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Erzkonservative Einwanderer: Die deutschstämmigen Mennoniten in Paraguay bringen die Wüste zum Blühen

Montag, 27 Februar 2012 09:10 von Sven Dirks

Menno SimonsIn der heutigen Zeit bleibt die Einwanderung immer eine Thematik für sich. Oftmals hochgepriesen von sogenannten Wächtern der Menschenrechte, Multikultifanatikern und deutschen „Spitzen“-Politkern. Die Realität zeigt doch meist das Gegenteil dessen, was diverse Kreise in Deutschland behaupten: wahrhaftige Überfremdung, Ghettoisierung, Lohndumping und Parallelgesellschaften, die auch noch weitgehend von den Volkszersetzern gefördert werden. Der Traum von „Fach“-Arbeitskräften aus dem Ausland ist dahingeflossen, das es aber auch anders aussehen kann, beweist die Tatsache der deutschstämmigen Mennoniten in Paraguay.

Die Mennoniten, eine evangelische Glaubensgemeinschaft aus dem 16. Jahrhundert, gegründet und benannt durch Menno Simons (geb. 1496 Wietmarsum/​Friesland, siehe Bild). Ihre Glaubensgrundsätze basieren auf der Bergpredigt Jesus, wo dieser den Willen Gottes empfang. Sie leben einen erzkonservativen Stil in voller Auslegung der Bibel und haben keine zentrale Autorität, sie lehnen die Kindestaufe ab, die Ehescheidung gilt als eines der schlimmsten Vergehen und kann den Ausschluß aus der zumeist autonomen Gemeinde zur Folge haben. Die Forderung nach Trennung von Kirche und Staat sowie weitgehender Pazifismus bilden ihre Programmatik.

Die Mennoniten wurden von den katholischen als auch den evangelischen Landesherren verfolgt und begannen sich eine Zufluchtsstätte zu suchen, die sie vor allem in den benachbarten Niederlanden und Westpreußen fanden. Als der Dreißigjährige Krieg zu Ende ging, gab es auch in Baden, im Elsaß, der Kurpfalz und Mähren Ansiedlungen der Mennoniten. Da die Mennoniten eine tüchtige, von preußischen Tugenden erfüllte Gemeinschaft war, zog es sie im 18. Jahrhundert nach Rußland um dort die Sumpfgebiete entlang der Weichsel wohn– und lebensfähig zu gestalten. Durch die russische Wehrdienstverpflichtung verließ ein großer Teil der Gemeinschaft das Land später jedoch in Richtung Kanada und den USA.

Angekommen in der kaum bewohnbaren Grünen Hölle

Als Kanada in den Jahren 192627 den Mennoniten viele ihrer alten Rechte wie deutsche Schulen, Befreiung von der Wehrpflicht und die anerkannte deutsche Amtsspache verweigerte, suchten sie sich eine neue Heimat und damit begann einer der Auswanderungsschübe nach Paraguay. Im Chaco-​Gebiet, der „Grünen Hölle“, fanden die Mennoniten schließlich eine große Steppe vor, die durch viel Abholzung, Krieg und Dürre kaum zu bewohnen war. Hier wurde ihnen jedoch ihre Autonomie anerkannt und sie gründeten die erste Kolonie „Menno“.

Anfang der 1930er-​Jahre kamen weitere Mennoniten aus Rußland. Sie waren vom kommunistischen Terrorapparat verfolgt worden und gründeten die zweite Kolonie „Fernheim“. Die letzte Kolonie „Neuland“ entstand 1947 durch mennonitische Flüchtlinge aus Ostpreußen und Rußland, die erfolgreich vor der Roten Armee flohen.

Deutsche Bauernidylle in Paraguay

Wenn man heute vom Landesinneren die 470 Kilometer der Transchaco-​Straße in Richtung Chaco (Provinz Boquerón) fährt, sieht man elende Straßen, zum Teil Schotterwege, Schlaglöcher und andere Gefahrenstellen. Ab und an erblickt man auch kleine verkommene Siedlungen von Paraguayern. Dieser Anblick ändert sich, sobald man die Straßenschilder der Stadt Filadelfias erblickt. Hier begegnen einem ordentliche Straßen, breite Seitenstreifen, große Viehherden in den tadellosen Ländereien und man nähert sich den mennonitischen Siedlungsgebieten.

Der Anblick erinnert ein wenig an gutbürgerliche Wohngebiete im Stile der USA gepaart mit deutscher Bauernidylle. Die mennonitischen Städte unterscheiden sich heute in den sozialen Errungenschaften von den erzkonservativen, die sogar Elektrizität ablehnen und keine Autos besitzen. Kirchen und Gebetshäuser findet man in jeder kleinen und großen Stadt zu genüge.

