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Deutsch vom Ohr bis zum Arsch

Mittwoch, 08 Januar 2014 15:39 von Johannes Schüller
Akif Pirinçci Akif Pirinçci

BN-​Gespräch. Der Schriftsteller Akif Pirinçci, Jahrgang 1959 aus Istanbul, kämpft gegen „Feministen-​Scheiß” und „grüne Hirnwäscher”. Ein Gespräch über sein neues Buch, Grüne und 21-​jährige Kunststudentinnen.

Blaue​Narzisse​.de: Herr Pirinçci, Sie haben ein neues Buch mit dem Titel Deutschland, Deutschland unter alles angekündigt. Wenn Sie das gegenwärtige Deutschland so ankotzt, was machen Sie dann noch hier?

Akif Pirinçci: Sonst geht es Ihnen aber noch gut, ja? Ich würde dieses Land nicht einmal verlassen, wenn man mich am Bonner Marktplatz ans Kreuz nageln und zwingen würde Always Look on the Bright Side of Life zu singen. Ich bin „deutsch, vom Ohr bis zum Arsch” wie der Deutschhasser und Journalistenimitator Deniz Yücel von der taz mich einmal so treffend und liebevoll charakterisiert hat.

Allerdings habe ich mir später sagen lassen, daß Yücels Penis viel, viel kleiner ist als meiner. Vielleicht hat er das also auch nur aus reinem Neid gesagt. Nein, ich liebe dieses Land aus dem tiefsten Grunde meines Herzens mit all seinen Fehlern und Defiziten. Manchmal bilde ich mir sogar ein, ich wäre hier geboren, obwohl ich erst mit neun Jahren nach Deutschland gekommen bin, und mein Opa wäre in Stalingrad erfroren. Ich habe auch keine andere Staatsangehörigkeit als die hiesige.

Daß ich wohl zur Zeit der schärfste Kritiker dieses Landes bin, bedeutet ja nicht, daß ich mich darin nicht sauwohl fühlen würde. Das drücke ich auch in meinem Februar bis März erscheinenden Buch aus. Allerdings kann es sein, daß ich nach dem Erscheinen dieser Schrift für ein paar Jahrzehnte in den Hochsicherheitstrakten dieser Republik verschwinde. Denn solch eine brutale, aggressive und insbesondere vulgäre Aufklärung über deutsche Verhältnisse hat es hierzulande bis jetzt nicht gegeben. Ich habe mich beim Schreiben in einen Rausch hineingesteigert. In einen deutschen. Gut, der Fusel, den ich dabei zu mir genommen habe, hat auch dazu beigetragen.

Bekannt wurden Sie ab 1989 als Autor der Katzenkrimi-​Serie Felidae. Seit 2012 schreiben Sie vor allem über „Bekloppte, deren einziger Sinn und Zweck darin besteht, Steuergelder zu schmarotzen”, so einer Ihrer Facebook-​Einträge. Was ist Ihr Sinn im Leben?

Sex natürlich! Ich liebe die Frauen, ich liebe alles an ihnen. Und dann das Schreiben. Und sonst gar nichts. Ganz ehrlich, selbst wenn ich den Jackpot knackte, würde ich mich nur zehn Minuten darüber freuen. Denn dadurch würde sich in meinem Leben auch nicht so viel ändern. Dafür bin ich zu alt. Ich muß halt immer wie ein Irrer schreiben, etwas anderes macht mir nun einmal keinen Spaß. Am Strand einer karibischen Insel die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, schön und gut.

Aber spätestens nach einer halben Stunde würde ich wohl irgendwas zu kritzeln anfangen – wenn mich nicht eine Schöne in ihre Arme zerrt. Inzwischen ist es mir sogar scheißegal geworden, was und worüber ich schreibe, ob Roman, Artikel, Sachbuch oder eine fast 300seitige Wutreden wie Deutschland, Deutschland unter alles. Ich freue mich, wenn Leute zu mir sagen: „Sie haben uns mit Ihren Katzenbüchern so viel Freude bereitet”, aber auch darüber, wenn man mir schreibt: „Ich habe etwas von Ihnen gelesen und ich verabscheue Sie!” Wirkung ist alles. Und wer kann schon behaupten, er kenne die Wahrheit über unser Sein?

Im Dezember vergangenen Jahres kritisierten Sie die Spiegel Online–Autorin Sibylle Berg als „Schriftstellerdarstellerin”. Was unterscheidet Sie von Frau Berg?

