Startseite Rezension Ein preußischer Revolutionär: Vox Libris Hörbuch über Ernst von Salomon
Ein preußischer Revolutionär: Vox Libris Hörbuch über Ernst von Salomon PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Nils Wegner   
Montag, den 01. März 2010 um 15:00 Uhr

Ernst von SalomonAnlässlich des jüngst erschienenen Ernst von Salomon-Artikels lohnt es, sich mit einer etwas älteren Umsetzung dieser Thematik zu befassen. 2002 wurde zu Ehren des 100. Geburtstags Salomons vom geheimnisvollen Münchner Label Vox Libri das Tribut-Hörbuch „Ernst von Salomon – Ein preußischer Revolutionär“ veröffentlicht.

Fesselnde Stücke über die blutigen Anfangsjahre der Weimarer Republik

In dreizehn „Liedern“ werden ausgewählte Passagen aus „Die Geächteten“ vorgetragen. Hierbei handelt es sich um Salomons autobiographisches Debütwerk, von dem Ernst Jünger schrieb: „Es verdient gelesen zu werden, weil es das Schicksal der wertvollsten Schicht der Jugend, die während des Krieges in Deutschland heranwuchs, erfaßt.“ Und in der Tat schafft es der Vorleser mit seiner eindringlichen und sonoren Stimme, den Hörer sofort in seinen Bann zu ziehen. Die Erzählweise Ernst von Salomons tut ihr Übriges dazu, dem Hörer vor dem Lautsprecher die Geschichten aus dem Baltikumkampf, von der Niederschlagung roter Räterepubliken oder aus dem Verschwörerkreis der Organisation Consul, aus deren Dunstkreis heraus Salomon in das Attentat auf Walther Rathenau hineingezogen wurde, nahezubringen.

Zwischen Resignation und Tatendrang

Musikalisch untermalt werden die Textpassagen vom Musiker Raymond Plummer und seinem Neoklassik-Projekt The Days of the Trumpet Call. Mit traumwandlerischer Sicherheit schafft Plummer es, den Buchauszügen durch stimmige und verhalten hymnische Kompositionen einen würdigen Hintergrund zu schaffen. So wird der Hörer direkt in das heroische Treiben der Freikorps und Geheimorganisationen hineingezogen, in ihre Kämpfe um die Unversehrtheit des deutschen Territoriums und des deutschen Nationalstolzes – und in die Niedergeschlagenheit der Kriegsheimkehrer und der Jugendlichen, die 1919 vor dem Scherbenhaufen ihrer Illusionen standen und sich in einem Akt des zornigen Widerstands gegen alle wandten, die ihnen das geschlagene Deutschland lebendig vorexerzierten.

„Wo war Deutschland? In Weimar, Berlin? Einmal war es an der Front, aber die Front zerfiel. Dann sollte es in der Heimat sein, aber die Heimat trog; es tönte in Lied und Rede, aber der Ton war falsch. Man sprach von Vater- und Mutterland, aber das hatte der Neger auch. Wo war Deutschland?“, heißt es da unter dem Eindruck der nach Deutschland zurückkehrenden, demobilisierten Armee, und von Salomons Antwort folgt sogleich: „Aufrufe hingen an den Straßenecken. Freiwillige wurden gesucht, Formationen sollten zusammengestellt werden für den Grenzschutz im Osten. Am Tage nach dem Einmarsch der Truppen in die Stadt ließ ich mich werben. Ich wurde angenommen – ich wurde eingekleidet – ich war Soldat.“

Musikalische Inszenierung als Vorgeschmack auf das Original

„Diese Produktion kann dem Werk und der Person Ernst von Salomons nicht gerecht werden – vielmehr ist es das Anliegen von Vox Libri, Interesse für Ernst von Salomon zu wecken und eine eingehendere Beschäftigung mit seinen Veröffentlichungen zu empfehlen.“ So steht es im umfangreichen und geschmackvollen Beiheft zur CD, das mit seinen vielen Bilddokumenten und Hintergrundinformationen dazu beiträgt, genau diese Prämisse zu erfüllen. Nach dem Genuss des Albums kommt man kaum umhin, das behandelte Buch nun endlich auch in Gänze lesen zu wollen. Ein Wille, der bedauerlicherweise derzeit wohl nur in Bibliotheken und Antiquariaten zu realisieren sein wird, da eine Neuauflage des Werks bis auf weiteres nicht geplant ist.

Autobiographie eines „Romantikers im Stahlhelm“

„Die Geächteten“ stellt so etwas wie den Rechenschaftsbericht eines jungen Nationalisten dar. Ernst von Salomon, der sich selbst als „Romantiker im Stahlhelm“ begriff, focht an vorderster Front mit, als es darum ging, das verlorene Nationalbewusstsein neu zu erkämpfen. Im Geiste taten das die Protagonisten der Konservativen Revolution, zu denen von Salomon ebenfalls schnell Zugang fand – für die von Ernst Jünger und Friedrich Hielscher herausgegebene Zeitung „Der Vormarsch“ arbeitete er zeitweilig als Redakteur.

Der Tribut-Tonträger „Ernst von Salomon – Ein preußischer Revolutionär“ ist ein stimmungsvolles Stück vertonter Konservativer Revolution zum steten Genießen und insbesondere jungen Hitzköpfen nahezulegen, die ganz nach Salomons Vorbild noch auf der Suche nach „ihrem“ Deutschland sind.

Ernst von Salomon - Ein preußischer Revolutionär; Vox Libri 2002

 
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