Die Mennoniten haben es geschafft, die „Grünen Hölle“ bewohnbar zu machen. Sie verwandelten das Landgebiet in ein reiches, saftiges Landwirtschaftsparadies. Die paraguayanische Regierung hielt dies nicht für möglich. Seit einigen Jahren versuchen sie ebenfalls, in den Randgebieten der mennonitischen Siedlungen zu bauen. Einige Polizeistationen und Schulen baute man, doch liegt die Verwaltungsmacht ganz in den Händen der Mennoniten, obwohl diese von den insgesamt 42.500 Einwohnern der Provinz nur 14.500 Einwohner stellen.

Die Deutschen bringen die Wüste zum Blühen

Die wirtschaftliche Bereicherung des Landes durch die Mennoniten ist unübersehbar. Wie die Mennoniten selber sagen, haben sie „die Wüste zum Blühen gebracht“. Es war ein schwerer Weg und viele Glaubensbrüder verließen das Land auch wieder. Doch 1968 mit dem Bau der Transchaco-​Straße und der daraus folgenden Anbindung an die Märkte im Landesinneren kam die Wende. Heute sorgen die Mennoniten für 75 Prozent der Milchprodukte des ganzen Landes und 15 Prozent der Fleischprodukte. Die Verarbeitung und Veredelung erfolgt ebenfalls direkt vor Ort. Zudem schufen sie eine landwirtschaftliche Leichtindustrie, die von der Herstellung von Fruchtsäften bis zu Metall– und Holzverarbeitung reicht. Das durchschnittliche Jahreseinkommen der Mennoniten von ca. 11.000 Dollar beträgt so auch deutlich mehr als das der Paraguayer von 1.250 Dollar.

In Sachen Kunst und Kultur richten sich die Mennoniten immer noch nach ihren Vorfahren. Der Radiosender ZP30 spielt von amerikanischem Country, Klassik bis zu deutschem Pop und Schlager alles. Die Amtssprache ist deutsch und der Schulunterricht wird mit Materialien aus der Bundesrepublik ausgestattet. Zum großen Teil wird auch unter den Mennoniten bis heute eine Form des Plattdeutschen gesprochen. Viele jüngere sprechen aber auch fließend spanisch. So sagt der Generaldirektor David Sawatzky: „Unsere Identität ist sicherlich sehr deutsch und europäisch geprägt, wie auch unsere Wertevorstellung, die Schaffenskraft, der Fleiß.”

Deutsche Arbeitstiere treffen auf die Lebemenschen Paraguays

Der Wohlstand durch harte Arbeit ist gerade in Loma Plata höchst anschaulich: vollklimatisierte Schulen, moderne Computertechnik und Satellitenkommunikation, großzügige Einfamilienhäuser und schön gepflegte Gärten. Diese Zeichen des Wohlstandes zeigen jedoch nur die mennonitische Seite. Die Paraguayer leben vielmals in kleinen Holzhütten und haben Anstellungen als Gärtner, Bauarbeiter und manchmal auch in mittleren Büropositionen inne. Menschenrechtsorganisationen werfen den Mennoniten deshalb vor, sie seien auch rassistisch veranlagt.

Der Anthropologe Peter Sawatzky sagt dazu nur: „Die Unterschiede kann ich nicht gutheißen, die sind negativ. Wir müssen aber analysieren und sagen, wo das herkommt. Die Mennoniten sind ein sehr arbeitsames Volk, und Arbeit geht denen fast vor Leben. Von der sozialen Struktur her ist der Paraguayer das Gegenteil. Er ist ein Mann, der leben will und der für den heutigen Tag sorgt, nicht für den morgigen. Das ist der große Unterschied. Und darum haben die Paraguayer auch weniger.“

Einwanderung kann funktionieren, wenn die richtigen kommen

Jeder der paraguayanischen Arbeiter oder Angestellten bekommt jedoch Krankenhausversorgung. Die Kinder können die Schulen besuchen und bekommen auch die Möglichkeit zu studieren und das kostenfrei. Die Meinung der Paraguayer über die Mennoniten ist deshalb zumeist positiv. Sie loben den wirtschaftlichen Fleiß, die gute Organisation und Ehrlichkeit – Eigenschaften, die nicht gerade typisch sind für ein Land, dessen Staatsregierung in immensen Drogenhandel und Schmuggel involviert ist.

Die Kolonien werden bis heute in sogenannten Kooperativen aufgeteilt, die wiederum Gesetzesbeschlüsse und sonstige Wahlen demokratisch und mit der Stimme eines jeden Mennoniten abstimmen. So leben heute rund 30.000 Mennoniten in Paraguay und tragen dazu den größten Teil der Wirtschaft in Produktion und Verwaltung. Die Frage nach einem mennonitischen Präsidenten ist nicht in den Raum geworfen, viele Paraguayer sehen die Mennoniten als Hoffnungsträger des Landes. So sieht man an diesem Beispiel, wie Einwanderung ein wirklicher Erfolg sein kann, im Vergleich zu der Ideologie eines manchen Multikultiutopisten, der diesen Erfolg wiederum als Rassismus und Apartheid denunzieren dürfte.

(Bild: Menno Simons)

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