| Die Romantik und Deutschland |
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| Geschrieben von: Benjamin Jahn Zschocke |
| Dienstag, den 02. Dezember 2008 um 02:00 Uhr |
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Die Aufklärung wird infrage gestellt Caspar David Friedrichs Gemälde „Klosterfriedhof im Schnee“ besitzt alles, was heute mit dem Wesen der Romantik verbunden wird: Mystizismus, Idealisierung der menschlichen Existenz, eine dominante Naturgewalt sowie allerhand Symboliken, allen voran die obligatorische Ruine. Eine eingehende Beschäftigung mit Friedrichs umfassendem Werk lässt schnell erkennen: Die wenigsten seiner Gemälde sind wirklich rationale beziehungsweise realistische Abbildungen von Natur- oder Alltagsszenen, wie dies vielleicht auf den ersten Blick scheinen könnte. Vielmehr verkörpert sein Werk wie so viele der letzten romantischen Epoche die absolute Idealisierung des Seins. Nur selten tragen Friedrich- Friedrichs, aber auch Ludwig Richters, Joseph Freiherr von Eichendorffs oder der Gebrüder Grimms Menschentypen sind keine reinweg rational handelnden Forschergeister, keine Erfinder oder antik geprägten Weltveränderer, sondern meist introvertierte, von einer Vielzahl irrationaler Strömungen durchflossene Gefühlswesen, deren Wirkung stets nach innen geht. Dieser Trend setzte sich in den letzten Jahren dieser Epoche fort bis zur so genannten Spuk-Romantik, deren Hauptvertreter E.T.A. Hoffmann ein Feuerwerk an Grusel- und Schauergeschichten ersann. Der Wesenskern dieser Zeit lag, anders als in der Aufklärung, im Erziehen, Bilden und Läutern des Betrachters und Lesers, mehrheitlich in der Verklärung desselben, dessen Ausbildung vor allem den schwierigen politischen Verhältnissen dieser Tage geschuldet war. Zwischen Napoleon, Wartburgfest und Karlsbader Beschlüssen Die wie immer verspätet in Deutschland eintreffenden Nachwehen der politischen Erstlingstaten des französischen Nachbarn, in diesem Falle der Revolution von 1789, läuteten die unwiederbringlich letzten Jahre des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ ein. Das immer mehr im Partikularismus versinkende einstige Megareich fand mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 sein vorläufiges-, und mit der durch Napoleon inszenierten Rheinbundgründung nur drei Jahre später sein definitives Ende. Dieser umfasste, mit der nicht unwesentlichen Ausnahme Preußens und Österreichs, beinahe alle deutschen Staaten. Die in diesem Gebiet verbreitete pro-französische beziehungsweise äußerst progressive Einstellung ist typisch für die ersten Jahre der aufkeimenden Romantik und wurde besonders durch Friedrich und August Wilhelm Schlegel, Ludwig Tieck und Novalis geprägt. Die sich in den Folgejahren entwickelnden politischen Grundlagenveränderungen, nämlich die schrittweise Entmachtung des ganz Europa überspannenden napoleonischen Besatzungsapparates, fand 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig sein deutsches- und schließlich in Waterloo sein europäisches Ende. Die mit dem Sieg über Napoleon verbundene Euphorie entfachte in Deutschland eine bislang ungekannte Welle an Patriotismus und Vaterlandsliebe, welche sich vor allem im Wunschstreben der deutschen Burschenschafter nach einem Deutschen Reich, aber auch im Wiederentdecken deutscher Sprach- und Geisteskultur widerspiegelte, welche die zweite, also die Hochphase der Romantik maßgeblich prägte. Verlief deren Entwicklung zu Anfang noch stromgleich mit der der Klassik, erfolgte mit den Befreiungskriegen der endgültige Bruch. Erst mit der Restauration der Verhältnisse, also