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Patriotismus und Nazivorwurf

Mittwoch, 09 April 2014 13:31 von BN-​Redaktion

Anläßlich unseres zehnjährigen Bestehens erscheint Anfang Juni der vierte Band der Reihe BN-​Anstoß mit dem Titel „Nazivorwurf. Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“.

Vor wenigen Wochen hat der ZEIT-​Kolumnist Harald Martenstein treffend beschrieben, welchen Zweck Nazivorwürfe haben: „Immer wenn ich Nazivergleiche lese, denke ich: Da sind jemandem die Argumente ausgegangen.“

Braune Narzisse?

Seitdem es die Blaue Narzisse gibt, kennen wir dieses Spielchen. Nachdem wir 2004 die Blaue Narzisse als Chemnitzweite Schülerzeitung gründeten, dauerte es nicht lang, da gab es schon die erste pseudowissenschaftliche Studie, die nachweisen wollte, daß „der Vorwurf des Rechtsextremismus (…) gerechtfertigt“ sei. Damit die Ergebnisse dieser fragwürdigen Untersuchung auch jeder mitbekommt, bauten die Initiatoren die Internetseite www​.braune​-narzisse​.tk auf.

Die Argumentation war in etwa so aufgebaut: Zwar findet man in der Blauen Narzisse keine offen rechtsextremen Standpunkte, aber die Redakteure kennen Leute, die Nazis kennen, und müssen deshalb selbst Nazis sein. Das eigentliche Ziel der Studie, eine Zementierung linker Ideologie, gaben die Autoren dann jedoch in ihrem Fazit offen zu: „Mit der Verteilung und dem Verkauf der Blauen Narzisse an den Chemnitzer Gymnasien tragen die Initiatoren des Projektes dazu bei, dass rechtes Gedankengut wieder zur Normalität unter Jugendlichen wird und treiben somit den gesamtgesellschaftlichen Rechtsruck um ein gutes Stück voran.“ Während sowohl eine gemäßigte als auch radikale Linke in Deutschland mit großer Selbstverständlichkeit hofiert werden, dürfe es „keinen Platz für eine intellektuelle Neue Rechte geben“.

Der Nazivorwurf vergiftet das Meinungsklima

Um die eigene Deutungshoheit zu bewahren und einen kontroversen Diskurs zu verhindern, griffen unsere Gegner sofort zum vernichtendsten Vorwurf, den es in Deutschland gibt: den „Nazivorwurf“. Mittlerweile ist das Meinungsklima so vergiftet, daß fast jeder Opfer dieses Vorwurfs werden kann.

Harald Martenstein hat dies zu Recht kritisiert und auf die Schippe genommen: „Aus dieser meiner Meinung ergibt sich glasklar, dass ich ein Nazi bin. Auch Adolf titelentwurf kleinHitler hat behauptet, es gebe wertvolle und weniger wertvolle Musik. Sein Musikgeschmack unterscheidet sich stark von meinem, bis auf Beethoven und Wagner, die wir beide schätzen. Aber das ist nicht der springende Punkt. In Wirklichkeit ist jede Musik exakt gleich viel wert, alles andere wäre Diskriminierung. Wer behauptet, dass Ray Charles kulturell wertvollere Beiträge geleistet hat als De Randfichten, ist ein Rassist und ein Nazi.“

Ein bißchen Patriotismus ist schon zu viel

In unserem Fall war es die Mitgliedschaft einiger Redakteure in einer Schülerburschenschaft, die zum Nazivorwurf führte. Alle Bekenntnisse zur demokratischen und freiheitlichen Tradition der Burschenschaft und der Hinweis darauf, daß Burschenschaften im Dritten Reich verboten waren, halfen nichts. Lehrer, Pressevertreter, anonyme Antifaschisten und Politiker wollten unser Projekt vernichten, doch letztendlich scheiterten sie. Aber warum?

Die meisten, die mit dem Nazivorwurf konfrontiert werden, distanzieren sich verständlicherweise von der ihnen vorgeworfenen totalitären Ideologie. Was sie nicht ahnen: Das Spielchen, auf das sie sich eingelassen haben, wird dazu führen, daß sie sich am Ende von allem und jedem distanzieren müssen. Das läuft nach dem Prinzip: Okay, Sie distanzieren sich vom Nationalsozialismus. Aber stolz auf Deutschland wollen Sie trotzdem sein? Das geht doch gar nicht!

Es folgen weitere Nachfragen: Wenn Sie kein Nazi sind, warum haben Sie dann vor fünf Jahren mit jemandem an einem Tisch gesessen, dem eine bekannte Zeitschrift eine verdächtige Gesinnung bescheinigte?

Wer sich distanziert, verliert!

In dem neuen Bändchen der Reihe BN-​Anstoß beschreiben sechs junge Autoren, wie man sich gegen den Nazivorwurf selbstbewußt wehren kann. Eins ist dabei klar: Man darf die Fragestellung des politischen Gegners nicht akzeptieren und muß weiter den Weg gehen, den man für richtig erachtet. Nur so konnte bei unseren Autoren, die mit ca. 16 Jahren anfingen, politisch zu denken, aus einem oberflächlichen Patriotismus ein tieferes Verständnis der deutschen Kultur erwachsen.

Diese noch immer andauernde Suche nach dem Kern der deutschen Kultur, unserer Identität und den gegenwärtigen Grenzen der Verwirklichung dieser Ideale haben wir in dem 100 Seiten starken Bändchen Nazivorwurf. Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein zusammengetragen.

Das Büchlein erscheint Anfang Juni 2014 und sollte hier vorbestellt werden, damit bei großem Interesse die Startauflage noch nach oben korrigiert werden kann.

Felix Menzel /​Johannes Schüller /​Gereon Breuer /​Carlo Clemens /​André Rebenow /​Philip Stein: Nazivorwurf. Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein. BN-​Anstoß IV. 100 Seiten. 8,50 Euro. Chemnitz 2014.

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