bis heute sind vor allem die Namen des spanischen Architekten und Malers Antoni Gaudi i Cornet, welcher die weltberühmte Kathedrale „La Sacra Familia“ und viele andere einzigartige Bauwerke in Barcelona schuf, aber auch die Namen der beiden Wiener Maler Egon Schiele und Gustav Klimt unvergessen. Beide arbeiteten im Kreis der „Wiener Sezession“ und stehen heute wie niemand sonst für die Jugendstilmalerei. Klimts dekorativer Pluralismus kontrastierte Schieles zeichnerischen Minimalismus, doch beide einte ein Thema: die Natur des Menschen, welche im Akt am ausdrucksstärksten hervortritt.Weitere bedeutende Zentren waren neben London (Arts and Crafts), Barcelona und Wien (Sezession) auch Paris und Nancy (Art Nouveau), Belgien und die Niederlande (De Stijl) sowie einige Städte in Skandinavien und auf dem Baltikum. Jugendstil in Deutschland Die deutschen Zentren des Jugendstils waren unbestreitbar München und Darmstadt. In beiden Städten blühte das vom Kaiserreich mit großem Mißtrauen verfolgte Treiben der jungen Erneuerer auf. In beiden Zentren errichte man Gebäude im Jugendstil, plante nach neuen Raumkonzepten und schuf dazu eine Vielzahl von Gemälden, Alltagsgegenständen, Modeartikeln und Kleidung. Bedeutende Namen waren dabei Otto Eckmann, Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens, aber auch die Maler Max Liebermann, Franz von Stuck und Max Klinger zählten teilweise dazu. Berlin war als Reichshauptstadt nach wie vor vom wilhelminischen Prunk überladen, was eine wirkliche Etablierung des Jugendstils, ähnlich der Vorbilder München und Darmstadt, verhinderte. Einzig die Manufakturen und Werkstätten florierten. Berlin wurde so zum Zentrum der Herstellung
Der Bruch, die Brüche Während seiner gesamten Hochzeit (zwischen 1883 und 1906) war der Jugendstil von verschiedenen Strömungen beeinflusst, welche sich nicht selten widersprachen. Die Größe der Bewegung, welche sich in fast ganz Europa ausbreitete, machte damals eine eindeutige Einordnung unmöglich. Man verstand sich als Mitglied der Wiener Sezession oder der Arts and Crafts-Bewegung. Erst die neueren kunstgeschichtlichen Betrachtungen glichen die Unterschiede an und betonten die Gemeinsamkeiten. Dadurch entstand der umfassende Begriff des Jugendstils, welcher zu Zeiten seines Bestehens nicht wirklich treffend war. Sein Ende lässt sich schließlich auf die Dresdener Kunstgewerbeausstellung 1906 datieren. Viele Jugendstil-Künstler gaben dort den Anstoß zur erneuten Veränderung und legten die Farbenpracht und Dekorativität ad acta. Die neuen Leitbilder hießen nun Sachlichkeit, Realität, Schlichtheit. Die sich langsam zuspitzenden politischen Ereignisse setzten dem jugendlichen Frohsinn somit früh ein klares Ende. |