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Tradition und ägyptische Frauen

Mittwoch, 19 Dezember 2012 16:57 von Roland Woldag (Gastautor)
Ägypten Ägypten

Warum kann man die westliche Werteordnung nicht einfach so auf der ganzen Welt einführen? Ägyptens Frauen helfen uns weiter:

Die Wahlen zur neuen Verfassung in Ägypten gehen wie erwartet zugunsten der Muslimbruderschaft aus. Es gab kürzlich ein bemerkenswertes Interview in den abendlichen Nachrichten des Staatsfernsehens, in welchem ägyptische Wahlhelferinnen nach ihrer Motivation gefragt wurden. Antwort: „Erst hat man versucht uns den Sozialismus und jetzt die westliche Lebensweise aufzuzwingen, wir wollen aber nach unseren Traditionen leben.“

Diese ägyptischen Frauen standen im Glauben, was ihr buntes Kopftuch symbolisierte, sie vermittelten, dass ihr Einsatz der Abwehr gottloser Fremdmächte und dem Erhalt der für sie natürlichen Ordnung dient. Sie wehren sich gegen totalitäre Systeme wie den gescheiterten Sozialismus oder eine „säkular-​liberale Demokratie“, die alle tradierten Autoritäten diskreditiert, Blasphemie befördert, Sitten und Normen „modernisiert“, werdendes Leben tötet, die Heiligkeit der Ehe untergräbt und mit einem Absolutheitsanspruch auftritt, den man vom Totalitarismus erwartet: Die „westliche Werteordnung“ maßt sich an, alle vor ihr liegenden Ordnungen auf den Friedhof der Geschichte zu verweisen und begreift sich wie der marxistische Kommunismus „als höchste und letzte Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung“. Die linke Hybris des Sozialismus setzt sich in der säkular-​liberalen Demokratie also lediglich fort, denn ihre Wurzel ist die gleiche wie die aller linker Ordnungen: Gottlosigkeit. Für Muslime ein Aufruf zum Jihad.

Westliche Aggressoren mit technischer Übermacht

Selbst die westlichen Medien beschreiben die Auseinandersetzungen um die ägyptische Verfassung als „Kampf zwischen säkularen, liberalen Kräften (Demokraten) und radikalen Islamisten (Konservative).“ Das bedeutet: Kampf zwischen Gottlosen und Religiösen. Die technische Überlegenheit der säkularen Macht lässt erkennen, wer das Ungleichgewicht verursacht, wer aufrüstet und wer nachrüstet, wer also die Radikalisierung vorantreibt.

Ob eine Waage in die eine oder andere Richtung ausschlägt, wird nicht nur von der Masse der Gewichte, sondern auch durch ihre Verteilung bestimmt. Die natürliche (göttliche) Ordnung der Welt strebt immer nach Ausgleich. Neigt sich das System aus der Mitte, tauchen stets Kräfte auf, welche dieses auszubalancieren versuchen. Es ist der ewige Kampf zwischen Gut und Böse, göttlichen und satanischen Kräften. Der Islam mit seinem kriegerischen Fundament ist das Produkt einer Balance, die zu halten die verzagten Christen hinter ihren Kirchenmauern heute nicht in der Lage sind, und so stehen sich nun zwei kriegsentschlossene Parteien gegenüber, welchen die pazifismusgelähmten Christen im Wege stehen. Hat man je davon gehört, dass das Angloimperium sich als Schild vor die christlichen Minderheiten des Orients gestellt hätte? Gehört hat man vom Einsatz für Schwulen– und Frauenrechte und der Verteilung von Kondomen, alles zur präventiven Feinddezimierung.

