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Identitär in Orange

Donnerstag, 08 November 2012 14:02 von Peter Ulbricht
Convention Identitaire Convention Identitaire

Anfang November trafen sich im französischen Orange die Identitären zu einem großen Kongreß. Haben sie das Potential, eine europäische Jugendbewegung zu werden?

Orange ist ein kleines malerisches Städtchen in Okzitanien. Das fast schon italienische Flair paßt wunderbar zur französischen Sprache und Kultur und das milde Klima läßt uns auch im Herbst nicht frieren. Kurz: es könnte Urlaubsstimmung aufkommen, wenn wir nicht „im Dienst“ wären. Unsere kleine Reisegruppe kommt in der Nacht nach einer langen Autofahrt etwas erschöpft in Orange an. Der Grund unserer Reise ist die Convention Identitaire vom 3. bis 4. November 2012. Zum zehnten Mal halten die französischen Patrioten vom Bloc Identitaire diese jährliche Konferenz ab. Doch dieses Jahr ist alles anders.

Das ganze Ereignis steht unter dem Eindruck einer großen Aktion der jungen Generation Identitaire (GI). Am 20. Oktober 2012 besetzten rund 60 Aktivisten der GI das Dach der Großmoschee in Poitiers. Passend zum Jahrestag des Sieges von Karl Martell im Jahr 732 traf diese symbolische Aktion einen Nerv in den konservativen und rechten Kreisen Europas. Gemeinsam mit dem Video der GI, ihrer „Kriegserklärung an Multikulti“, brachte sie die vormals unbekannte Gruppe in aller Munde.

Keine Antifa

So haben sich diesmal zur Convention Identitaire Vertreter identitärer Gruppen aus ganz Europa angekündigt und kommen in Orange in einer Veranstaltungshalle – einem häßlichen, hypermodernen Glaskasten – zusammen. Doch die Organisatoren wissen auch das propagandistisch auszunutzen …

Linksextreme Gegendemonstranten? Fehlanzeige! Kein einziger „Antifaschist“ wird uns an diesem Wochenende über den Weg laufen. Ob es daran liegt, daß in Orange mit Jaqcques Bompard eine der wichtigsten Persönlichkeiten der französischen Rechten Bürgermeister ist?

Wie dem auch sei: Grüppchenweise kommen die Identitären aus ganz Frankreich an. Bedruckte Pullover und Fahnen verweisen auf ihre lokalen Gruppen und ihren regionalen Stolz. Das allgegenwärtige schwarz-​gelbe Lambda zeigt aber, daß der Generation die Einigung der vielen Gruppen gelungen ist. Dann treffen Fabrice Robert (Bloc Identitaire) und andere Führungspersönlichkeiten ein. Es geht los.

Die Themen: Zuwanderung, Islamisierung, Europa

Die Tagung beginnt mit der Rede eines jungen Aktivisten aus Paris, der eine Kampagne gegen den amtierenden Präsidenten François Hollande vorstellt. Weitere Redebeiträge von Politikern und Wissenschaftlern folgen. Zahlreiche Videoeinspielungen begleiten sie. Hierbei werden auch verschiedene Meinungen und Ansichten präsentiert. Debatten finden (etwa zwischen einem katholischen Priester und einem laizistischen Publizisten) statt. Es geht um die brennenden Fragen Europas: Masseneinwanderung und Islamisierung, sowie die Bildung einer europaweiten Gegenstrategie. Die Strategie der identitären Bewegung zeichnet sich klar ab. Hier gibt es keine fruchtlosen Grundsatzdebatten, kein Fachsimpeln über geopolitische oder philosophische Spezialfragen. Man spricht ganz klar und präzise die Probleme an, die heute den einfachen Leuten aller europäischen Nationen am Herzen liegen.

Viele Ottonormalbürger und Sympathisanten im Publikum zeigen, daß die Identitären keine isolierte Randgruppe sind. Dennoch hebt sich ihre Linie klar vom Rechtspopulismus vieler Parteien ab. Den Problemen wird auf den Grund gegangen und der Kampf gegen sie wird außerparteilich auf die Straße getragen. Die Stimmung im Saal ist auch mit keinem Parteitag vergleichbar: Die jungen Franzosen klatschen und jubeln, lassen ihre Lambda-​Fahnen wehen und skandieren ihre Slogans. Hier ist nichts einstudiert, hier sitzen keine Partei-​Claqueure. Hier drückt sich ein gemeinsamer Wille und ein gemeinsames Ideal aus. Es ist der Wille der Jugend Europas, Kultur und Tradition weiter zu tragen, der hier in Frankreich endlich einen massentauglichen Ausdruck gefunden hat.

Französische Regionalisten

In den Pausen zwischen den Reden gibt es Gespräche zwischen den französischen Aktivisten und den deutschen Besuchern. Viele Schüler und Studenten, aber auch bullige Arbeitertypen sowie einige Frauen sind darunter. Die Deutschen bekommen Tausend Tipps, T-​Shirts, Fahnen und Bücher. Die berüchtigte „sprachliche Arroganz“ der Franzosen ist hier nicht zu spüren. Ob das ein Nebeneffekt des regionalistisch-​identitären Gedankens ist? Bemerkenswert ist jedenfalls, daß keine einzige Tricolore im Saal hängt.

Nach einem anstrengenden und interessanten Tag klingt die Veranstaltung mit einem gemeinsamen Essen aus. Der Weg zur Festhalle wird ein lustiger Zug durch die ganze Stadt, bei dem das absolute Fehlen von Gegendemonstranten und Polizei noch einmal so richtig deutlich wird.

Die Vielfalt der Identitären

Junge Wilde aus Südfrankreich, offensichtlich aus der Metalszene und Thorshammer behängt, feiern, gemeinsam mit kreuzbewehrten Katholiken aus Paris, zu den Klängen der Rock-​Identitaire Band Stella. Auch bei steigender Feierlaune und nach einigen geleerten Weinflaschen bleibt das Verhalten der Jungen „militants“ tadellos. Die identitäre Strömung ist keine Biedermann-​Maske für den Tag, hinter der nachts die Szenefratze zum Vorschein kommt. Das wird uns spätestens jetzt klar. Man habe in den letzten Jahren einen radikalen inneren „Reinigungsprozeß“ durchgezogen und unbelehrbare Personen ausgeschlossen, erzählt ein Mitglied der GI zufrieden. Seitdem klappe alles besser und die Bewegung sei erfolgreicher.

Am nächsten Tag nach ein paar abschließenden Reden endet das große Zusammentreffen auch schon. Die identitäre Bewegung hat bewiesen, daß sie das Potential hat, zu einer europaweiten Jugendbewegung zu werden, die alte Ressentiments hinter sich läßt, den gemeinsamen Gegner erkennt und eine europäische Vision entfaltet, die nichts mit der real existierenden Europäischen Union zu tun hat.

Hier geht es zur Internetseite der Generation Identitaire!

Hier geht es zum Aufkleber „Identitäres Europa“ aus unserer Verkaufstheke!

(10.000 Stück sind bereits verkauft: Es geht also voran!)

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