Der größte Unterschied besteht wohl darin, daß ich ein paar Büchlein mehr verkauft habe als diese Dame. Doch Sibylle Berg ist halt eine typische Vertreterin des deutschen Kulturbetriebs. Wissen Sie, es gibt eigentlich nur zwei Sorten von Künstlern: Einmal diejenigen, welche von der Realität derart abgehoben sind, daß sie sich nur noch in Kunstwelten voller Trolle, Drachen und intergalaktischer Raumschiffe bewegen. Dann gibt es wiederum diejenigen, die ein scharfes Auge für Realitäten besitzen und kunstvoll den Ist-​Zustand der Welt abbilden.

Beide Formen sind für den Kunstkonsumenten ein Genuß, wenn sie gut gemacht sind. Das Dilemma mit den deutschen Intellektuellen ist – darüber schreibe ich auch in meinem Buch –, daß sie diese beiden Sichtweisen miteinander auf eine groteske Art vermengen. Frau Berg faselt in ihrer Kolumne zum Beispiel darüber, daß deutsche Männer sich eine Gebärmaschine als Frau wünschen würden. Da denke ich: „Mein Gott, die Arme ist die Treppe runtergestürzt und ist sehr unglücklich auf den Kopf gefallen.” Ich meine, wir leben in einem Land, in dem immer weniger Kinder produziert werden, in dem sich Männer und Frauen nichts weniger wünschen als Kinder. Da muß man schon blind, taub und Analphabet sein, um zu dem Schluß zu kommen, daß Männer sich eine Gebärmaschine an den Hals wünschen.

Wie kommt die Frau zu dieser Ansicht? Ganz einfach: Sie hat sich wohl etwa vor 25 Jahren irgend so einen Feministen-​Scheiß zusammengelesen, der damals schon nicht gestimmt hat, und ihn sich gut gemerkt. Und den will sie uns jetzt als deutsche Realität verkaufen. Das ist weder kreativ noch realistisch. Es ist nicht einmal Fantasy.

In Ihrem Artikel Das Schlachten hat begonnen vom März 2013 entwerfen Sie das Horrorszenario eines ethnischen Bürgerkrieges, dessen Beginn wir bereits erlebten. Werden Sie mit in den Bürgerkrieg ziehen?

Da haben Sie den Text nicht richtig gelesen. Ich sage darin ausdrücklich, daß es eben nicht zu einem Bürgerkrieg kommen wird, weil die Deutschen sich bis zu ihrem eigenen Untergang ficken lassen werden. Und sobald jemand aufsteht und die Dinge benennt, wie sie sind, wird er sofort kriminalisiert und mundtot gemacht. Ich bin der festen Überzeugung, daß mehr als die Hälfte der publizistisch Tätigen in diesem Land sich inzwischen gar nicht mehr als Chronisten und Kreative verstehen, sondern als Gedankenpolizisten. Sie fragen bei „Widerständlern” ständig nach dem politisch korrekten Führungszeugnis.

Und das wird von den Grünen ausgestellt. Damit meine ich gar nicht einmal die konkrete Partei, sondern deren Denkweise bzw. die jahrzehntelange Hirnwaschung der Deutschen seitens der linken Presse und Bildungseinrichtungen. Am Ende glaubt jeder, das größte Problem dieses Landes sei die Diskriminierung des „dritten Geschlechts” ‒ obwohl niemand so ein Alien kennt ‒ und daß die Schwulen nicht heiraten dürfen. Währenddessen verschleiert und verpackt der Moslem vor aller Augen seine Frau und Töchter und kackt auf ihr Selbstbestimmungsrecht. Naja, anderseits ist das ja in Sibylle Bergs Fiebertraum nicht vorgekommen.

Es ist bekannt, dass Sie 21jährige Kunststudentinnen mögen. Wie viele haben sich schon bei Ihnen gemeldet?

Gar keine! Aber der Weg ist das Ziel. Oder hieß das „Der Wunsch ist der Vater des Gedankens”? Meine Güte, es gibt so tolle deutsche Redensarten!

Herr Pirinçci, vielen Dank für das Gespräch!

Deutschland, Deutschland unter alles erscheint im Frühjahr diesen Jahres beim Verlag Manuscriptum. Hier geht es zu Pirinçcis Blog.

Bild: Privatarchiv Akif Pirinçci

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