Die orientalischen Christen hatten allen Grund, den Sturz ihrer Despoten zu fürchten. Zieht die Harke des demokratischen Krieges erst einmal durchs Land, trifft es zuerst die Christen. Die 2000 Jahre überdauernden koptischen Gemeinden Ägyptens geraten nun unter die Räder des Kampfes zwischen den beiden anderen monotheistischen Religionen. Die eine bietet tausende „zornige junge Männer“ auf, die andere beherrscht das Kapital und alles, was man sich dafür kaufen kann, um die Welt nach den eigenen Bedürfnissen umzuerziehen. Das Kreuzrittermäntelchen, in das sich das Angloimperium hüllt, ist hingegen eine bewusste Täuschung, die radikale Islamisten dankbar aufgreifen, um gegen die Christen im eigenen Land vorzugehen. Es ist diabolisch, wie die Gottlosen die Christen von den religiösen Nichtchristen verfolgen lassen, statt es selbst zu tun (wodurch die Maske fallen würde) und sich die Christen der Illusion hingeben, auf der Seite der Demokraten Schutz zu finden.

Sezession und christliche Reichsgründung

Ein Wettrüsten führt im Extremfall zum Zerbrechen der Waage. Konkret hieße das am Ende Krieg. In der Gemengelage sind dann Gut und Böse nicht mehr auseinanderzuhalten. Entscheiden wird, welche Kräfte das erschöpfende Gefecht bestehen. In der Regel sind es die mit den metaphysischen Reserven, die Glaubensstarken beider Seiten. Für Christen ist es sehr ermutigend, in diesem Zusammenhang zu sehen, dass dort, wo die satanischen Kräfte am rigorosesten wüteten, Christen töteten und ihre Kirchen schliffen, heute das Christentum wieder am tiefsten verwurzelt ist: Im Rumänien Ceausescus und Georgien Stalins. Sie haben sich als die bitter lachenden Dritten erwiesen.

Nach dem Untergang des Sowjetreichs konnte sich im Bannfluch des Angloimperiums ein gebärstreikender, also lebensfeindlicher, säkularer Imperialismus der Brüsseler Kommissare herausbilden, der seinen Zerfall nur noch durch Kreditausweitung und Krieg verzögern kann und folglich keine Zukunft hat. Wir haben im letzten Jahrhundert schon mehrere Systeme dieser Machart scheitern sehen, die auf Pseudowissenschaften wie den „Wissenschaftlichen Kommunismus“ gründeten, ein Tausendjähriges Reich proklamierten oder wie die EUdSSR auf ewig für alternativlos gelten wollten. Wenn die politische Klasse das Volk mit der ständigen Wiederholung von Begriffen wie „ewig, permanent, dauernd, unwandelbar, stabil, oder unverbrüchlich“ in den Schlaf zu singen versucht, dann kann man davon ausgehen, dass für sie die Geschichte bald vorbei ist.

Kraft und Spiritualität einer natürlichen Ordnung

Die darauf folgende Alternative wäre eine „unvorstellbare“ Reformation: Sezession und christliche Reichsgründung. Die Unvorstellbarkeit wirkt noch stark verunsichernd, da alle Wahlmöglichkeiten zur Parteiendemokratie vom System kriminalisiert werden, wie man es von allen „alternativlosen“ Weltanschauungen der Geschichte gewohnt ist. Auch ist der Einwand richtig, dass die Menschen durch Reformationen nicht besser geworden seien, es hat nur einen Rücksetzer gegeben, der die menschliche Natur entblößte, die auf Revolutionen folgenden Kriege eingeschlossen. Reformationen und ihre Nachwirkungen korrigieren aber Verfehlungen. Sie sind etwas Überfälliges und letztlich dem ewigen Kreislauf des Lebens geschuldet. Der Wandel ist das einzig Beständige in der Zeit.

Die Wiederherstellung eines universalen, übernationalen, sakralen „Heiligen Römischen Reiches“ könnte seine Kraft und Spiritualität aus den Tiefen der europäischen Geschichte schöpfen. Ein freier, föderativer Völkerbund in der Mitte Europas, der aus der Auferstehung und Einheit der Christenheit erwächst, ist die natürliche Ordnung Europas, die wieder jedem seinen notwendigen Platz zuweist. Dieses Reich würde den ägyptischen Wahlhelferinnen wohlwollenden Respekt abringen.

Im Februar 2012 haben wir mit Roland Woldag ein ausführliches Gespräch geführt, das hier nachgelesen werden kann.

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