Startseite Rezension „Das hohe C“ – Gretchenfrage an die Unionsparteien von Wolfgang Ockenfels
„Das hohe C“ – Gretchenfrage an die Unionsparteien von Wolfgang Ockenfels PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Lukas Lange   
Freitag, den 07. Januar 2011 um 14:07 Uhr

Wolfgang Ockenfels„Wohin steuert die CDU?“, fragt sich Wolfgang Ockenfels in seinem Buch Das hohe C. Der Dominikanermönch und Professor für Christliche Sozialwissenschaften sieht die Christdemokraten auf Abwegen. Anders als die übrigen CDU-Kritiker fokussiert er dabei jedoch in erster Linie den schwindenden Einfluss der christlichen Soziallehre auf Programmatik und Politik der Union. Eine interessante, wenn auch manchmal zähe Gretchenfrage an Merkel und Co. Allerdings hinterfragt Ockenfels nicht nur kritisch, sondern antwortet auch konstruktiv und unterbreitet Lösungsvorschläge.

Rückbesinnung auf christliche Wurzeln

In Scharen kehren konservative Stammwähler der Union den Rücken. Selbst in der Hochburg Baden-Württemberg muss die CDU im März um die Macht bangen. Sie scheint nicht mehr das zu verfügen, was sie einst ausmachte – besonders, seit die Protestantin Angela Merkel das Ruder übernommen hat. Wolfgang Ockenfels sieht nur eine Lösung für das Dilemma, in der sich Partei und Wähler gleichermaßen befinden: eine Rückbesinnung der CDU auf ihre christlichen Wurzeln. Dabei betrachtet er die Partei nicht primär als politisch konservativ. Die Wurzeln der Christdemokratie sieht er vor allem in einer engen Bindung an die Kirchen und einer Schlüsselfunktion der christlichen Soziallehre.

Keine Kampfschrift, sondern konstruktiv mit Tiefgang

Bevor Ockenfels überhaupt in die aktuelle Problemsituation einsteigt, widmet er sich daher ausführlich einer Analyse der „christlich-sozialen Bewegung“ und ihrem Einfluss auf die frühe Christdemokratie. Obwohl inhaltlich relevant für die nachfolgenden Gedankenanstöße zieht sich dieser Abschnitt teilweise unnötig in die Länge, was das Werk etwas abstrakt und zäh erscheinen lässt. Wer eine reine Kampfschrift gegen eine „entchristlichte“ CDU erwartet, dürfte daher leicht enttäuscht werden. Zwar verleiht der Autor seiner Wut gegen die Entwicklung seiner Partei gerne einmal verbal Ausdruck. Das hohe C ist dennoch eine sachlich und tiefgängig gehaltene Problemanalyse. Statt unnötig zu polemisieren, zählt Ockenfels der Union lieber akribisch genau auf, wo ihre Schwachstellen liegen und wie sie zu beheben sind.

Interessant: Die Zehn Gebote für die CDU

Diese konstruktive Herangehensweise ist einer der größten Pluspunkte des Buches. Resümiert wird sie in einer interessanten und lesenswerten Interpretation der Zehn Gebote in Bezug auf die CDU. Christlich-konservativ geprägte Kritiker der Partei sollten zuschlagen, jedoch keine allzu populistische Abrechnung erwarten.

Wolfgang Ockenfels: Das hohe C. Wohin steuert die CDU? Sankt Ulrich Verlag 2009. 176 S. 16,90 Euro

 
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