dem Wiener Kongress 1815 und allen sich daraus ergebenden Repressalien wider der pro-deutschen Bewegung in Politik und Kultur wie den „Karlsbader Beschlüssen“ und der „Demagogenverfolgung“, kühlten die ersten Gefühlsausbrüche schnell ab. Die großen europäischen Hegemonien sahen in einem Deutschen Reich ein unkalkulierbares Risiko und inszenierten mit dem „Deutschen Bund“ einen losen Staatenbund, welcher von willigen und den Großmächten hörigen Fürsten gegen den Willen des Volkes durchgesetzt wurde. Die sich so ergebenden politischen Zwangsverhältnisse bestimmten die Phase der Spätromantik. Die Devise lautete fortan „Rückzug“. Die Romantik bietet mehr als entlaubte Eichen im Schnee Innerhalb der epochalen Dreiteilung der Romantik in Früh-, Hoch- und Spätphase nimmt letztere den weitaus längsten Zeitraum ein und wird heute sicherlich als „die“ romantische Epoche schlechthin verstanden. Das liegt in der im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Phasen beinahe zweieinhalbmal so langen Zeitspanne begründet, welche diese umfasste. Während die Frühromantik etwa 1795 einsetzte und bereits gut zehn Jahre später in die Hochromantik überging, erstreckte sich die Schlussepoche von 1815 bis etwa 1840. Und dabei begann die Romantik ganz anders. Besonders jüngeren Dichtern dieser Zeit stand der Sinn nach Veränderung. Die starren Schönheits- und Formideale der Klassik galten als überholt und sollten durch eine „progressive Universalpoesie“ (Friedrich Schlegel, 1798) abgelöst werden, Die Hochromantik formierte sich unter dem Leitbild einer „Poetisierung der Welt“ in Berlin und Heidelberg. Die leise aufkeimende politische Aufbruchsstimmung zu Beginn der Ära Napoleons hatte sich nun in Richtung und Intensität verändert. Der französische Imperator wurde nicht länger als Befreier verehrt, sondern als Besatzer empfunden. Der Wunsch nach nationaler Einheit und Freiheit war in den Kreisen der romantischen Dichter, Philosophen und Maler äußerst verbreitet. Die Beschäftigung mit deutschem Sprach- und Kulturgut ist besonders am Namen der Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm festzumachen. Diese förderten nicht nur die hingebungsvolle Beschäftigung mit deutschen Märchen und Sagen, sondern reformierten auf diesem Wege auf das Deutsche Wort. 1819 erschien die erste Grammatik, ab 1838 entstand das mehrbändige Deutsche Wörterbuch. Auch Clemens Brentano und Achim von Arnim befassten sich mit dem Deutschen Dichtungs- und Liedgut. 1806 erschien die Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“. Adalbert von Chamisso und weitere Maler wie Carl Wilke, Ferdinand Georg Waldmüller und Franz Krüger bestimmten den Zeitabschnitt der Spätromantik. Die politische Zwangslage dieser Tage bedingte eine starke Neigung zum Naturmotiv und eine Verharmlosung beziehungsweise Idealisierung des Mittelalters, als Symbol für christliche Frömmigkeit und die ehemalige Einheit des Deutschen Reiches. Vergleicht man das sich nach Freiheit sehnende Gemälde Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ von 1818, etwa mit einem Werke Carl Spitzwegs, so zum Beispiel „Der Briefbote im Rosenthal“ von 1858, wird schnell deutlich, wie vielschichtig auch diese letzte Sphase der Romantik war. Waren die Kunstwerke der Zeit kurz nach der Enttäuschung der Restauration noch von dem vorangegangenen Freudenrausch und der somit um so tiefer empfundenen Verbitterung geprägt, hatte man es sich zu Zeiten Spitzwegs bereits gemütlich in seiner Unfreiheit eingerichtet. Zwar herrschten Zensur und Bevormundung, aber die breiten Schichten lebten in Frieden und Wohlstand. |