Startseite Gesichtet Joseph von Eichendorff: Ein mustergültiger Romantiker
Joseph von Eichendorff: Ein mustergültiger Romantiker PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Felix Menzel   
Mittwoch, den 03. Dezember 2008 um 02:00 Uhr

Joseph von EichendorffSeptember 1805. Ein siebzehnjähriger Student begibt sich mit seinem eineinhalb Jahre älteren Bruder und einem weiteren Weggefährten zu einer siebzehntägigen weitestgehend zu Fuß unternommenen Wanderung durch den Harz sowie das an die Ostsee grenzende norddeutsche Land. Trotz der politischen Wirren der damaligen Zeit konnten sich diese Jugendlichen noch ganz dem reinen Naturerlebnis ergeben und es in vollen Zügen genießen. Einer der jungen Burschen führte über diese Fahrt auch ein Reisetagebuch, aus dem ich euch einen Ausschnitt nicht vorenthalten will.

„Oft blieben wir stehen, u. schauten in die schwartzen waldigen Thäler hinab, zwischen denen sich oft plötzlich eine unbeschränkte Aussicht in gantze Länder eröffnet. Jetz empfing uns ein Wald von kleinem aber dichtem Nadelgehöltze, aus dem wir erst herauskamen, als wir den freyen Gipfel der Heinrichshöhe erreicht hatten.“ Bei diesem Verbindungsstudent der Silesia Halle handelt es sich um den romantischen Dichter von Wanderliedern Joseph von Eichendorff.

Schon früh entdeckt Eichendorff seine Literatur- und Naturliebe

Die Naturliebe des am 10.März 1788 geborenen adligen Schlesiers trat bereits in seiner frühesten Kindheit in Erscheinung. So begeisterte ihn der heimische Garten des Schlosses, auf dem er aufwuchs. Der Garten spielt auch in seinen wichtigsten Werken, wie zum Beispiel seinem bekanntesten, der Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“, eine bedeutende Rolle.

Seine zweite Leidenschaft war von jungen Jahren an die Literatur. Diese machte sich nicht nur im Lesen von Büchern berühmter Autoren (beispielsweise Schiller) bemerkbar, sondern auch durch sein Mitwirken im Schülertheater und den häufigen Theaterbesuchen bei seinem Schul- und Studienaufenthalt in Breslau von 1801 bis 1805. Aus der Endphase dieses Lebensabschnittes Eichendorffs stammen auch seine ersten Gedichte. Wenige Zeit später wurden seine ersten poetischen Ergüsse unter dem Pseudonym Florens in der Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst veröffentlicht. Zu dieser Zeit studierte Eichendorff nach einem kurzen Studiumsaufenthalt in Halle bereits in Heidelberg.

Seine Studienjahre wird Eichendorff sein Leben lang vermutlich in sehr guter Erinnerung gehabt haben. Das unbeschwerte Leben, die vielen Theaterbesuche, seine ersten Liebeleien sowie die zahlreichen Reisen lassen ein von den politischen Geschehnissen losgelöstes und freies Leben erahnen.

Während der Befreiungskriege kämpft der Poet für Deutschland

In seinem Jugendroman „Ahnung und Gegenwart“, der 1815 nach langem Hin und Her veröffentlicht wird, beschreibt Eichendorff das Leben eines jungen Mannes, Friedrich, der gerade sein Studium abgeschlossen hat und nun in die weite Welt hinauszieht. In ihm spiegelt sich Eichendorffs Idealbild, das Leben als poetischer Einsiedler, wieder.

Freilich hat dieses Ideal Eichendorff aufgrund der auch damals vorherrschenden wirtschaftlichen Zwänge nie erreichen können. Allein von der Poesie war es Anfang des 19. Jahrhunderts keinem Dichter möglich zu leben. Deshalb war es für Joseph von Eichendorff auch notwendig sein Studium zu beenden und einen gesicherten Berufszweig einzuschlagen. Wegen seines Adelstitels und des Jurastudiums bot sich eine hohe Beamtenstelle für ihn an. Zu seinem Leidwesen erreichte er allerdings nicht wie sein älterer Bruder Wilhelm eine Anstellung im österreichischen Staatsdienst, sondern nur im protestantischen Preußen. Da Eichendorff katholischer Glaubenszugehörigkeit war, brachte diese Arbeit viele Konflikte mit sich, auf die ich allerdings nicht näher eingehen möchte.

Viel wichtiger erscheint mir sein Mitwirken im Lützowschen Freikorps 1813. Hierbei war Eichendorff in einem Bataillon unter der Führung von Friedrich Ludwig Jahn mit dabei. Sein Wunsch, ein hoher Offizier zu werden, ging jedoch nicht in Erfüllung, und so wurde er lediglich Landwehroffizier in seiner Heimat Schlesien. 1815 kämpfte er noch einmal unter General von Blücher gegen die Franzosen.

Diese eben beschriebenen Jahre werden wohl mit die bewegendsten in Eichendorffs Leben gewesen sein, da sein zukünftiges Leben deutlich wurde. Nachdem er sich 1809 mit einer relativ armen adligen Dame, Louise von Larisch, die ebenfalls aus Schlesien stammte, verlobte, fand dies ein sehr negatives Echo in Eichendorffs Familie. Trotzdem heiratete er sie 1815. Kurz darauf wurde Joseph von Eichendorffs erster Sohn geboren (Hermann).

Eichendorff blieb stets im Geiste jung

Obwohl Eichendorff in den Folgejahren seine jugendliche Lebensepoche langsam verläßt, und das auch aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen zu spüren bekommt, bleibt er zeitlebens im Geiste jung und stellt sich in seinen Werken immer auf die Seite der Jugend. Bezeichnenderweise dafür steht das dramatische Märchen Krieg den Philistern aus den Jahren 1823/24. Aus diesem Zeitabschnitt stammt auch Eichendorffs wohl bekanntestes Werk Aus dem Leben eines Taugenichts (1826), in dem er einen jungen Müßiggänger in die weite Welt (in diesem Fall hauptsächlich quer durch das ihm sehr beliebte Österreich) hinausziehen läßt, sowie weitere ironische und mit historischem Hintergrund behaftete Stücke.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst 1844 widmet sich Eichendorff dem Verfassen von Beiträgen für die Historisch-politischen Blätter für das katholische Deutschland. Trotzdem sind sein politischer Wirkungsgrad sowie der Wunsch zur politischen Arbeit sehr gering. So wendet er sich von der 1848er Revolution nach anfänglichen Sympathien aufgrund der radikalen Züge gänzlich ab und flüchtet vor ihr aus Berlin nach Dresden.

In seinen letzten Lebensjahren beschäftigt er sich mit literaturhistorischen und autobiographischen Arbeiten. Letztere wird er nicht mehr beenden können. Am 26. November 1857 stirbt schließlich im Alter von 69 Jahren der letzte große literarische Romantiker.

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